00:10
Wie soll die Zahl der HIV-Infektionen gesenkt werden? Wie soll die Menschheit umgehen mit Fortschritten in der Genmedizin? Und wie könnte man den Ebola-Ausbruch in Kongo-Kinshasa wirkungsvoll eindämmen? Auf diese Fragen suchen wir Antworten in der nächsten gut halben Stunde. Schön, sind Sie dabei. Ich bin Katrin Hisse.
00:34
In den vergangenen Tagen fand in Rio de Janeiro die internationale AIDS-Konferenz statt. Die Frage, wie man HIV-Neuinfektionen auf Null bringen kann, war dabei ein wichtiges Thema. In der Schweiz hat sich der Bundesrat schon bis Ende 2023 auf dieses Ziel festgelegt, allerdings stagniert die Zahl der jährlich gemeldeten Fälle hierzulande seit Jahren.
00:57
Die Aids-Hilfe Schweiz hat deshalb ein nationales Pilotprojekt durchgeführt mit HIV-Tests, die man anonym und kostenlos nach Hause bestellen kann, bis sie dem Nullziel einen Schritt näher kommen. Jetzt veröffentlicht die Aids-Hilfe die Resultate. Mirjam Kuhl aus der Wissenschaftsredaktion hat bei der Projektleitung nachgefragt.
01:18
Seit Ausbruch der Aids-Epidemie hat die Schweiz viel erreicht. In den 90er-Jahren noch gab es im Schnitt 1300 HIV-Neuinfektionen pro Jahr. Heute sind es 300 bis 400. Doch auf diesem Niveau bleibt die Zahl hängen, seit Jahren schon.
01:36
Jetzt ist es tatsächlich schwierig. Die letzten Meter sind immer am intensivsten.
01:43
Marc Eckenberger leitet Projekte der Aids-Hilfe Schweiz. Für diese letzten Meter brauche es neue Ideen. Potenzial sieht die Aids-Hilfe etwa darin, HIV-Tests einfacher zugänglich zu machen. Denn noch immer wissen etwa 7% der Menschen mit HIV in der Schweiz nicht, dass sie das Virus in sich tragen. Das ist fatal. Werden sie nicht behandelt, erkranken sie an Aids und sie können das Virus unbemerkt weitergeben.
02:12
Das heisst, wir müssen noch diese 7% ausfindig machen.
02:16
Mit diesem Ziel vor Augen hat die Aids-Hilfe Schweiz nun einen neuen Ansatz getestet. Kostenlose HIV-Selbsttests, die anonym bestellt werden, sollen Risikogruppen erreichen, die bislang nur schwer oder gar nicht erreicht wurden.
02:31
Wir konnten über schwule und bisexuelle Dating-Apps unter anderem Werbung schalten, damit Personen dann von dort aus direkt einen Test bestellen konnten.
02:43
Über 1500 Selbsttests wurden auf diese Weise bestellt.
02:47
Das ist ein Riesenerfolg. Wir waren sehr überrascht, dass so viele Personen das bestellt haben.
02:53
Und unter diesen Personen sind tatsächlich auch einige, die mit den bisherigen Präventionsmassnahmen nicht erreicht wurden. Jeder Neunte hat zuvor noch nie einen HIV-Test gemacht.
03:05
Wir erreichen also Personen, die zum allerersten Mal einen Test machen.
03:09
Das sei entscheidend, um noch nicht erkannte HIV-Infektionen zu entdecken. Die Hoffnung ist, dass sich diese Personen zukünftig regelmässig testen lassen, also eine Testroutine entwickeln. Unter offenschwulen Männern hat sich diese Testroutine weitestgehend etabliert, bei anderen Gruppen noch nicht.
03:30
Es geht auch um Personen, die sich immer noch als heterosexuell bezeichnen, die aus verschiedenen Gründen sich vielleicht auch nicht outen können, nicht in einem Umfeld sind, wo sie darüber sprechen können und deshalb eben dann auch noch nie einen HIV-Test gemacht haben.
03:47
Für manche Menschen sei der Gang ins Testcenter nach wie vor eine Hürde. Selbst Tests, die man Hause bestellen kann, könnten helfen. Das Projekt werde nun vorerst nahtlos weitergeführt, sagt Mark Eckenberger. Zunächst hauptsächlich mit Spendengeldern der Aids-Hilfe.
