00:03
ARD Sounds Und jetzt, verehrte Hörerinnen und Hörer, kein Mups.
00:14
Der Krimi-Podcast.
00:15
Jacqueline! Herr Wirk, ich habe Angst. Wo waren Sie? Sie können mir nichts beweisen. Ist das Ihre Hose? Nein, doch.
00:20
Das ist nicht wahr.
00:22
Ich habe nichts gemacht.
00:23
Jemand dreht mich an.
00:24
Ich sage ja, ich habe es getan. Ich bin in Behandlung.
00:26
Nein! Was sagen Sie? Ich kann es nicht!
00:29
Herbert. Marion. Aber Heinz ist tot. Sie sind nicht Otto Schlünzel.
00:32
Nein, ich habe Tante Hedwig nicht erschossen. Das ist alles. Hallo.
00:36
Hallo. Sie heißen? Otto Schlünzel.
00:37
Ich habe damit nichts zu tun. Hallo.
00:40
Wer spricht denn da?
00:41
Gisela.
00:44
Kein Mucks, der Krimi-Podcast mit Bastian Pastewka am Mikrofon. Wir bringen hier kostbare Klassiker, Hörspielschätze in Mono. Jeden Donnerstag fischen wir spannende Krimis aus den Rundfunkarchiven und die landen sofort in ARD-Sounds.
00:59
Hier ist das Stereo-Versuchsprogramm des Deutschen Demokratischen Rundfunks aus dem Funkhaus in Leipzig.
01:05
Ich darf Sie bekannt machen mit dem Großen Rundfunkorchester Leipzig.
01:11
Ach, wie schön. Wir lauschen mal wieder in die alte DDR. Und diesmal haben wir gleich zwei feine Radiostücke aus den späten 70er-Jahren für Sie in Mono, keine Sorge. Sie stammen aus einer Sendereihe, die es nicht mehr gibt.
01:30
Am Freitag.
01:34
Der Krimi am Freitag war ein fester Termin. 21.30 Uhr auf Radio DDR1. Der Schauspieler Hans-Georg Thies machte diese Echo-Ansage zur Titelmusik von Martin Hattwig. Und dieser Indikativ erklang vor fast allen Krimis am Freitag. Im Januar 1976 startete die Sendereihe und änderte die Art der Hörspielunterhaltung.
01:56
Das kommt von die vielen Krimis im Fernsehen.
01:59
Der Rundfunk der DDR wollte eine feste Unterhaltungshörspielreihe einrichten, um den Krimis aus dem Rias und den anderen Westsendern etwas entgegenzusetzen.
02:08
Wir werden das überprüfen.
02:09
Aber Herr Kommissar. Tatsächlich kommen die meisten Krimis am Freitag deutlich lässiger daher als die losen Einzelstücke, die es vorher gab. Doch eines blieb stets gleich.
02:19
Immer muss denn ja ein Mörder da sein.
02:22
Ja, und zwar schnell. Alle Geschichten wurden in 30 Minuten auserzählt. Dann war der Fall gelöst. Um 22 Uhr kamen die Nachrichten.
02:29
Die Sendereihe war so beliebt, dass die Folgen sogar mehrfach in der Woche im Programm wiederholt wurden. Niemand sollte einen Krimi am Freitag verpassen. Auch nicht bei der Nachtwiederholung am Mittwoch.
02:39
Haben Sie die Frage nicht verstanden? Doch.
02:43
Nein. Manche Produktionen kamen aus Leipzig, manche aus Berlin.
02:47
Das Moor, das kann ganz plötzlich in Bewegung kommen. Wo vor einer Woche noch fester Boden war, da ist ein Moorloch.
02:54
Jo, Morden im Norden könnte das Motto dieser Podcast-Ausgabe lauten. Unsere beiden Krimis am Freitag spielen auf dem Land. Der erste heißt Tod im Moor.
03:04
Das Moor ist tückisch.
03:06
Wer sich da nicht auskennt. Das Stück wurde 1979 produziert. Es spielt aber ein paar Jahre vorher, 1973. Und zwar in Niedersachsen, in der Lüneburger Heide. Und es behandelt einen 25 Jahre alten Cold Case. Gute Unterhaltung.
03:24
Krimi am Freitag.
03:40
Ich fürchte, es wird bald Regen geben. Machen Sie jetzt nur ein paar Stichworte, Freund Gerstorf. Ausarbeiten können wir Sie hier im Hotel. Also, Datum Juli 73. Juli 73. Gelände Hochmoor mit allen dafür typischen Erscheinungsformen an Flora und Fauna.
03:56
Flora und Fauna.
03:57
Zu empfehlen, die in den Niederlanden erprobte Fennkultur. Nach Entwässerung, in Klammern gesondertes Gutachten, Abtragen der Bunkerde bis zum Mineralboden.
04:10
Wieder in Klammern, Legmoor.
04:12
Dr. Schneider, kommen Sie schnell.
04:14
Was ist denn los? Ist was passiert?
04:16
Wir sind im dritten Quadranten fündig geworden.
04:20
Das ist ja großartig. Topfscherben, Hausbalken? Wieder noch eine Moorleiche.
04:27
Was?
04:28
Kommen Sie. Das ist ja sensationell. Womöglich paläontropologisch. Leider nicht. Ganz im Gegenteil.
04:38
Da, sehen Sie sich das an. Großer Gott. Alle Arbeiten einstellen. Wir müssen die Polizei benachrichtigen.
04:50
Musik Tod im Moor. Ein Kriminalhörspiel von Gerhard Jeckel.
05:03
Musik
05:07
Mein Vater kommt sofort. Noch ein Bier?
05:10
Ja, und ein Bomberlunder, bitte.
05:14
Bring mir auch ein Bier, Irene.
05:16
Ja, gut.
05:18
Sie wollten mich sprechen? Leuschwitz, Anton Leuschwitz ist mein Name. Angenehm. Krüger, Kriminalassistent. Kriminalpolizei in unserem Dorf, das war ja noch nie da. Die Umstände erfordern es nun mal. Ja, ja, ja, ja. Der Fund im Moor, nicht? Ja.
05:35
Weiß man denn schon Näheres über den armen Teufel? Das hoffe ich ja gerade von Ihnen zu erfahren, Herr Leutschwitz.
05:40
Das Moor ist tückisch. Wer sich da nicht auskennt, Ihr Gedeck zum Wohl.
05:47
Danke. Und auch wer sich auskennt, das Moor, das kann ganz plötzlich in Bewegung kommen. Wo vor einer Woche noch fester Boden war, da ist ein Moorloch.
05:57
Meine Tochter, die ist hier aufgewachsen, die kennt das Moor und eines Tages hat sie es dann doch erwischt.
06:02
Na, na, na, ich lebe ja noch, Vater.
06:04
Ja, weil Dietmar dich noch rechtzeitig fassen konnte. Das ist mein Schwiegersohn. Die jungen Leute wollten ins Nachbardorf zum Tanzen.
06:11
Nun lass mal den Herrn Kriminalassistenten mit den ollen Geschichten zufrieden, Vater. Der hat jetzt ganz andere Sorgen.
06:18
Ich will ja damit nur sagen an Fremde, nicht der allein ins Moor geht, womöglich noch nachts. Der hat wenig Chancen durchzukommen. Wie kommen Sie darauf, dass der Tod ein Fremder ist? Ja.
06:32
Muss ja wohl. Wenn einer aus der Gegend hier abgegangen wäre, davon hätte man doch gehört. Das ist logisch. Ja, sehen Sie.
06:41
Tja, das tut mir leid, dass ich Ihnen nicht helfen kann. Vielleicht doch.
06:45
Gerade weil es ein Fremder ist. Wie mein Sie denn das? Der Moorhof ist doch der einzige Gasthof hier am Ort. Ja.
06:53
Seit wann bewirtschaften Sie ihn denn? Ich habe ihn von meinen Eltern übernommen. 46, als ich aus dem Krieg kam. Aha, also Familienbesitz. Ja, seit 100 Jahren.
07:02
Das ist ein schönes Anwesen. Hier könnte ich es eine Weile aushalten, wenn die leidiger Arbeit nicht wäre.
07:07
Vater hat alles modernisiert. Zentralheizung, Badezimmer, Reitpferde haben wir auch.
07:13
Dann haben Sie sicher über Gäste nicht zu klagen.
07:15
Weiß Gott nicht. Wir haben alle Hände voll zu tun.
07:17
Na also. Ach, jetzt verstehe ich. Sie glauben, der Tote... Der hätte mal bei uns logiert. So ist es. Na, hören Sie. Dann wüssten wir doch Bescheid.
07:29
Vielleicht nur für eine Nacht. Auf der Durchreise oder so.
07:34
Möglich ist das schon, aber... Sehen Sie, ich habe mich seit zehn Jahren auf meinen alten Teil zurückgezogen. Meine Tochter und mein Schwiegersohn führen jetzt das Hotel.
07:44
Tja, wenn ich Ihnen helfen kann?
07:46
Das glaube ich kaum. Sie sind ja erst zehn Jahre hier im Geschäft.
07:50
Ja, wie lange hat denn der tote Moor gelegen?
07:55
25 Jahre in etwa. Wie lange?
07:59
Und da kümmern Sie sich heute noch drum?
08:01
Gewiss, bei einem Mordfall.
08:04
Mord?
08:05
Ja, das Moor hat sich sein Opfer nicht geholt. Der oder die Mörder haben den Mann nach der Tat dem Moor übergeben.
08:16
Das ist ja schrecklich.
08:18
Ja, wie wurde er denn?
08:20
Er wurde erschlagen.
08:23
Tja. Sagt Ihnen der Name Matala etwas? Matala? Nee. Nee, nicht, dass ich wüsste. Vielleicht hat dieser Mann bei Ihnen doch übernachtet.
08:40
Wissen Sie doch, da kamen und gingen so viele Matala...
08:50
Sagen Sie mal, woher wissen Sie eigentlich seinen Namen? Wenn der Mann was bei sich gehabt hat, Papiere oder so, dann sind die doch unterdessen im Moor verrottet.