04:06
Wir möchten das Angebot auch ausweiten, damit es allen Menschen der Schweiz zugänglich gemacht wird.
04:13
Da ist die Frage der Finanzierung. Tests sind teuer, wir können das nicht gratis anbieten. Da sind auch der Bund und die Kantone gefragt, die das finanzieren müssten.
04:26
Eckenberger hofft, dass die Schweiz gerade jetzt ein Zeichen setzt.
04:31
Wir sehen in den USA, wie Gelder gekürzt werden, die internationale Auswirkungen haben, gerade im Bereich HIV. Und das ist auch eine Signalwirkung gegen Aussen. Und wenn das natürlich eben so bei uns passiert, ist das auch das falsche Signal. Wir müssen jetzt schauen, dass wir dranbleiben und nicht in den letzten Metern sozusagen aufhören.
04:56
Ob die anonymen HIV-Selbsttests tatsächlich Infektionen verhindern können, muss sich erst noch zeigen. Die Ergebnisse ihres Pilotprojekts präsentieren Mark Eckenberger und seine Kollegen diese Woche an der Internationalen Aids-Konferenz. Dort halten sie auch Ausschau nach Ansätzen aus anderen Ländern, um die HIV-Neuinfektionen in der Schweiz bis 2030 auf Null zu bringen.
05:22
Der Beitrag von Miriam Kull Ein kleines Mädchen in China hat Entwicklungsstörungen. Die Diagnose ein kleiner Genfehler. Die Eltern entscheiden sich dafür, ihre Tochter von einem bekannten Biochemiker geneditieren zu lassen, für sehr viel Geld. Die Sechsjährige tritt ins Spital ein, gesund, abgesehen von einer leichten Behinderung. Sieben Tage später ist sie tot, als Folge der fehlgeschlagenen Therapie.
05:53
Diesen Fall hat das Wissenschaftsmagazin «Science» eben publik gemacht. Und er wirft Fragen auf zum Umgang mit den wissenschaftlichen Fortschritten in der Gentechmedizin. Christina Scheidegger hat Wissenschaftsredaktorin Katrin Zöfel gefragt, was im skizzierten Fall schiefgelaufen sei.
06:12
Also dieses Kind, um das es geht, das hatte eine Entwicklungsstörung. Die war mit sechs Jahren deutlich spürbar in der Sprache, in der Bewegung. Aber todkrank war das Kind nicht. Das wird gleich noch wichtig. Die Eltern haben sich sehr stark eingesetzt, sich mit den ersten oberflächlichen Diagnosen, die sie bekommen haben, nicht zufrieden gegeben. Sie haben weitergebohrt, bis klar war, dieses Kind hat eine seltene Genmutation. Und da ist der zweite Knackpunkt, es ist eine sehr simple Mutation, wo nur ein einziger Buchstabe im Erbgut falsch ist.
06:45
In der Theorie hat die Wissenschaft für so etwas inzwischen die richtigen Werkzeuge, also solche, die so einen Buchstaben korrigieren könnten. Das wissen die Eltern und dann suchen sie jemand, der aus der Idee für sie eine Therapie macht. Sie finden ihn in Shanghai. Mit Geld der Eltern entwickelt er eine Therapie extra für sie. Gängige Praxis ist eigentlich, dass man solche experimentellen Therapien nur anwendet, wenn ein Patient todkrank ist. Diese Regel missachten Forscher, Ärzte und Eltern.
07:18
Am Ende ist das Kind tot und dieser Sterbefall war bis gestern Abend nicht publik.
07:24
Und was oder wer hat denn nun dafür gesorgt, dass der Tod des Mädchens und die damit verbundenen Umstände doch noch publik geworden sind? Das waren die Eltern.
07:34
Die wollen, dass ihre Geschichte erzählt wird, auch wenn oder gerade weil sie sich selbst wirklich Vorwürfe machen jetzt. Sie wollen, dass anderen Eltern nicht das Gleiche passiert. Die denken, das wäre doch alles ganz einfach und das machen wir jetzt. Deshalb haben sich die Eltern an eine Organisation gewandt, die sich weltweit für redliche Wissenschaft einsetzt, die heißt Retraction Watch. Diese Organisation hat sich dann, weil sie normalerweise nicht selber journalistische große Recherchen machen, an Science gewandt.
08:05
Sie, Kathrin Zöfel, beobachten die Entwicklungen in der Gentechnik seit Jahren genau. Was würden Sie sagen, zeigt dieser Fall exemplarisch?
08:14
Also was da passiert ist, das hat mit einem sehr krassen Spannungsfeld zu tun, seit es die Genschere und ihre teils noch viel besseren Nachfolgermodelle gibt. Da ist so viel denkbar geworden. In der Theorie klingt das dann alles oft auch ganz simpel. Die Hoffnung schiesst da ins Kraut.
08:32
Es ist einfach vor lauter Hoffnung blind zu werden, wird ein Forscher bei Science zitiert und das stimmt. Ich konnte mit einem der Science-Journalisten John Travis auch sprechen. Er sagte mir, dass der Forscher in Shanghai offenbar ganz redlich und ehrlich diesen Eltern helfen wollte. Das würde heißen, selbst der ist vor lauter Hoffnung blind geworden. Dabei sah man in den Tierversuchen, die er gemacht hat, die Risiken. Die Tierversuche waren auch nicht wirklich gut genug, um wichtige Fragen zu klären. Also er ist da zu schnell vorgegangen, nicht gründlich genug.
09:05
Er hat das alles einfach ausgeblendet und ging nach vorn. Genau da zwischen Hoffnung, Hype und oft doch noch harte Realität, da steht die Gentherapie gerade. Ist es ein Zufall, dass ein Fall wie dieser in China passiert?
09:22
In Recherchen zu Forschung in China ist mir immer wieder begegnet, dass Fortschritt dort ein sehr hohes Gut ist, dass der Optimismus groß ist, auch der Technik glaube und dass es einen starken Willen gibt, einfach mal nach vorn zu gehen. Gleichzeitig ist auch die Haltung verbreitet, dass Fortschritt einen Preis hat und auch einen Preis haben darf. Gleichzeitig wäre es, glaube ich, wirklich wichtig. falsch zu sagen, das ist jetzt typisch China, aber ich habe schon den Eindruck, dass es da ein Klima gibt, das Risikofreude eher betont und da geht dann mancher vielleicht auch eher zu weit.
09:55
Was sind die Lehren, die es Ihrer Meinung nach aus einem solchen Fall zu ziehen gilt, für die Medizin, aber auch für die Politik?
10:02
Da gibt es viele, auch teilweise sehr detailliert, aber ich möchte ein paar wenige rausgreifen. Erstens, so verlockend die Hoffnungen sind, man muss, muss, muss langsam vorangehen. Die Therapie für dieses Kind, das war die erste überhaupt, die so massiv Nervenzellen im Körper und im Hirn verändern sollte. Das ist was ganz anderes als eine Gentherapie für Blindheit zum Beispiel, wo nur an einer ganz, ganz kleinen Stelle im Auge Zellen verändert werden sollen. Bei letzterem im Auge sind die Risiken heute schon beherrschbar.
10:35
Bei ersterem, das hat man jetzt eben gesehen, nicht. Das heißt also weitergehen, aber wirklich langsam nicht zu große Risiken eingehen. Und dann, das ist bei diesem Fall wirklich auch deutlich geworden, bei bestimmten Therapien, so risikoreichen Therapien, Braucht es viel bessere Sicherheitsvorkehrungen von außen, die vorgegeben sind? Ethikboards, aber auch wirklich der kritische Blick von Kollegen von außen, die immer wieder beurteilen, darf man damit jetzt weitergehen oder muss man noch vorsichtig bleiben?
11:12
Mit 81 Jahren ist Gunther von Hagens vor wenigen Tagen verstorben. Ihm haben wir die Ausstellungen Körperwelten zu verdanken. Er entwickelte eine Technik, die Leichen so haltbar macht, dass sie sich dauerhaft ausstellen lassen. Wissenschaftsredakteurin Katrin Zöffel.