08:59
Er hat da ein Zigaretten-Etui bei sich, mit einem gravierten Namenszug. Ach so.
09:06
Ja, aber das kann doch vorher jemand anders gehört haben. Damals wechselte viele seinen Besitzer. Ja.
09:15
Tag, alle zusammen.
09:17
Alfons, kommst du als Dorfscheriff oder als Gast?
09:21
Ich habe mit dem Herrn Kriminalassistenten was zu bereden, Anton. So, na ja, dann wollen wir nichts hören. Komm, Irene.
09:33
Nehmen Sie doch Platz, Wachtmeister. Danke.
09:37
Sie sind doch nicht etwa auf eine heiße Spur gestoßen. Könnte sogar sein.
09:42
Machen Sie keine Witze. Was haben Sie denn gefunden? Also, ich habe nach Ihrem Besuch noch mal gründlich nachgesucht. Ich hebe ja alles auf, jede Notiz, jeden Vorgang. Tja, und da habe ich die Ordner aus den Jahren vor 1950 durchgesehen. Und da bin ich auf den Namen Matalla gestoßen. Ach, Sie haben mit ihm zu tun gehabt? Das nun wieder nicht. Im Frühjahr 1948, da ist eine Luise Matala bei mir gewesen.
10:15
Sie suchte ihren Bruder. Hier ist übrigens eine Fotografie von ihm. Die hatte sie mir dagelassen und die habe ich damals, wie ja in meinen Akten vermerkt ist, was ich aber vergessen hatte, im Dorf herumgezeigt. Aber den Mann hatte keiner gesehen.
10:33
So, und damit war der Fall für Sie erledigt, was? Herr Assistent, Sie sind noch jung. Sie haben die Zeiten nach dem Krieg nicht erlebt. Da verschwand mancher. Die einen hatten Gründe unterzutauchen, andere wechselten ihren Namen, wanderten aus. Kein Hahn hat danach gekräht. Tut mir leid, Wachtmeister.
10:56
dann wird mir wohl nichts anderes übrig bleiben, als Frau Mattaller in der ganzen Bundesrepublik zu suchen.
11:00
Ja, also damals, da wohnte sie in Düsseldorf, wie in meinen Akten vermerkt ist. Das ist doch schon was. Dann könnte mir das Einwohnermeldeamt weiterhelfen. Ja, aber ob sie noch lebt.
11:20
Es tut mir leid, Frau Mattaller, dass ich Ihnen eine solche Nachricht überbringen musste.
11:23
Ach, junger Mann.
11:26
Ich habe schon lange nicht mehr geglaubt, dass mein Bruder noch am Leben ist.
11:30
Werden Sie mir einige Fragen beantworten?
11:32
Wozu?
11:34
Frau Mattaller, an Ihrem Bruder ist ein Verbrechen verübt worden.
11:37
Ach, es ist doch alles so lange her.
11:40
Aber noch nicht verjährt. Wir haben 1973.
11:44
Glauben Sie denn wirklich, dass Sie nach der langen Zeit den Mörder finden?
11:48
Ich werde es jedenfalls versuchen. Ja, also gut, junger Mann. Stellen Sie Ihre Fragen.
11:53
Aber kommen Sie, wir wollen uns in den Erker setzen.
12:00
Ja. Schön, dieser Blick aus dem Fenster in den Garten.
12:03
Ja, ich hätte es schlechter treffen können für meine letzten Jahre trotzdem. In Station, Altersheim. Also, was wollen Sie wissen, junger Mann?
12:14
Erzählen Sie mir von sich und Ihrem Bruder. Wie haben Sie damals gelebt nach dem Krieg?
12:20
Wir wohnten in unserem Haus am Stadtrand von Düsseldorf. Mein Vater war im Krieg gefallen und Mutter kam bei einem Bombenangriff ums Leben. In der City, wo wir ein Geschäft hatten. Georg war 1944 noch eingezogen worden, von der Schulbank weg. Und nun stand er da, ohne Beruf. Er fing an, Schwarzmarktgeschäfte zu machen. Zigaretten, Süßstoff, Butter.
12:45
Und Sie wussten davon?
12:47
Ja, und es gefiel mir nicht. Ich redete ihm ins Gewissen. Von deinem Sekretärinengehalt können wir nicht leben, sagte Georg. Wer schiebt heute nicht?
12:57
Damit hat er leider recht.
13:00
Zu ernsthaften Auseinandersetzungen kam es dann, als ich herausbekam, dass er auch mit Medikamenten handelte.
13:05
Sulfonamide, äh, Penicillin.
13:07
Ja, ich kam durch einen Zufall dahinter. Ich hatte für meine Firma etwas in Hamburg zu erledigen. Ich konnte Autofahren, man gab mir einen alten Wanderern, da konnte ich Georg gleich mit zurücknehmen, der in Hamburg geschäftlich zu tun hatte.
13:22
Ich fuhr zu der Adresse, die er mir genannt hatte, um ihn abzuholen. Er wartete schon auf mich. Und wie er sich von dem Wohnungsinhaber verabschiedete, hörte ich, wie der sagte, er müsse das Penicillin unbedingt in vier Tagen haben. Und Georg versicherte ihm, darauf kannst du dich verlassen. Die Quelle, die ich habe, sprudelt noch eine ganze Weile.
13:42
Und da bekam sie Streit?
13:43
Ja, auf der Rückfahrt habe ich ihm vorgehalten, wie viele Menschen in den Krankenhäusern sterben müssen, wenn den Ärzten gerade dieses Medikament fehlt.
13:52
Ich habe gebettelt, ich habe gedroht, ich hatte solche Angst um Georg. Nur noch das eine Geschäft, Luise, sagte er, es ist alles eingefädelt. Ich bekomme es doch nicht aus einem deutschen Krankenhaus, ich bekomme es von einem Amerikaner.
14:05
Einem Amerikaner?
14:06
Ja.
14:07
Und er überredete mich, ihn zum Moorhof zu fahren, wo er sich mit ihm treffen wollte.
14:14
Das ist ein wichtiger Hinweis, Frau Matala. Können Sie sich noch an irgendwelche Einzelheiten erinnern? Hat Ihr Bruder einen Namen genannt?
14:21
Ja, warten Sie mal. Der Mann hieß... Ja, Smith.
14:27
Das habe ich befürchtet. Die gibt es wie Sand am Meer. Aber dann müssten Sie doch Leuschwitz kennen, den Wirt vom Moorhof.
14:35
Nein. Nein.
14:39
waren doch im Moorhof.
14:41
Nein, ich nicht. Ich denke, Sie haben Ihren Bruder hingebracht. Dazu kam es doch gar nicht. Warum denn?
14:48
Ja, es müssen noch so etwa drei Kilometer bis zum Moorhof gewesen sein. Dann nahm ich Georg noch einmal ins Gebet und er sollte mir versprechen, dass dieses Geschäft auch unweigerlich sein letztes wäre. Er wurde wütend. Ich habe deine ewige Nörgelei satt, sagte er. Ich gehe nach Kanada.
15:08
Dann stieg er aus und ging. Das war das letzte Mal, dass ich ihn gesehen habe.
15:18
Und wann haben Sie nach ihm gesucht?
15:21
Vier Wochen danach, weil er nicht nach Hause kam.
15:25
Und danach? Haben Sie danach noch was unternommen?
15:28
Nein, ich dachte, vielleicht ist er schon in Kanada.
15:32
Ohne sich vorher zu verabschieden?
15:34
Aber wir hatten uns doch gestritten.
15:36
Aber Frau Matala, ein Streit unter Geschwistern.
15:38
Es war ja mehr. Als mir Georg sagte, dass er weggehen will, da war ich so enttäuscht, so wütend. Nach allem, was ich für ihn getan hatte, mich einfach allein zu lassen. Mir gingen die Nerven durch und ich habe ihn geschlagen. So geschlagen? Ich hätte es nicht tun sollen.
16:09
Herr Krüger, na, das freut mich aber. Wollen Sie doch ein paar Tage Urlaub bei uns machen?
16:14
Leider nein, Herr Leuschwitz, ich bin dienstlich da. Ach, schon wieder? Ja, immer noch.
16:19
Nun, nun.
16:22
Sie haben die Suche nach dem Mörder von der Moorleiche noch nicht aufgegeben? So ist es. Und ich hätte noch ein paar Fragen an Sie. Ach, du liebe Zeit. Also, ich kann Ihnen heute nicht mehr sagen als bei Ihrem ersten Besuch. Sie sind umsonst gekommen, Herr Krüger.
16:39
Damit muss man in meinem Beruf leider immer rechnen. Trotzdem, ich habe von der Schwester des Ermordeten erfahren, dass ich Matala damals hier im Moorhof mit einem amerikanischen Soldaten treffen wollte.
16:49
Ja, natürlich.
16:51
Ja und? Ein oder zweimal. Vielleicht können Sie sich doch irgendwie erinnern. In so einem kleinen Ort wie diesem, da muss doch ein amerikanischer Soldat aufgefallen sein.
17:03
Hören Sie mal, wo hier ganz in der Nähe die 5. amerikanische Panzerdivision lag.
17:09
Auch bei mir gingen die Amis aus und ein. Ich sehe schon die Frage, ob Ihnen ein gewisser Smith bekannt war, die bei euch gar nicht erst so stellen. Wie soll ich mich nach der langen Zeit daran erinnern?
17:23
Vermuten Sie, dass dieser Smith den Matala umgebracht hat? Möglich. Wenn dem so ist, dann werden Sie den Mörder nie fassen.
17:37
Und Sie wissen genau, dass es die 5. Panzerdivision war?
17:40
Natürlich.
17:42
Aber das wird Ihnen wenig nützen.
17:43
Die G.I.s sind doch schon längst in der Heimat.
17:47
Geben Sie es auf, Herr Krüger.
17:48
Guten Tag.
17:59
Guten Tag. Herr Schmidt? Ja. Womit kann ich dienen?
18:04
Krüger. Kriminalpolizei. Kriminalpolizei? Sie sind erstaunt über meinen Besuch? Allerdings. Und noch erstaunter wären Sie, wenn ich Ihnen erzählen würde, wie ich Sie gefunden habe. Einfach war es nicht.