11:30
Höhepunkt der Körperweltenausstellungen waren Mitte, Ende der 1990er die Ganzkörperpräparate. Vollständige Körper in lebensechten Posen. Sie zeigen den Menschen unverstellt bis ins kleinste anatomische Detail. Und vom Fötus bis ins hohe Alter. Gunther von Hagens war der, der herausfand, wie das gehen kann. Tote Körper zu konservieren, ohne sie zu mumifizieren. Er erfand die Plastinierung. Zuerst stoppt dabei Formalin die Verwesung.
12:02
Dann werden Hautfett und Bindegewebe entfernt, schließlich Wasser und Fett im Gewebe durch Acetron ersetzt. Das Aceton wiederum wird unter Vakuum durch flüssigen Kunststoff ausgetauscht, der bis in die Zellen eindringt und aushärtet. Eine langwierige, aber wirkungsvolle Prozedur. Die Ausstellungen mit plastinierten menschlichen Körpern wurden ein extremer Erfolg und sorgten für extremen Streit. Die Frage stand im Raum, ob von Hagens die Leichen immer rechtmäßig erworben hatte.
12:35
Vorwürfe und Verteidigung bleiben dabei bis heute in einer Art Schwebe. Klar ist, von Hagens hat Grenzen überschritten und dabei die einen gegen sich aufgebracht und die anderen fasziniert. Bis heute touren die Körperwelten Ausstellungen durch viele Städte.
12:58
Die Ebola-Epidemie in Kongo-Kinshasa breitet sich rasch weiter aus. Seit Ende April sind über 1500 Personen am Virus gestorben. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen. Seit der am schnellsten wachsende Ebola-Ausbruch aller Zeiten, hiess es von der UNO. Die Zahl der Fälle im zentralafrikanischen Land verdoppelte sich alle 20 Tage. Entsprechend intensiv läuft derzeit die Suche nach neuen Medikamenten und einer Impfung. Christina Scheidegger hat Wissenschaftsredaktorin Katrin Zöfel gefragt, was passiert da gerade in Kongo-Kinshasa?
13:34
Also es ist Hilfe vor Ort, es gibt Kliniken, es gibt Ärzte, aber es macht doch den Eindruck, als könnten die Ärzte und die Behörden dem Ausbruch kaum etwas entgegensetzen. Das würde ich gerne an ein paar Zahlen aufhängen. Man schätzt, dass ein Ebola-Fall in dieser Region etwa 40 Kontakte hat, die er angesteckt haben könnte. Diese 40 muss man finden, testen, wenn nötig behandeln. Das würde den Ausbruch effektiv bremsen. Doch das Finden, Testen und wenn nötig behandeln, das gelingt tatsächlich nur bei vier Kontakten, vier von 40.
14:09
Jetzt ist aber, solange es keinen Impfstoff gibt, diese Kontaktnachverfolgung wirklich das Mittel, das man hat. Und ich rechne das nochmal nach, es funktioniert nur zu 10 Prozent. Jetzt noch zur Dimension, zur aktuellen Dimension. Letzte Woche gab es knapp 900 neue Fälle. Wenn es so weitergeht wie im Moment, sind es in drei Wochen dann 1.800 pro Woche. Nochmal drei Wochen später, dann haben wir Mitte September, das ist gar nicht so weit weg, wären das schon 3.600 neue Fälle pro Woche.
14:42
Und da rede ich nur von denen, Sie haben es schon angesprochen, nur von denen, die man kennt, die Dunkelziffer ist hoch.
14:50
Bei anderen Ebola-Ausbrüchen sind die Ansteckungen deutlich weniger schnell angestiegen. Was ist denn dieses Mal anders?
14:57
Also ganz banaler Punkt, der Ausbruch wurde spät entdeckt, also als er schon groß und dynamisch war. Andere wurden früher entdeckt. Zweiter Faktor, die Mittel, die man einsetzt, die reichen nicht, siehe oben, siehe Kontaktnachverfolgung. Und die Region, die ist wirklich schon sehr lange unterversorgt. Die Frage, die Ärzte, die jetzt helfen wollen, laut berichten, wirklich oft hören, ist, warum kommt ihr jetzt bei Ebola und nicht vorher, wo wir hier an Masern und Cholera gestorben sind?
15:28
Das Ergebnis ist, das Vertrauen dort geht gegen Null. Das führt auch dazu, dass die Menschen nicht gerne in die Kliniken kommen. Und wenn sie kommen, dann kommen sie, wenn es zu spät ist, für sie selbst und sie vorher auch schon als kranke Freunde und Familie angesteckt haben.
15:45
Also Medikamente, eine Impfung möglicherweise, wären entscheidend bei der Bekämpfung. In welche Richtung zielen nun die Ansätze in der Forschung? Also erst mal Tempo, Tempo, Tempo.
15:55
Die Forschung hat diesmal wirklich sehr schnell auf aktiv geschaltet. In Oxford war es wohl so, dass einen Tag, nachdem der Ausbruch bekannt wurde, die Forscherin schon im Labor saß und die ersten Tests angeschoben hat im Ärzte. Test für einen Impfstoff angeschoben hat. Im Spätherbst soll dieser Impfstoff vor Ort in Uganda und Kongo, Kinshasa getestet werden. Also geht es wirklich um Monate, wo dann ein Impfstoff schon wirklich testfähig ist. Dann gibt es noch zwei weitere Projekte, die sind ein bisschen langsamer, die arbeiten auch an Impfstoffen.
16:30
Das passiert alles parallel und gleichzeitig sind Studien angelaufen mit Medikamenten, die erkrankten Menschen helfen könnten, mit Remdesivir, das kennt man vielleicht von Covid, und mit Antikörpern plus einem präventiven Medikament, Obeldesivir. dass Menschen, die sich womöglich infiziert haben, schützen könnte, sodass sie gar nicht erst krank werden. Und die Frage, wo man jetzt eigentlich investieren sollte, was man jetzt tun sollte, die wurde tatsächlich ziemlich kollektiv getroffen, wo man Wissen ausgetauscht hat, das Ganze hat die WHO koordiniert.
17:05
Also es scheint recht schnell vorwärts zu gehen. Die Zeit drängt ja auch. Was hat man denn bei der Entwicklung von Medikamenten und Impfungen gelernt aus früheren Ebola-Ausbrüchen, aber auch aus der Corona-Pandemie?
17:16
Da geht es tatsächlich um ganz konkretes, ich nenne das jetzt mal katastrophentaugliches Studiendesign. In der Pandemie hat vor allem Großbritannien Studiendesigns entwickelt, die man, wenn die Situation es erfordert, auch zwischendurch einfach mal anpassen kann, die also nicht ganz so streng und rigide sind, wie man es kennt, und trotzdem gute Ergebnisse liefern. Und genau solche Designs, die werden jetzt auch in Kongo-Kinshasa angewendet. Und dann geht es um Geld. Nach dem Ebola-Ausbruch in Westafrika vor gut zehn Jahren, da wurde SIPI gegründet, eine Organisation, die in genau solchen Situationen schnell Geld zur Verfügung stellen kann, Genau das tut sie.
17:58
Sie hat im Juni 60 Millionen Dollar für die Forschung bereitgestellt.
18:04
Was sind die Perspektiven beim aktuellen Ebola-Ausbruch in Kongo, Kinshasa?
18:09
Ich höre und lese von denen, die sich auskennen, dass der Ausbruch ohne einen Impfstoff nicht zu beenden sein wird. Das war auch bei früheren Ebola-Ausbrüchen so. Sobald sie eine gewisse Größe hatten, ganz sicher möglich wird sein, die Sterblichkeit zu senken, einfach wenn die Menschen früher in die Spitäler kommen und die Medikamente, die jetzt angeschaut werden, tatsächlich helfen. Ich habe gesagt, einfach kommen die Menschen früher in die Kliniken, ist nicht so einfach. Aber vielleicht hilft es auch, das Vertrauen zu stärken, wenn die Medikamente tatsächlich wirken.
18:43
Aber aus der Vogelperspektive, es ist wirklich schwierig einzuschätzen, welcher Faktor sich jetzt wie stark durchsetzt. Misstrauen und Chaos oder die Bemühungen, Ebola zu bremsen. Klar ist, es braucht wirklich deutlich mehr Hilfe vor Ort.
19:00
Soweit Wissenschaftsredaktorin Katrin Zöfel zum Ebola-Ausbruch in Kongo, Kinshasa.