18:17
Ach, Sie ... Sie haben mich gesucht? Ja. Und Sie können sich nicht denken, warum? Nein.
18:24
Nein, ich bin mir keiner Schuld bewusst. Müssen wir uns darüber hier im Laden unterhalten? Natürlich nicht.
18:32
Fräulein Hinterstocke, ich bin für die nächste halbe Stunde in meiner Wohnung oben. Bitte. Hier entlang, Herr Krüger. Bitte.
18:46
Darf ich Ihnen einen Drink anbieten? Danke, nein. Wie lange sind Sie schon hier in München?
18:51
Seit 26 Jahren. Und vorher, wo waren Sie da? Im Krieg. Vor 26 Jahren war der Krieg schon ein paar Jahre vorbei.
18:59
Ach, was soll das?
19:00
Kommen Sie doch endlich zur Sache. Ich bin schon dabei. Herr Schmidt, warum sagen Sie nicht einfach, vor 25 Jahren, da hieß ich noch Smith und war als Sergeant im medizinischen Dienst bei der 5. US-Panzerdivision in Deutschland stationiert.
19:15
Haben Sie Gründe, das zu verschweigen? Nein. Nein? Wie war denn das damals, vor 25 Jahren?
19:21
Was soll gewesen sein? Ich wurde aus der Armee entlassen.
19:26
Ich bin deutscher Abstammung. Meine Eltern wanderten 1920 nach Amerika aus und ich, ich blieb hier, weil es mir hier gefiel. Ich heiratete ein deutsches Mädchen und wollte mir eine Existenz aufbauen. Was Ihnen offensichtlich gelungen ist. Denken Sie nicht, dass es einfach war damals. Habe ich auch nicht angenommen. Man musste Ideen haben, Beziehungen. Und Geld.
19:46
Ja, natürlich.
19:47
Aber das hatten Sie ja. Na, so üppig waren meine Bezüge bei der Armee auch nicht. Aber der Penicillinschmuckel brachte doch allerhand ein.
19:56
Ach, darauf wollen Sie hinaus. Hören Sie, das ist längst verjährt. Außerdem handelte es sich um amerikanische Heeresbestände. Juristisch können Sie mir da gar nichts.
20:08
Nicht, was den Penicillinschmuckel angeht. Aber haben Sie sich nicht noch auf andere Weise Geld verschafft? Auf andere Weise? Ihre Geschäfte machten Sie doch mit einem gewissen Matalla.
20:19
Ja, ja, das stimmt.
20:22
Ich weiß nicht, was der Ihnen erzählt hat, aber alles, was nicht mit dem Penicillin-Geschäft zusammenhängt, ist erlogen. Matala hat mir nichts erzählt.
20:31
Er konnte mir gar nichts erzählen. Wieso? Matala ist doch tot, Herr Schmidt.
20:38
Ach. Er wurde ermordet. Ermordet? Vor 25 Jahren. Und zwar an dem Tag, an dem er sich mit ihm im Moorhof treffen wollte, um neues Penicillin von Ihnen zu kaufen.
20:52
Und jetzt wollen Sie mir die Sache anhängen?
20:55
Ich will nur eine Straftat aufklären.
20:58
Sie glauben, ich habe ihn umgebracht, um an das Geld zu kommen?
21:01
Haben Sie es getan?
21:03
Wer erschlägt schon seinen Geschäftspartner?
21:06
Woher wissen Sie, dass Matala erschlagen wurde? Ach, von mir aus erdrosselt, erschossen, was weiß ich. Haben Sie Matala an dem bewussten Tag Penicillin verkauft? Nein. Na bitte. Ihre Quelle war versiegt, es wurde gefährlich für Sie zu stehlen, aber das Geld von Matala, das wollten Sie haben. Sie haben ihn umgebracht. Na wie denn?
21:24
Matala ist doch gar nicht gekommen. Ach nein. Ach ja. Ich wartete im Moorhof auf ihn. Immer ist er pünktlich gewesen.
21:32
Ich dachte, er hätte sich überlegt oder wäre geschnappt worden. Vier Stunden saß ich rum. Was sollte ich machen? Ich musste zurück, aber die Ware, die musste ich doch loswerden. Sie brannte mir ja förmlich in der Tasche. Da kam ich mit Leuschwitz ins Geschäft. Er zahlte bar, es war ein glatter Handel.
21:48
Eine hübsche Geschichte. Was denn, Sie glauben mir nicht? Nein, denn Herr Leuschwitz kann sich weder an Sie noch an Matala erinnern.
21:55
Aber das ist doch nicht möglich. Er hat mir das Geld in einer kleinen Tasche gegeben.
22:00
Moment. Ich habe sie doch aufgehoben.
22:04
Als Talisman.
22:06
Kann sie denn sein, wie... Hier. Hier ist sie.
22:13
Hier. Aus Papierbindfäden geknüpft. Man machte so etwas damals. Können Sie mir die Tasche überlassen? Warum? Ich möchte Sie Herrn Leuschwitz zeigen. Ich denke, er kann sich nicht an mich erinnern. Vielleicht doch, wenn er sie sieht.
22:27
Sie glauben mir, dass ich Matala nicht umgebracht habe.
22:30
Sagen wir, ich kann es Ihnen nicht beweisen. Und ich muss Sie bitten, München nicht zu verlassen.
22:39
Herr Leuschwitz, Sie haben mich vom ersten Wort an belogen. Warum denn solche Ausfälle, Herr Kriminalassistent?
22:46
Ich hatte den Eindruck, dass wir uns bisher ganz gut verstanden haben. Wollen Sie noch immer behaupten, dass Sie den Sergeanten Smith von der 5. US-Panzerdivision nicht gekannt haben? Ich habe Ihnen schon gesagt, dass ich mich nicht erinnern kann. An einen Mann, von dem Sie damals Penicillin gekauft haben. Gestohlenes Penicillin, nebenbei gesagt.
23:05
Also ich weiß nicht, wer Ihnen dieses Märchen aufgetischt hat. Mr. Smith. Herr Krüger, so was nennt man auf dem Buschklopfen.
23:17
Wo haben Sie denn diesen Mr. Smith getroffen?
23:21
In Amerika? In München. Er nennt sich jetzt Schmidt und hat dort seit 25 Jahren eine Boutique. Und in dieser Tasche hier haben Sie ihm vor 25 Jahren das Geld für das Penicillin gegeben.
23:37
Jetzt brauche ich einen Bommelunder.
23:41
Sie auch?
23:42
Ja, aber auf eigene Rechnung.
23:47
So. Aber nun sei sie doch nicht pingelig, Herr Krüger. Ich gebe ja alles zu. Auf einmal? Bleibt mir denn was anderes übrig?
24:00
Na, also erst mal zum Wohl. Dieser Smith oder Schmidt, wie er sich jetzt nennt, der...
24:14
wurde damals von seinem Geschäftspartner versetzt. Matalla? Ja. Und weil er das Penicillin loswerden wollte, bot das mir an. So was brachte damals 200% Gewinn. Soll ich mir das vielleicht entgehen lassen? Ich hab's ihm abgekauft.
24:34
Zufrieden?
24:36
Nein. Warum haben Sie mir das nicht gleich bei meinem ersten Besuch gesagt? Herr Krüger. Deswegen hätten Sie weder Mattaller noch Smith verleugnen müssen. Wegen so einer Sache. Da macht doch heute kein Richter mit den Mund auf. Das weiß ich. Ja, und?
24:48
Herr Krüger, verstehen Sie denn das nicht? Wer lässt sich schon gern in einen Mordfall verwickeln? Dass der die Tasche aufgehoben hat. Tja, ja.
25:03
Und ich stehe wieder am Anfang.
25:07
Noch einen kurzen.
25:08
Ja. Gott weiß, wer Matala umgebracht hat. Damals waren wilde Zeiten.
25:20
Sie werden sicher wichtigere Fälle haben. Das schon. Aber so ein ungeklärter Fall, der wirft immer einen Schatten aufs Image. Und ich als Assistent.
25:28
Werden mit so einem aussichtslosen Fall betraut. Tut mir leid für Sie.
25:36
Na ja, was ist? Trink mir? Zum Wohl. Zum Wohl.
25:47
200% Gewinn, sagten Sie? Na sicher. Ist ein Bombengeschäft. Da muss eine hübsche Summe bei rausgesprungen sein.
25:56
Damit konnte man schon was anfangen. Vergessen Sie nicht, dann kam die Währungsreform. Trotzdem, wenn man Ihr Anwesen so betrachtet...
26:05
Sie haben besonderes Glück gehabt. Mir wäre das bestimmt nicht gelungen. Tun Sie mal nicht so bescheiden. Nein, nein, nein. Mir hätte zu solchen Geschäften einfach das Geld gefehlt. Woher hatten Sie es eigentlich, Herr Lauschwitz? Wie meinen Sie?
26:22
Aber mein lieber Herr Krüger, woher schon? Wer hat denn damals nicht geschoben? Womit? Was? Womit haben Sie denn so geschoben?
26:35
Sie fragen in einem Ton, der gefällt mir aber gar nicht. Ich bin Ihnen doch keine Rechenschaft schuldig. Vielleicht doch. Also bitte. Ach, jetzt verstehe ich.
26:48
Jetzt bin ich verdächtig, was? Nun machen Sie sich mal nicht lächerlich. Das ganze Dorf würde sich ja kaputt lachen, wenn Sie mir diesen Mord anhängen wollen. Und mit Ihrer Beförderung ist es denn auch Essig? Nee, nee, nee, mein Lieber. Da haben ganz andere Leute hier im Orten Grund gehabt, Matala umzubringen. So, wer denn? Herr Krüger...
27:16
Ja, Sie bringen mich da in eine dumme Lage. Sie haben davon angefangen.
27:23
Also gut. Matalla hatte hier im Ort ein Verhältnis mit einer verheirateten Frau. Keiner im Dorf wusste davon. Und ich... Ich meine, ich habe es auch nur rausgekriegt, weil er nie bei mir übernachtete. Er war sehr vorsichtig, aber... Aber nicht vorsichtig genug. Ein Ehemann bekommt sowas früher oder später doch mit. Und?