19:11
Die Wasserqualität in den meisten Schweizer Seen und Flüssen ist ausgezeichnet. Dennoch gibt es hin und wieder auch gesundheitliche Risiken. Und Vorsicht ist angebracht. So können sich zum Beispiel Blaualgen bei warmen Wetter stark vermehren und giftige Stoffe bilden, die insbesondere für Kleinkinder, Schwangere, Personen mit schwachem Immunsystem und auch für Hunde gefährlich sind. Christina Lang hat das Thema besprochen mit Wissenschaftsredakteurin Barbara Reie.
19:40
Also Blaueigen sind eigentlich gar keine Algen, sondern Bakterien. Fachleute nennen sie deshalb Cyanobakterien. Sie gehören zu den ältesten Lebewesen auf der Erde und kommen in allen Gewässern natürlich vor. Es gibt mehrere tausend Arten von ihnen, die in ganz verschiedenen Farben auftreten können. Wie Pflanzen zum Beispiel betreiben sie auch Photosynthese. Die meisten der vielen Blaualgen sind aber ungefährlich. Doch von rund 40 Arten ist bisher bekannt, dass die Gifte produzieren, die für Menschen und Tiere schädlich sind.
20:13
Und darum geht es genau. Meistens sind die Konzentrationen in unseren Gewässern aber so gering, dass keine Gefahr besteht. Bei auffälligen Massenvorkommen von Blaualgen ist allerdings Vorsicht geboten.
20:26
Es ist noch gut mit dieser Einordnung. Es gibt also viele verschiedene Arten von Blaualgen. Tausende und nur wenige, nur 40 davon, können gefährlich sein. Aber was du gerade gesagt hast, wenn man eine grosse Ansammlung von Blaualgen sieht, dann sollte man vorsichtig sein, besser nicht ins Wasser gehen. Kommen die Blaualgen nur in Seen vor oder auch in Flüsse und in anderen Gewässern?
20:46
Ja, tatsächlich. Sie können auch in Flüssen vorkommen, etwa am Rand, wo das Wasser sich gering bewegt, aber auch in Teilchen, Weiern oder sogar temporären Kleingewässern wie Pfützen.
20:57
Und wie passiert es genau, dass die Blaualgen oftmals in sehr grossen Mengen auftreten können?
21:02
Also warmes Wasser, viel Sonne, viele Nährstoffe wie Phosphor und Stickstoff schaffen ideale Bedingungen, bei denen sich bestimmte Arten von Blaualgen wirklich explosionsartig vermehren. Dann bilden sich sogenannte Blaualgenblüten.
21:18
Doch sie können auf natürliche Weise auch rasch wieder verschwinden, etwa durch Wasserströmung, Niederschläge oder biologischen Abbau. Dies passierte tatsächlich gerade letzte Woche am Lago Maggiore. Auf einmal war die Mitte Juni aufgetretene Blaualgenblüte plötzlich wieder weg. Dennoch, Forscher beobachten die Situation und das ist besonders wichtig.
21:41
Die haben dort ein Auge drauf und sicher auch alle die Leute, die am Lago Maggiore leben oder die Ferien machen. Aber Barbara, können wir noch einmal beschreiben, wie das genau aussieht, die Blaualgenblüten, wenn es so grossflächige Ansammlungen gibt?
21:55
Das Wasser wirkt oft trüb oder verfärbt sich grünlich, bläulich, gelblich oder rötlich. Zum Teil kann dieses ungewöhnliche Farbenspiel ähnlich wie ein Ölgemälde aussehen. Etwa wie der Himmel im Bild Sternennacht von Van Gogh. Doch es kann auch ganz verschiedene Formen haben. Typisch sind Schlieren, Schaumteppiche, Flocken oder Klumpen an der Oberfläche. Diese klassischen Blaualgenblüten treiben in unterschiedlichen Wassertiefen und sind deshalb nicht immer sofort erkennbar. Neben diesen meist großflächigen Blaualgenblüten gibt es aber auch sogenannte Blaualgenmatten.
22:31
Sie wachsen bei klarem, nährstoffarmen Wasser in Ufernähe auf Steinen, Holzstücken oder Wasserpflanzen und meistens am Gewässergrund. Dösen sich davon ein paar kleine Fetzen ab, können sie ans Ufer gespült werden und dort für Tiere und unter Umständen auch für Kinder ein Gesundheitsrisiko darstellen. In der Schweiz, aber auch in Amerika, Neuseeland und Kanada kam es in den letzten Jahren tatsächlich zu Todesfällen bei Hunden, verursacht durch solche giftigen Aufwuchsalgen, die umgangssprachlich interessanterweise auch Krötenhäute genannt werden.