27:46
Hat er es mitbekommen?
27:48
Meiner Meinung nach, ja. Er war damals sehr gedrückt, trank öfter Hirn, trank einen über den Durst. Und wenn dann einer so eifersüchtig ist wie er und...
28:00
Und rot sieht... Naja...
28:05
Es ist ein Kreuz mit Ihnen, Herr Leuschwitz. Da haben Sie mir doch schon wieder was verschwiegen. Herr Gott, das ist doch schon so lange her.
28:12
Mord bleibt Mord. Die Brandners sind geachtete Leute im Ort. Haben schon große Kinder. Ich wollte keine Unannehmlichkeiten haben. Man ist doch Geschäftsmann. Dass Sie das nicht verstehen können...
28:36
Seit damals ist der Name Matalla in diesem Haus nicht mehr ausgesprochen worden. Und jetzt kommen Sie und wühlen alles wieder auf. Ach, her auf zur Flennen, Rosi.
28:45
wenn die Geschichte jetzt im Dorf herumgeht. Hier ist es anders als in der Stadt, Herr Kriminalassistent. Hier sieht jeder auf jeden. Von mir haben Sie keine Indiskretion zu fürchten.
28:55
Und was Leuchwitz angeht, der hat die ganzen Jahre über den Mund gehalten und wird es auch weiter tun.
28:58
Warum hat er ihn dann überhaupt aufgemacht? Wen interessiert das schon, dass meine Frau mit diesem Matala... Schatz, bitte.
29:07
Der Kerl ist tot. Darum geht es ja, Herr Brandner. Was soll denn das? Ich suche seinen Mörder.
29:16
Frau Brandner, war Matala an dem bewussten Tag, an dem er sich mit dem Amerikaner treffen wollte bei Ihnen? Du sagst kein Wort, Rosi. Wenn es Ihnen lieber ist, dass ich Ihre Frau auf das Revier bringe.
29:27
Nein, nein, nein. Die Leute werden sich sowieso in die Gedanken machen. Sie haben sich doch in unser Haus gehen sehen. Nicht wahr, Schatz?
29:38
Also?
29:40
Er war bei mir.
29:41
Und Ihr Mann? Wo war der?
29:43
Der hat Holz gefahren ins Nachbarn.
29:46
Und wann kam er zurück?
29:48
Am Abend.
29:49
War Matala schon weg?
29:51
Nee.
29:51
Rosi, gab es Streit?
29:54
Sie haben sich bald geschlagen. Es war furchtbar. Und dann konnte Georg weglaufen. Und ihr Mann?
30:01
Er schlug Matala und schaffte die Leiche ins Moor.
30:06
Patient!
30:07
Da siehst du, wohin du uns gebracht hast. So geht's, wenn man sich mit einem Kerl einlässt, nur weil er Geld hat.
30:12
Nee, das ist nicht wahr. Du warst im Krieg vermisst und ich war so allein. Und ich dachte, du kommst nie wieder.
30:18
Ja, und hast mir eine Hure von Geld genommen.
30:21
Gegeben hat er es mir, weil er sah, wie ich lebte. Taschen habe ich geknüpft, der Kriminalassistent. Aber das brachte nicht viel ein.
30:31
Moment mal, Frau Brandner, Taschen?
30:32
Ja. Ja.
30:34
Waren es etwa solche Taschen wie diese hier?
30:36
Zeigen Sie mal.
30:39
Ja. Tja, und die hier, die habe ich gemacht. Ich erkenne sie, weil... Von wem haben Sie diese Tasche?
30:50
Von einem Amerikaner.
30:51
Oh mein Gott.
30:54
Jens!
31:01
Sie wollen die Rechnung, Herr Krüger.
31:03
Auch das, Herr Leuschwitz. Meine Tochter wird sie ihn gleich fertig machen.
31:09
Wie war es denn bei Brandners?
31:12
Erfolgreich.
31:13
Ach, dann haben Sie also Matallas Mörder doch noch gefunden.
31:20
Freut mich natürlich für Sie. Hat er gleich gestanden?
31:24
Nein, aber die Tasche hat ihn überführt. Die Tasche? Frau Brandner erkannte sie wieder, an einigen Fehlern im Muster, die ihr unterlaufen waren. So. Und weil sie diese Tasche Matalla geschenkt hatte, für das Geld, das er ja in nicht geringen Mengen bei sich trug. Der Mörder hat sie ihm abgenommen, bevor er ihn ins Moor schaffte, und dann an Mr. Smith weitergegeben.
31:50
Das war Ihr Fehler, Herr Leuschwitz.
32:03
Wir brachten Tod im Moor, ein Kriminalhörspiel von Gerhard Jeckel. Die Personen und ihre Darsteller, Krüger Kriminalassistent Klaus Joachim Niez.
32:16
Leuschwitz, Moorhofwirt, Gerd Ehlers. Irene, seine Tochter, Elfriede Neh. Wachtmeister, Günther Polensen. Luise Matalla, Marga Legal. Schmidt, Klaus Mertens. Brandner, Achim Petri. Frau Brandner, Brigitte Lindenberg. Erster Geologe, Heinz Behrens. Zweiter Geologe, Joachim Dittmann.
32:42
Dramaturgie Barbara Winkler, Regie Wolfgang Brunecker.
32:48
Dieses Hörspiel »Tod im Moor« wurde 1979 aufgenommen, lief aber erstmals am 4. Juli 1980 auf Radio DDR1 um 21.30 Uhr, dem Stammplatz des Krimi am Freitag.
33:02
Angenehm. Krüger, Kriminalassistent. Wie kommen Sie darauf, dass der Tod ein Fremder ist? Nein.
33:07
Das hier ist noch einmal der Ermittler Krüger aus Tod im Moor.
33:11
Der Moorhof ist doch der einzige Gasthof hier am Ort.
33:14
Und damit sein Darsteller Klaus Niez.
33:16
Das Moor hat sich sein Opfer nicht geholt.
33:20
Der oder die Mörder haben den Mann nach der Tat dem Moor übergeben.
33:24
Klaus Nietz oder auch Klaus-Joachim Nietz spielte seit den 70er Jahren in rund 25 Hörspielen mit. Im Fernsehen der DDR mehrfach bei Polizeiruf 110 oder der Staatsanwalt hat das Wort. Als Synchronsprecher war er häufiger im Einsatz.
33:39
Sie waren so still, Ben. Bereiten Ihnen diese Orbitalwaffenplattform etwas Sorgen?
33:43
Das hier ist er Ende der 90er Jahre als deutsche Stimme des Admiral Ross in Star Trek Deep Space Nine.
33:49
Das reicht mir nicht als Antwort, nicht von einem Käpt'n der Sternenflotte. Das ist das Problem, nicht wahr? In den vergangenen sechs Jahren versuchten sie beides zu sein. Und bis heute war ich geduldig, ich hab sie gewähren lassen, hab mich selbst ihretwegen in eine gefährliche Lage gebracht. Aber jetzt reicht es, sie müssen eine Entscheidung treffen. Entweder sind sie der Abgesandte oder Käpt'n der Sternenflotte. Sie können nicht beides sein.
34:09
Star Trek Deep Space Nine, diese Serie habe ich damals schwer gemocht. Klaus Nietz. Ja, das war ein großer Sprung, das gebe ich zu. Kehren wir zurück in die DDR. Neben den Krimis am Freitag lief schon seit 1973 eine zweite beliebte Radioserie. Tatbestand hieß sie und das hier war die Titelmusik. Es ging um wahre Fälle aus dem DDR-Alltag. Die Serie entstand, Zitat, in Zusammenarbeit mit dem Generalstaatsanwalt der DDR und sollte das Rechtsverständnis im Sozialismus vermitteln.
34:43
40 Folgen wurden es bis 1989.
34:48
Und ja, auch das Fernsehen der DDR muteten dem Publikum schon seit Beginn der 70er Jahre mehr und mehr Krimis zu. Kein geringerer als Erich Honecker, damals erster Sekretär des Zentralkomitees der SED, sprach ein Machtwort. Weniger Langeweile. Es sollte mehr Spannung geboten werden im DDR-Fernsehen. Nicht zuletzt auch, um dem Publikum eine Alternative zum Tatort der neuen Serie vom Klassenfeind aus Westdeutschland entgegenzusetzen. Und deshalb startete am 27. Juni 1971 auf DFF1 diese Serie.
35:26
Genau, Polizeiruf 110. Ich sprach schon davon. Die Kriminalfilmreihe des DFF, dem Deutschen Fernsehfunk. So hieß das Fernsehen der DDR seinerzeit noch. Der Erstling, der Fall Lisa Murnau, lief noch in Schwarz-Weiß. Und dieses wiederkehrende Titelthema von Hartmut Bersing kam erst ein paar Jahre später.
35:44
Stehen bleiben, deutsche Volkspolizei!
35:47
Musik
35:50
Ja, und das hier ist das zweite bekannte Polizeirufthema, das bis Anfang der 90er Jahre zu Beginn erklang, auch in Varianten und Neuabmischungen, aber so wie hier lief es am häufigsten. Sigrid Göhler als Leutnant Vera Arndt und Peter Borgelt als Oberleutnant Fuchs machten den Anfang. 1973 kam noch jemand dazu.
36:11
Guten Tag. Guten Tag. Ich bin Oberleutnant Hübner. Sie wissen, warum ich hier bin.
36:16
Ein gewisser Oberleutnant Hübner. Und der wurde von Jürgen Frohrieb gespielt.
36:22
Sie sitzen wegen eines Tötungsverbrechens ein. Und nun wollen Sie also vorzeitig entlassen werden.
36:27
Und eben dieser DDR-Superfernsehstar Jürgen Frohrieb war 1979 auch in unserem nun folgenden Krimi am Freitag dabei.
36:35
Also ich will Sie wirklich nicht aufhalten.
36:37
Wenn auch nicht als Ermittler. Wir kehren wieder zurück ins platte Land. Diesmal sind wir irgendwo an der Ostsee des Jahres 1979, im Rügener Bodden, in der Nähe der fiktiven Stadt Baselitz.
36:49
Ich bin Kriminalobermeister Mühsam und Leiter der Branduntersuchungskommission.
36:53
Ein Fall für Kriminalobermeister Mühsam. Eisgänger heißt er. Und er ist kompliziert. Der Fischereigenosse Jochen Lox ist verheiratet mit Hanni, hat aber ein Verhältnis mit Anna Schmidt, was offenbar alle ahnen. Hanni hat einen Onkel namens Ernst Brege, der Jochen nicht mag. Dann gibt es noch die Gaststättenleiterin Walli Täts. Ihr Mann ist Werksmeister. Los geht die Geschichte hinter der Gaststätte, beim Pinkeln. Dort treffen sich zwei, die sich nicht leiden können. Besagter Jochen Loks und Moritz Tressin, genannt Gigolo.
37:25
Und eben der wird von Jürgen Frohrieb gespielt. Sein erster Satz ist, findst du keine andere Wand? Gute Unterhaltung.
37:41
Krimi am Freitag.
37:46
Na? Findst du keine andere Wand? Schifft an die gleiche Wand wie ich.
38:10
Du bist sauer wegen Anna.
38:13
Was geht mich mit Anna an?
38:15
Merk ich doch.
38:17
Du stinkst mir dann. Schon lange.
38:21
Du mich auch.
38:24
Wie geht's denn Hanni, deiner lieben Frau?
38:30
Hast es verdammt nötig, was? Komm ruhig mal vorbei, wenn ich nicht da bin. Du fragst selber.
38:35
Scheißkerl, du.
38:38
Denk bloß nicht, dass uns das nichts angeht. Das geht uns alle hier an. Wir sehen doch nicht zu, wie du die Hanni kaputt spielst. So ein hergelaufener Sohn.
38:49
Hättest du doch damals selber haben können. Hanni und die Fischerei. Aber du wolltest ja was Besseres werden. Feiner Offizier auf dem Hochseeport.
38:56
War ich alles.
38:58
Hast bloß zu wenig Wind im Schädel. Und jetzt bist du wieder das, was alle hier sind.
39:04
Ein einfacher Fischkopf.
39:06
Sag das noch mal.
39:08
Ich hau ja rein. Du musst dich beeilen mit deinem Buskopf gleich. Und Anna, schlag dir aus dem Kopf. Da läufst du sowieso nicht an.
39:20
Eisgänger. Ein Kriminalhörspiel von Achim Scholz.
39:29
Amen.
39:50
Was denn los, Onkel Ernst?
39:52
Hörst du nicht, die Sirene, die Werft brennt. Oh Gott. Hol deinen Mann aus den Federn, schick ihn zum Spritzenhaus.
39:59
Jürgen ist nicht da.
40:00
Was denn?
40:01
Er wollte ein Bier trinken und ist nicht nach Hause gekommen.
40:05
Es war wieder ein Baselwitz. Und du lässt dir das bieten.
40:08
Bitte, Onkel Ernst, hör auf.
40:09
So blöd bist du, eine anständige Ehe zu führen.
40:18
Und wenn mein Alter nicht immer nachts noch mal müsste, dann geht er doch immer auf den Hof. Dann hätte es gar keiner gemerkt. Ja, so ist das.
40:26
Und nun steht die Werft in Flammen.
40:27
Fierrohr zwei, fertig. Fierrohr zwei, Wassermarsch.
40:33
Wo bleibt Fierrohr drei? Das war ja schon lange fällig. So wie die Kerle saufen, das konnt ja nicht gut gehen.
40:39
Fierrohr ist aber auch immer dabei gewesen, Frau Jahn.
40:42
Ihrer auch.
40:43
Was denn los bei dir?
40:45
Was siehst du gar nicht, ich bin alleine.
40:46
Holla, komm rüber und pass mit an. Oh, die schönen Boote.
40:51
Hoffentlich kommt der Hering dies Jahr nicht so früh wie voriges.
40:55
Vielleicht ist es auch Brandstiftung gewesen. Man weiß ja nie.
40:58
Der Luchs ist immer noch nicht da. Der kommt auch nicht. Der liegt im Bett. Bei Anna Schmidt im Barsitz.
41:17
Hallo, Eric. Tag, Kurt. Wird Zeit, dass du kommst. Die Woche fängt ja gut an, was. Wie lange bist du schon hier?
41:27
Sieht ja wüst aus. Ungefähr zwei Stunden. Und? Tja, noch nichts Genaues. Türen und Fenster befanden sich zur Zeit des Entstehens des Brandes in geschlossenem Zustand. Keine Spuren gewaltsamen Eindringens.
41:42
Wahrscheinlich hat das Feuer vom Südteil der Werfthalle auf die Boote im Freien übergegriffen. Ein Kutter ist total zerstört. Karenzzeit von der Entstehung bis zum Zeitpunkt der Alarmierung etwa 22 bis 1 Uhr. Und die Brandursache? Die Analyse der Brandreste wird erst heute Nachmittag fertig. Bis dahin müssen wir uns gedulden. Ja, aber so viel kann ich wenigstens schon sagen. Selbstentzündung scheidet so gut wie aus. Bleibt also noch fahrlässige Verursachung oder Brandstiftung? Tja...
42:12
Na, wenn du erst mal einen Kaffee trinken willst. Die Kneipe im Ort hat schon auf.
42:15
Na gut, verbinde ich das Notwendige mit dem Angenehmen.
42:21
Guten Morgen. Bierkorn oder was?
42:24
Kaffee, bitte.
42:26
Ach, das sind Sie wohl der Kollege von der Kriminalpolizei, was?
42:30
Ja, Kriminalobermeister Mühsam. Ich bin der Leiter der Branduntersuchungskommission.
42:34
Angenehm. Valitäts ist mein Name. Gaststättenleiterin. Wollen Sie irgendwelche Papiere?
42:39
Um Gottes Willen, nein. Nur einen Kaffee.
42:42
Muss ich erst Wasser aufsetzen.
42:44
Acht Uhr morgens und schon so ein Betrieb, was?
42:47
Mit Genehmigung. Die Leute können ja schließlich nicht auf der Straße rumstehen bei der Kälte. Die müssen ja schließlich irgendwo bleiben, solange die Werft noch nicht betreten werden darf. Der Bürgermeister hat das persönlich.
42:59
Ja. Also dann erst mal ein paar Fragen. Bitte? Gestern Abend, wer war da in Ihrer Gaststätte? Und vielleicht erinnern Sie sich auch noch, wer wann gegangen ist.
43:12
Ja, das waren wir jeden Abend. Der Poller, Rudi Lange und Gigolo. Also Moritz Tressin heißt der richtig. Die saßen hier am Stammtisch. Und drüben an dem Tisch, da saß der Luchs, alleine. Ach ja, mein Mann war ja auch noch da. Der ist aber früher gegangen. Wann? So um halb acht rum. Der wollte noch mal nachlegen zu Hause. Und der Herr Poller, der kam dann erst, da war mein Mann schon weg. Und kurz vor halb zehn, da sind dann Gigolo, also der Herr Tressin und der Luchs gegangen.
43:41
Ich weiß das darum genau, weil der Herr Trassi mit dem Bus gefahren ist und der fährt kurz nach halb zehn. Der muss nach Basebitz rüber, das liegt am anderen Ufer von Bodden.
43:49
Die beiden sind also zusammen rausgegangen.
43:54
Die sind doch nicht zusammen raus. Das passiert wohl nicht, dass die zusammen durch eine Tür gehen. Erst der eine, dann der andere.
44:01
Wie meinen Sie das?
44:02
Naja, die beiden, die können sich nicht besonders gut riechen. Der Herr Poller und der Herr Lange, die sind dann kurz danach auch nach Hause gegangen. Die wohnen hier im Dorf wie der Luchs. Und pünktlich um 10 habe ich dann die Gaststätte geschlossen.
44:18
Also, wenn Sie mich fragen, das ist nicht von alleine entstanden, das Feuer. Da wird wohl einer nachgeholfen haben. Wissen Sie da was genaueres?
44:31
Fragen Sie doch mal die Leute hier. Oder besser gleich. Ach, das geht mich ja nichts an.
44:43
Schade. Aufmachen! Mach endlich auf, Rani!
44:49
Geh, mach auf. Ich kann nicht. Mach schon.
44:52
Ich will ihn nicht sehen.
44:58
Was soll das? Wieso schließt du ab?
45:02
Die Leute warten doch bloß auf sowas.
45:04
Lass Hanni in Ruhe.
45:06
Ah, du bist hier. Ist ja dann kein Wunder, wenn sie auf die Idee kommt.
45:13
Du hast uns gefehlt heute Nacht.
45:16
Kann ja keiner vorher wissen, dass es brennt. Wo warst du? Ich habe auf dem Kutter übernachtet. Warm genug war es ja.
45:24
Unser Boot ist verbrannt. Tut mir leid. Tut mir wirklich leid.
45:33
Ich will dir was sagen. Ich glaube schon, dass du auf dem Kutter warst heute Nacht. Aber nicht, um zu schlafen. Wie meinst du das? So, wie ich es sage. Weißt du, was die Leute reden? Dir wärst ganz recht, dass unser Boot verbrannt ist, weil du so bloß die Versicherungssumme teilen brauchst, wenn du weggehst von Hanni.
45:55
Jetzt hör auf, Onkel. Das geht zu weit. Du wirst doch nicht weg, auch nicht.
46:02
Sag, dass du nicht weg willst.
46:04
Ich will nicht weg, Connie. Bist so feiger, es ihr ins Gesicht zu sagen, was? Bei mir warst du nicht so zimperlich. Ich will aber auch nicht, dass du hier immer rumsitzt und ein giftiges Garten spinnst. Das passt dir nicht, was? Wenn ich dich erinnere, dass die Fischerei eine Sache der Familie ist, dass sie in der Familie bleiben muss, dann kann man nicht einfach aussteigen und weggehen.
46:23
Und damit du Bescheid weißt, seit zehn Jahren fischen wir in der Genossenschaft und die zahlt mich auch aus, wenn ich weggehe.