23:07
Dieser Name ist bizarr, doch die vom Grund des Gewässers nach oben geschwemmten rostbraunen oder grünbraunen Blaualgenlappen sehen rau, uneben, fleckig aus und erinnern irgendwie tatsächlich an die warzige Haut der Kröte.
23:25
Eine Frage aber noch, wieso sagt man denen den Blaualgen, wenn sie ja gar nicht immer blau sind, so wie du es beschrieben hast?
23:31
Also der umgangssprachliche Name kommt eigentlich von dem blauen Farbpigment Phykozyanin. Sie besitzen aber auch noch das grüne Pigment Chlorophyll. Die Vielfalt der Blaualgen ist gross. Je nach Art können sie sogar ganz anders gefärbt sein, wie etwa die Blüte der roten Burgunderblutalge.
23:52
Also es gibt ganz viele und von diesen vielen verschiedenen Arten von Blaualgen gibt es gewisse, die giftig sind. Was für Gift ist denn das? Wie wirkt das?
24:01
Also einige Arten von Blaualgen bilden sogenannte Cyanotoxine. Dazu gehören Mikrocystine, die die Leber schädigen können. Oder Anatoxine, die auf das Nervensystem wirken. Andere Stoffe von Blaualgen können dagegen den Magen-Darm-Trakt oder das Immunsystem beeinflussen. Aber wie gesagt, nicht alle Blaualgen sind giftig. Und es gibt ja unglaublich viele, von denen wirklich nur ein Bruchteil gefährlich ist.
24:29
Und die auffälligen Schlieren und Verfärbungen im Wasser sind auch nicht immer von Blaualgen. Zum Beispiel unter bestimmten Bedingungen können auch harmlose Kieselalgen oder Unmengen an Blütenstaub ähnlich aussehen.
24:45
Also an der Wasseroberfläche sieht das dann so aus. Für Laien ist das aber oft sehr schwer zu unterscheiden. Deshalb raten Fachleute, auffällige Ansammlungen im Wasser vorsichtshalber lieber zu meiden. Denn sie können Krankheitserreger, Allergene oder teilweise halt auch diese Giftstoffe enthalten. Und das kann gefährlich sein, besonders für Kinder oder auch für kleinere Tiere. Die verschlucken beim Spielen oder beim Schwimmen eher Wasser oder Algenmaterial.
25:14
Also warte kurz, verschlucken ist gar nicht gut. Hautkontakt ist aber, glaube ich, auch nicht ideal. Also nicht durchschwimmen durch solche Algen oder Felder schlieren. Was sind denn die Symptome, was passiert, wenn man in Kontakt kommt mit diesen Blaualgen?
25:28
Also schon kleine Mengen können Beschwerden wie Hautreizung, Erbrechen, Durchfall oder Atemprobleme auslösen. Aber auch Bindehautentzündungen, allergische Reaktionen, Krämpfe, Lähmung oder Bewusstseinsstörungen können auftreten. Es kommt ganz darauf an, um welche Art von Giftstoff und welche Konzentration es sich handelt.
25:50
Die Symptome bei Hunden, die aufgrund verschluckter Blaualgen ein Nervengift in ihrem Magen haben, sind zum Beispiel ein schwankender Gang und Zittern. Den Tieren wird schlecht und sie versuchen zu würgen und zu erbrechen, also es wieder loszuwerden. Und nach kurzer Zeit können sie nicht mehr stehen und fallen um, sind kurz darauf bewusstlos. Es gab in der Schweiz zum Beispiel 2021 und 2022 deshalb einzelne Todesfälle bei Hunden.
26:19
Soweit Wissenschaftsredagatorin Barbara Reihe.
26:22
Das war es mit einem Rückblick auf ein paar Wissenschaftsthemen der letzten Woche. Ich bedanke mich fürs Zuhören. Mein Name ist Katrin Hiess. Das war ein Podcast von SRF.
26:37
Produziert im Auftrag der SRG.