46:28
Du willst doch gar nicht weg.
46:31
Du hast doch eben gesagt...
46:32
Wenn Hanni sich das bieten lässt, dann ist das ihre Sache. Ich sage dir das so und jetzt hör gut zu. Entweder du bleibst bei Hanni auf unserem Boot oder ich gehe zur Polizei und sage, dass du die Nacht nicht im Hause warst. Und was für Gründe da sein könnten, dass du das Boot angesteckt hast.
46:53
Ich habe aber leider jemanden, der sich sehr gut erinnert, wo ich heute Nacht war. Und was ich gemacht habe...
47:00
Und außerdem hat ja wohl die ganze Werft gebrannt und nicht nur unser Boot, oder?
47:08
Herr Teetz, Sie sind Meister in der Werft und Sie, Herr Dressin, verantwortlicher Technologe. Gibt es von Ihrer Seite Hinweise zu den Ausführungen des Genossen Horst von der Branduntersuchungskommission?
47:20
Tja, also ich weiß ja nicht, ob sowas wichtig ist. Gestern Abend, da wurde in der Werft noch gearbeitet. Geschweißt. Ich bin so gegen halb acht nach Hause gegangen und da musste ich an der Werft vorbei. Geschweißt? Ja, man sieht das an dem Licht und...
47:37
Blau-weißes Zucken hinter den Fenstern. Haben Sie gesehen, wer sich in der Werft aufgehalten hat? Das konnte man nicht erkennen. Die Scheiben waren hier zugefroren. Aber die Schlüssel hat der Kollege Poller gebracht. Schlüssel? Ja, wir haben keinen Nachtwächter zur Zeit. Und da bringt der Letzte die Schlüssel bei mir vorbei.
47:57
So ging acht, war das. Interessant. Wo finde ich den Kollegen Poller?
48:02
Da haben Sie so zwei. Ich schicke ihn her. Ja, tun Sie das, Herr Tates.
48:08
Ähm, ich hätte auch noch was. Na, dann lassen Sie mal hören, Herr Trassin. Wir sind hier Typ 1 in der Fischereigenossenschaft. Tja, äh... Und? Und das Boot, das verbrannt ist, das ist nicht Eigentum der Fischereigenossenschaft, wie der Kollege Horst vorhin sagte. Das gehört Fischern aus dem Dorf. Ist nämlich noch Privatbesitz. Wer sind die Eigentümer? Brege und Luchs. Und wenn die Versicherung zahlt, dann... Dann kassieren die beiden.
48:41
Was wollen Sie damit sagen? Ich meine nur, dass das auch eine Erklärung sein könnte. Für das Feuer, meine ich. Trauen Sie das den beiden zu? Dem alten Brege nicht, aber... Aber Luchs, da bin ich mir nicht so sicher.
48:57
Dann würde ich auch nicht so eine schwerwiegende Aussage machen.
49:00
Oder haben Sie Beweise? Nee.
49:04
Kann ich jetzt gehen? Wir wollen mit dem Aufräumen anfangen.
49:06
Einen Moment noch, Herr Tresin. Sie waren doch gestern Abend hier in Altendorf. Wann sind Sie dann nach Hause gegangen?
49:14
Gefahren bin ich mit dem Bus. So gegen halb zehn fährt er. Um zehn war ich dann drüben in Basowitz. Das kann Ihnen meine Mutter bestätigen.
49:21
Die Gaststättenleiterin sagte mir, dass Sie mit Herrn Lokes gemeinsam gegangen sind. Wir...
49:28
Wir haben uns vor der Gaststätte verabschiedet. Es ist eigentümlich, dass Sie im Zusammenhang mit diesem Loks einen Verdacht äußern. Sie verlassen gemeinsam die Gaststätte und ein oder zwei Stunden später steht die Werft in Flammen. Lassen Sie mich doch bloß mit Loks in Ruhe. Sie haben was gegen den Mann?
49:45
Das ist eine Privatsache. Da kommt der Kollege Poller. Halten Sie sich mal an den. Ich muss zum Räumkommando.
49:56
Sie wollten mich sprechen, Herr Kommissar? Den Kommissar können Sie vergessen. Ich bin Kriminalobermeister Mühsam und Leiter der Branduntersuchungskommission. Ach so. Aber bei der Kripo kenne ich mich nicht so aus. Macht nichts. Sie haben gestern nach Feierabend noch in der Werfthalle gearbeitet?
50:13
Wer sagt denn das? Herr Tetz, Ihr Meister. Ich habe hier geschweißt. Am Streso 2 ist zurzeit das Boot, an dem ich arbeite. Nach Feierabend?
50:23
Das können Sie doch in der Arbeitszeit tun. Ich bin nun mal so. Da war eine Schweißnaht nicht in Ordnung.
50:30
Ja, dann muss ich Sie bitten, mit mir ein Protokoll aufzunehmen. Es besteht der dringende Verdacht der fahrlässigen Brandstiftung.
50:37
Wollen Sie mir etwa das Ding anhängen? Das können Sie doch mit mir nicht machen. Kommen Sie, wir gehen am besten ins Meister. Moment, Moment.
50:45
Ich muss Ihnen was sagen.
50:47
Ich habe hier noch geschweißt.
50:49
Aber nicht am Streso 2. Ich habe was Privates gemacht. Am anderen Ende der Werfthalle war das. Ein Garagentor. Das steht noch da. Und gebrannt. Hat's da nicht. Hast du sie, Anna?
51:05
Nee. Hier ist sie auch nicht.
51:10
Was sie wohl doch bei dir zu Hause gelassen haben.
51:16
Was ist eigentlich los, Jürgen? Komm so am hellerlichten Nachmittag, bloß weil du deine Mütze suchst. Jeder kann dich sehen. Ich habe schon aufgepasst. Wäre ja auch nicht so schlimm, bloß ich habe heute schon Ärger gehabt im Kindergarten. Die Leute. Ja? Es gibt einige Eltern, die finden, dass ihre Kinder nicht gut aufgehoben sind bei einer Witwe, die ein Verhältnis hat mit einem verheirateten Mann. Ach so. Aber wo du schon da bist, ich freue mich.
51:47
Willst du deine Jacke nicht ausziehen? Das geht jetzt nicht.
51:52
Anna, wenn dich jemand fragt, ich war vergangene Nacht bei dir. So gegen zehn bin ich gekommen, mit dem Nachtbus.
52:02
Genau um viertel vor zehn bist du durch die Tür.
52:06
Woher weißt du das so genau? Ich hab gewartet auf dich, Jochen. Das war nicht viertel vor zehn. Um zehn war ich hier.
52:14
Vielleicht sogar erst nach zehn. Ich bin mit dem Bus gekommen und der ist erst um zehn hier. Das ist wichtig, hörst du.
52:20
Du bist vor dem Bus da gewesen. Der ist ja erst, als du schon hier warst, am Haus vorbeigefahren. Aber Anna... Was ist denn eigentlich los mit dir?
52:29
Irgendwas stimmt doch nicht. Mit mir stimmt schon alles. Es ist bloß, dass wir das Gleiche sagen, wenn die Polizei dich ausfragt. Die Polizei? Du weißt doch, es hat gebrannt auf der Werft. Da hast du doch nichts mehr zu tun.
52:41
Eben.
52:43
Aber warum soll ich dann sagen, dass du mit dem Bus gekommen bist, wenn das gar nicht stimmt?
52:50
Weißt du, ich habe da einen Fehler gemacht. Ich habe gesagt, ich bin mit dem Bus gefahren, als die Kriminalpolizei mich gefragt hat, wie ich gestern Abend hergekommen bin.
52:58
Und? Na, wenn Sie erfahren, dass ich übers Eis bin, haben Sie doch gleich Verdacht auf mich. Du bist gestern übern Bodden? Bist du wahnsinnig? Ich konnte nicht mit dem Bus fahren, weil Tressin drin saß. Wir haben uns vorher in der Wolle gehabt und er wollte und ich wollte kein Aufsehen machen. Die denken im Dorf, ich bin der Brandstifter. Das kannst du doch beweisen, dass du es nicht bist. Ich war vorher noch im Steuerhaus von unserem Kutter, hab eine geraucht.
53:26
Das glaubt mir keiner, dass ich nichts zu tun habe damit. Meine Mütze muss mitverbrannt sein. Hannis Onkel wittert irgendwas. Wenn ich nicht in der Familie bleibe, will er zur Polizei gehen. Dann sehe ich von der Versicherungssumme keinen Pfennig. Was hat das damit zu tun? Verstehst du nicht? Das ist die Chance, auch für uns. Ich komme so auseinander mit Bräge, ohne was einzubüßen.
53:55
Hat er mich selber drauf gebracht? Wir müssen auch ein bisschen vorsichtiger sein in der nächsten Zeit. Besser, wir sehen uns nicht mehr.
54:04
Bis sich alles beruhigt hat. Du warst der erste Mann seit ich Witwe bin. Vielleicht habe ich deshalb geglaubt, dass wir jetzt endlich zusammenkommen können.
54:17
Aber du hast dich nicht geändert.
54:19
Was willst du denn noch von mir? Ich mache doch alles, dass ich wegkomme.
54:22
Ich wollte mal, dass du dich entscheidest. Für mich. Endlich. Soll ich alles sausen lassen, wofür ich jahrelang geschuftet habe? Verlangst du das? Du bist damals gegangen wegen der Fischerei. Wegen der Fischerei, die an Hanni Brege mit dran hängt. Und heute hast du immer noch Angst, dass du den Besitz wieder verlieren könntest.
54:43
Der Honey kann mir nur leid tun.
54:45
Du hast ja keine Ahnung, wie das ist, wenn man so angefangen hat wie ich. Eine Umsiedlerin als Mutter und dann hier in die Gegend verschlagen. Es ist besser, wenn du jetzt gehst.
54:56
Dass du übers Eis bist, werde ich vergessen. Du bist kurz nach zehn hier gewesen.
55:06
Ist noch Platz neben dir?
55:09
Der ganze Bus ist leer.
55:16
Fährst du zu Walli? Wir waren ganz schön voll gestern Abend, was? Willst du was von mir? Ich glaube, wir waren so voll, dass du mich gar nicht gesehen hast, dass wir im Bus rüber sind nach Vasewitz. Ich bin gestern Abend nämlich noch zu Anna gefahren.
55:35
Und da kommst du wohl heute auch her, was?
55:37
Ja. Ich habe reinen Tisch gemacht.
55:43
Du? Ich sage dir das, damit du nicht denkst. Zwischen uns ist noch was.
55:49
So. Ich habe dich übrigens nicht gesehen im Bus gestern.
55:56
Ich habe hinten gesessen.
55:58
Ich auch.
56:03
Hast du schon was gehört, wie es zum Brand gekommen ist?
56:08
Ich weiß, wie du gestern nach Baselwitz gekommen bist. Ich hab dich gesehen bei Anna. Du warst vorm Bus drüben. Da gibt's nur einen Weg.
56:20
Kannst du mich ja gleich anzeigen.
56:22
Kann ich?
56:24
Ja. Die Analyse der Brandreste ist angekommen. Und? Nichts Aufregendes. Bis auf die Analyse der Reste von dem Kutter, der völlig verbrannt ist.
56:39
Was sonst auf die übrigen Boote verteilt war, fand sich hier auf einem Haufen. Dieselspuren, Katalytbenzin, das stammt von dem Katalytofen, der an Bord stand, Benzinspuren, Reste tierischer Haare, vielleicht Wolle, ach ja, und Tabakröste. Kannst du damit was anfangen?
56:57
Naja, die Motoren der Boote werden normalerweise mit Dieselkraftstoff betrieben.
57:02
Und?
57:08
Das Boot von Loks und Präge. Loks war aber an dem Abend und in der Nacht in Basowitz. Ich war am Nachmittag bei seiner Freundin, oder was das ist. Sie hat es bestätigt. Loks ist kurz nach zehn mit dem Bus angekommen. Warum behauptet dieser Tressin dann stock und steif, dass Loks nicht im Bus saß? Was hat er für Gründe dafür? Herein.
57:31
Guten Abend.
57:36
Ja, bitte. Ich will eine Anzeige machen. Wen oder was betrifft die Anzeige? Meinen angeheirateten Neffen, Herrn Jochen Lokes.
57:49
Onkel Ernst ist schon weg.
57:50
Aber das kann er doch nicht machen. So ohne mit mir darüber zu reden vorher. Er weiß doch gar nicht, da... Ich hab mich doch entschieden für dich, Hanni.
58:01
Vor einer halben Stunde ist er ins Dorf.
58:04
Warum bist du denn nicht eher gekommen?
58:05
Ich musste vorher nach Basowitz. Du warst bei ihr. Ja, dass keine Unklarheiten sind für die Zukunft.
58:12
Und jetzt ist er weg und will mich... Aber du brauchst doch keine Angst haben. Du würdest doch nie unser Boot anzünden. Das habe ich keinen Moment lang geglaubt.
58:22
Du musst zu mir halten, Hanni. Versprich mir, dass du zu mir hältst.
58:27
Jochen.
58:29
Ich habe die Werft angebrannt, Hanni, glaube ich.
58:33
Was? Aber ich habe es nicht mit Absicht getan. Das musst du mir glauben. Und das muss auch die Polizei mir glauben. Und dann muss die Versicherung auch zahlen, Hanni. Das glaubst du doch auch, dass die Versicherung dann bezahlt.
58:46
Wenn du dich stellst.
58:47
Du musst zu mir halten. Auch gegen Onkel Ernst, hörst du.
58:53
Ja, Jochen, ja. Was, Jochen?
59:04
Was willst du denn jetzt noch? Der Kriminaler wohnt bei dir. Ich muss ihn sprechen.
59:09
Herr Milsam! Ja? Für Sie!
59:18
Ach Sie, Herr Luchs! Er will Sie sprechen. Mach die Haustür zu. Ein Wetter ist das!
59:28
Kann ich Sie alleine?
59:30
Frau Tetz, bitte.
59:32
Ja, verstehe. Sie können ja auch in die Stube gehen, wenn Sie wollen. Mein Alter ist schon im Bett.
59:41
Also, Herr Luchs?
59:47
Ich will ein Geständnis ablegen.
59:49
Donnerwetter.
59:51
Sie können das ruhig in der Stube machen. Ich störe Sie dabei nicht.
59:54
Wir gehen ins Gemeindeamt.
59:56
Da steht meine Schreibmaschine.
59:57
Danke.
60:01
... habe ich mich im Steuerhaus unseres Kutters aufgehalten und um die Mütze, die in den Schnee gefallen war, zu trocknen, habe ich den Katalytofen angemacht und die Mütze draufgelegt. Als ich dann los bin, um über das Eis nach Basewitz zu laufen, habe ich vergessen, die Mütze vom Katalytofen herunterzunehmen, da ich es sehr eilig hatte und durch eine Auseinandersetzung, die ich vorher mit Herrn Tressin hatte, sehr verwirrt war. Der Wortlaut des Protokolls entspricht meinen und so weiter und so weiter Unterschrift Jochen Luchs. Donnerwetter. Geraucht hat er außerdem noch.
60:30
Ja, was hältst du davon? Der Fall ist gelaufen.
60:34
Ist doch bestens. Ja, das dachte ich gestern Abend auch. Aber... Was denn noch? So richtig passt das alles nicht zusammen. Wir wissen immer noch nicht, wie das Benzin auf den Kutter gekommen ist, zum Beispiel.
60:47
So ein Kanister lässt man leicht irgendwo stehen.
60:50
Und den hat der alte Brege einfach vergessen?
60:52
Ja, schon, aber der alte Brege hat seinen Kanister nach, weil sich zu Hause im Schuppen stehen. Habe ich persönlich überprüft. Und der Kanister war voll, falls du auch auf die Idee kommst, dass er ihn ausgeschüttet haben könnte im Kutter. Und zufällig finden wir heute Morgen im Schilf einen leeren Kanister. Und vielleicht gehört der Luchs. Das heißt, der hat ja gestanden. Fahrlässiger Verursachung hat er gestanden, nicht Brandstiftung. Hat viel Wert darauf gelegt, dass ich ihm sein Geständnis so abkaufe.
61:25
Anhalten!
61:26
Anhalten!
61:36
Herr Tresin, was ist denn los?
61:41
Ich wusste ja nicht, dass Sie das sind. Streikt das Moped? Ja, ja. Also ich will Sie wirklich nicht aufhalten. Sie haben bestimmt Wichtigeres zu tun, wo Sie nur den Brandstifter gefasst haben, nicht?
61:51
Okay.
61:52
Der Brandstifter ist gefasst? Naja, das spricht sich doch rum. Aber ich will Sie wirklich nicht aufhalten. Nun habe ich schon angehalten. Wo klemmt es denn? Mir ist der Sprit ausgegangen. Deshalb habe ich Sie ja auch angehalten. Wartburg fährt doch auch gemischt, ne? Wenn es weiter nichts ist.
62:12
Ist ja ein Ding. So einem alten Seebären, wie Sie einer sind, geht der Sprit aus.
62:20
Also der Sprit geht mir nicht aus. Woher wissen Sie denn eigentlich, dass ich mal zu sehen war? Spricht sich rum. Ich habe das Mobil heute früh aus der Werkstatt geholt und dachte, dass ich zu Hause noch Benzin habe. Aber... Da war wohl nichts mehr drin. Was? Zu Hause, in Ihrem Kanister, meine ich. Ich habe ihn ja gar nicht... Nein, der war doch leer.
62:46
So, das müsste reichen. Könnten Sie mal einen Moment halten? Ich will nur bis die Handschuhe wieder anziehen. Vielleicht sind Sie so nett und legen den Kanister gleich wieder in den Wagen zurück. Na klar. Manu?
62:57
Ja? Ja?
63:05
Ach, nix. Ich habe mich bloß gewundert, dass da noch ein Kanister liegt. Da weiß ich in Zukunft ja wenig anzapfen kann.
63:14
Der andere Kanister gehört mir nicht. Den habe ich heute früh gefunden im Schilf hinter der Werft. Ihrer ist es nicht zufällig?
63:20
Nee, nee. Nee, meiner steht ja zu Hause. Ach so, ja. Also, schönen Dank und gute Fahrt noch. Moment noch. Ja.
63:27
Ach, mir fällt ein, ich habe vergessen Sie zu fragen, sind Sie eigentlich mit Herrn Lox sehr eng befreundet?
63:38
Ich mit Lox befreundet? Das stimmt doch wohl was nicht ganz.
63:41
Wer erzählt Ihnen denn Sonnenschied? Ich meine, weil Sie die ganze Zeit wussten, wie Herr Lox vorgestern Nacht nach Basiewitz gekommen ist und uns das vorenthalten haben. Herr Lox hat ausgesagt, dass Sie ihn beobachtet hätten. Das schwindelt er. Herr Torsin, ich kann mich ertäuschen, aber...
64:06
Vielleicht gehört der zweite Kanister in meinem Wagen doch Ihnen. Also wenn er Ihnen gehört, dann sagen Sie es mir jetzt. Ich erfahre es ohnehin in einer Stunde, spätestens. Ich brauche bloß die Fingerspuren, die Sie freundlicherweise auf meinem Kanister hinterlassen haben, mit den Spuren auf dem gefundenen Kanister vergleichen zu lassen.
64:33
Ich weiß nicht.
64:36
Naja, es kann sein, dass er mir gehört.
64:41
Dann steigen Sie erst mal bei mir ein.
64:53
Als ich am Haus von Anna, also von Frau Schmidt, vorbeikam, war er schon da. Ich habe gesehen, wie er an ihr rumgefummelt hat, das Schwein.
65:06
Ich war sehr betrunken, glaube ich. Ich habe den Kanister genommen und bin auch übers Eis rüber, nach Altendorf. Ich wusste, die Fischerei war alles für ihn. Und wo der Kutter lag, sein Kutter, das wusste ich auch.
65:24
Musik
65:31
Und dieser Krimi am Freitag, Eisgänger, lief erstmals am Freitag, den 27. April 1979 auf Radio DDR1.
66:04
Haben Sie es erkannt? Ein Darsteller war in beiden Krimis dabei, nämlich Gerd Ehlers, erst in Tod im Moor.
66:11
Ich will ja damit nur sagen an Fremde, nicht der allein ins Moor geht, womöglich noch nachts, der hat wenig Chancen durchzukommen.
66:20
Und noch einmal Gerd Ehlers in Eisgänger.
66:23
Das passt dir nicht, was? Wenn ich dich erinnere, dass die Fischerei eine Sache der Familie ist, dass sie in der Familie bleiben muss, dann kann man nicht einfach aussteigen und weggehen.
66:33
Gerd Ehlers, auch ein Radiokrimi-Dauergast. Aber nochmal zu einer anderen Figur zurück.
66:38
Ich mit Luchs befreundet? Das stimmt doch wohl was nicht ganz. Wer erzählt Ihnen denn Sonnenschied?
66:43
Das war noch einmal Jürgen Frohrieb in seiner Rolle als Moritz Gigolo Tressin.
66:48
Also ich will Sie wirklich nicht aufhalten. Sie haben bestimmt Wichtigeres zu tun, wo Sie nur den Brandstifter gefasst haben, nicht? Der Brandstifter ist gefasst?
66:56
Naja, das spricht sich doch rum. Dieser Jürgen Frohrieb war seit den späten 50er Jahren ein Publikumsliebling des DDR-Kinos und Fernsehens. Frohrieb wurde 1928 in Rostock geboren. Seit Ende der 40er stand er auf der Bühne.
67:10
1951 kommt er ans Theater der Freundschaft in Berlin. Danach spielt er in Stralsund, Erfurt und Altenburg die jugendlichen Helden, Karl Mohr in Die Räuber oder Lester in Maria Stewart. Der Kinoregisseur Konrad Wolf wird auf Rorib aufmerksam. Er besetzt ihn 1959 in einer Hauptrolle als Unteroffizier Walter in der bulgarisch-deutschen Koproduktion Sterne.
67:34
Dieser DEFA-Film gilt als erster deutscher Film, der sich mit der Verantwortlichkeit der Deutschen im Holocaust auseinandersetzte.
67:41
Ich war Kunstmaler.
67:43
Ein schlechter Kunstmaler. Jetzt bin ich ein schlechter Soldat. Ich war eigentlich nie was Ordentliches.
67:50
Jürgen Frorieb zeigt die Zerrissenheit der ehemaligen Kriegsteilnehmer seiner Generation. Und gerade das wird ihn für Jahre auf einen Rollentyp festlegen, den smarten, guten Deutschen in Uniform. Der Film Sterne macht international Schlagzeilen und bekommt 1959 den Sonderpreis bei den Filmfestspielen in Cannes.
68:10
Infolgedessen nehmen die DEFA und der Deutsche Fernsehfunk Frohrieb unter Vertrag. Er dreht zwischen 1959 und 62 zwölf Filme und dazu Fernsehmehrteiler wie Das grüne Ungeheuer. In den 60er Jahren wird er mehrfach zum beliebtesten Schauspieler der DDR gewählt. Doch er wartet auf neue Herausforderungen, auf Rollen ohne Uniform.
68:32
Du hast mir nur Unglück gebracht. Du bist mir zum Ekel. Es schüttelt mich, wenn ich deinen Seufzen denke, dass ich dich mal angefasst habe. Hörst du, verstehst du mich?
68:39
Alles hast du mir kaputt gemacht mit deiner verfluchten, schmierigen Liebe. Aber einmal muss er noch. 1965 läuft ein Vierteiler im DDR-Fernsehen. Armin Müller-Stahl, Wolfgang Langhoff und Helga Labuda spielen neben Frohrieb in Wolf unter Wölfen nach Hans Faller da. Er ist der fiese Leutnant Fritz. Hört genau zu. Wenn das Waffenlager noch da ist, dann will ich sehen, dass ich morgen fahre.
69:00
Aber wenn das Waffelnhacker weg ist, dann schieße ich mir noch heute eine Kugel durch den Kopf.
69:04
1966 steht Jürgen Frohrieb für eine Hauptrolle in einem Mehrteiler vor der Kamera als Autorennfahrer Manfred von Brauchitsch in Ohne Kampf kein Sieg.
69:13
Welches Rindfieh war da eben auf der Bahn? Levy, wenn Sie das waren, kommen Sie mir bloß die nächsten acht Tage nicht wieder an und dir die Augen. Aber Manfred, Herr Levy wollte doch nur ein Bild für die Zeit. Ach, fast, dann soll er eins nehmen, wo ich auf dem Eisbärfell liege und mir nicht den Spaß verderben. Also dem zahlen Sie die Wette an Ude, zehn Flaschen. Gut, ich zahle die Hälfte und Sie geben mir schnell noch ein Interview.
69:31
Also sagen wir sieben Flaschen und ich beantworte Ihnen drei Fragen. Einverstanden. Sechs und ich trinke mit.
69:36
Der Rennfahrer bleibt Jürgen Froriebs letzte große Hauptrolle. Ende der 60er werden die Angebote plötzlich spärlicher. Man sieht ihn nur in Nebenrollen. Doch dann bekommt Frorieb einen Anruf vom Deutschen Fernsehfunk. Ein Rollenangebot. Man fragt ihn, ob er auch in einem Krimi mitspielen würde. Hierzu sagte er in einem Interview.
69:54
Na gut, spiele ich gerne Krimi. Was für eine Rolle? Das ist doch logisch, die Rolle des Mörders.
69:59
Ja, da habe ich vorsichtshalber gefragt, wie viel Zeit brauchen Sie? Oh, sagt er, das ist die Größte. Mindestens drei, vier Monate. Und da musste ich passen, weil ich noch in einem anderen Film beschäftigt war und habe gesagt, höchstens sechs, acht oder zehn Tage, mehr nicht. Und da überlegt er kurz und sagt, wissen Sie, was machen wir ganz anders? Spielen Sie einfach den Kriminalisten, der hat bloß sechs Drehtage.
70:19
Frohrieb sagt zu. Mit Film Nummer 7 betritt er 1973 den Polizeiruf 110, damals ein Markenkern des DFF.
70:28
Guten Tag. Guten Tag. Ich bin Oberleutnant Hübner. Sie wissen, warum ich hier bin.
70:33
In über 60 Folgen ermittelt er.
70:35
Haben Sie Beate Bayer am Freitagabend gesehen? Warum sollte ich denn? Warum sollten Sie nicht?
70:41
Mit dieser Rolle wird Frohrieb identifiziert. Angeblich soll er, wenn er mit seinem Wagen von der echten Volkspolizei gestoppt wurde, sofort weitergewunken worden sein. Niemand wollte es sich mit Oberleutnant Hübner verscherzen.
70:53
Genosse Major, in dieser Angelegenheit gibt es einen neuen Tatbestand. Dieser Hagen hat die Rosen an dem bewussten Abend gekauft. Das steht eindeutig fest. Er ist nie ohne Rosen zu Beate Bayer gegangen. Aber... Ich weiß doch selbst, dass das keine Beweise sind. Aber das sind Indizien. Der Abschiedsbrief, der Vogel, die Rosen, die Fahrzeit. Genossen, der Rapport ist beendet.
71:13
Diese spezielle Folge des Polizeiruf 110 entstand 1979, im gleichen Jahr wie unser Eisgänger-Hörspielkrimi. Es ist Frohriebs 25. Fall. Hier bekommt Oberleutnant Hübner Ärger mit seinem Vorgesetzten.
71:26
Sag mal, wie stehst du eigentlich zu meinen Befehlen? Ich kann keinen Abschlussbericht machen, wenn ich nicht davon überzeugt bin, dass der Fall für mich wirklich abgeschlossen ist. Und ich kann nicht zulassen, dass meine Mitarbeiter ihrer Zeit mit sinnlosen Spekulationen verbringen.
71:38
Wir brauchen Fakten.
71:42
Ein toller Fall namens Tödliche Illusion. Der Polizeiruf ist über die Jahre längst ein festes Fernsehritual geworden. Doch die Kehrseite, Jürgen Frohrieb, wird kaum noch in anderen Filmen besetzt. Hörspiele und Synchronarbeiten bleiben die einzigen Zusatzjobs. Frohrieb spielt den Oberleutnant also weiter und weiter. Er ist einer von drei DDR-Schauspielern, die ihre bekannte Ermittlerrolle auch nach der Wende weiterspielen konnten.
72:07
1993 erfolgt sein Abschied vom Polizeiruf. Noch im gleichen Jahr stirbt Jürgen Frohrieb. In nur sechs Krimis am Freitag hat er mitgewirkt. Die Funkreihe lief bis 1991. Insgesamt wurden tatsächlich 360 rund halbstündige Krimis produziert. Der letzte trug den bezeichnenden Titel Fortsetzung fehlt.
72:29
Meine Damen und Herren, versäumen Sie nicht, das nächste Mal wieder Ihr Radio anzustellen.
72:44
Das war Kein Mucks, der Krimi-Podcast mit Radiokuriositäten. Der MDR organisierte uns die beiden Fundstücke aus der Krimi am Freitag-Serie. Und ich möchte Ihnen noch schnell einen weiteren Radiokrimi aus dem Rundfunk der DDR empfehlen. Er steht hier nebenan in ARD Sounds im Podcast »Schlechte Gesellschaft«. Es ist ein Krimi von Hans Siebe namens Der Tod des Reinhard Kunelka. Mit Publikumsliebling Erik S. Klein, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre. Der Tod des Reinhard Kunelka. Und ich glaube, damit können wir hier diesen Fall abschließen.
73:17
Darf ich Ihnen dann heute für Ihre liebenswürdige Mitwirkung danken. Wir sehen uns ja in einer Woche wieder bei dem nächsten Hörspiel. Mein Name ist Bastian Pastewka. Danke fürs Zuhören. Bis nächsten Donnerstag. Tschüss. Also, Wiedersehen.