00:11
Willkommen bei Mordlust, einem Podcast über wahre Verbrechen, produziert von der Partner in Crime in Zusammenarbeit mit Studio Bummens. Mein Name ist Paulina Kraser und in jeder Folge hört ihr hier einen Kriminalfall, in der Regel aus Deutschland, heute aber nicht. Und dabei schauen wir auch auf juristische, psychologische und gesellschaftliche Aspekte und wir sprechen mit Menschen mit Expertise, Beteiligten oder Betroffenen. Und...
00:34
True Crime heißt eben auch, dass hinter jedem Fall echte Menschen und ihre Schicksale stehen. Das solltet ihr beim Hören nicht vergessen. Wir berücksichtigen das auch bei unserer Arbeit. Und wenn ihr merkt, dass euch bestimmte Themen nicht gut tun, dann passt lieber auf euch auf und skippt die Folge. Und weil wir bei all der Schwere zwischendurch aber auch mal etwas Luft brauchen, sind hier auch manchmal Abschweifungen erlaubt. Das ist aber nicht despektierlich gemeint.
00:57
Heute geht es um einen rätselhaften Fall einer jungen Frau und damit ist diesmal nicht nur gemeint, dass es um einen Kriminalfall geht, sondern um einen Fall aus dem zwölften Stock.
01:10
Die Triggerwarnung findet ihr wie immer in der Folgenbeschreibung.
01:14
Als Methyl am 2. Dezember 2010 noch mitten in ihrer Schicht steckt, bekommt sie nicht mit, dass es draußen, obwohl es langsam dunkler wird, noch immer schwül ist. Das ist nicht ungewöhnlich für die australische Großstadt Melbourne zu dieser Jahreszeit.
01:29
Während in Deutschland Minusgrade herrschen, ist am anderen Ende der Welt gerade Sommer. Dass Betyl von den drückenden Temperaturen nichts mitbekommt, liegt daran, dass sie als Concierge in Valencia, einem futuristischen Apartmentkomplex mitten in Melbourne, arbeitet.
01:44
Auf 23 Stockwerken gibt es Luxuswohnungen, aber auch ein Schwimmbad und ein Fitnessstudio. Und natürlich ist alles angenehm klimatisiert. Am Vormittag hatten die staubigen Arbeiten der HandwerkerInnen einen Fehlalarm der Brandmeldeanlage ausgelöst und den üblichen Betrieb im Hochhaus durcheinandergebracht.
02:02
Für Bithül sind die Folgen davon noch während ihrer Schicht am Empfang sichtbar. Dutzende Straßenschuhe haben ihren Schmutz durch die Lobby getragen. Mittlerweile ist es kurz nach 19 Uhr. Jetzt, wo das Gebäude langsam zur Ruhe kommt, kann Bithül endlich die Reste dieser Aktion wegfegen.
02:19
Sie geht durch die Empfangshalle zum Müllraum. Dort kommt all das zusammen, womit sich die wohlhabenden BewohnerInnen des Balencia nicht auseinandersetzen müssen. Reinigungsmittel und Putzutensilien wie der Besen, den Betül sucht. Und hier endet eben auch der Müllschacht, der sich einmal durchs Gebäude zieht.
02:37
Im luxuriösen Balencia muss niemand seinen Müll runterbringen. Die Person wirft ihn einfach durch einen Müllschacht, von dem es auf jedem Stockwerk einen gibt. Von dort fällt der Müll hinunter, direkt bis in die Auffangstation im Erdgeschoss, wo sich dann die Angestellten drum kümmern müssen. Angestellte wie Betül. Sie steckt ihren Arbeitsschlüssel ins Schloss, dreht ihn um und drückt die Türklinke zum Raum herunter. Doch die Tür öffnet sich nicht. Irgendwas scheint sie von der anderen Seite zu blockieren. Betül stemmt sich energisch gegen die Tür.
03:07
Schließlich gibt sie doch einen Spalt nach. Neugierig blickt sie in den Raum, um herauszufinden, was den Weg versperrt. Vielleicht ist etwas umgefallen? Tatsächlich. Einer der großen Müllcontainer ist umgekippt. Das an sich ist nichts Ungewöhnliches. Was ungewöhnlich ist, ist, dass vom Container eine Blutspur direkt auf die Tür zufließt. Und plötzlich realisiert die Angestellte, was die Tür in der Abstellkammer blockiert hat.
03:35
Der grausam entstellte Körper einer jungen Frau. Einer ihrer Füße scheint fast vollständig vom Bein abgetrennt. Betül ist klar, die Frau ist tot. Panisch rennt die Angestellte zum Büro. Noch unter Schock greift Betül zum Telefon und ruft Hilfe. Die Polizei trifft wenige Minuten später ein. Komplett aufgelöst beobachtet Betül, wie der Fundort der Leiche gesichert wird.
04:00
Ein Polizist versucht, die Concierge zu beruhigen. Doch der grausame Anblick wird Betül noch lange verfolgen. Ebenso wie die Frage, wie die junge Frau zu Tode gekommen ist. Denn im Laufe der Jahre werden sich darum drei verschiedene Theorien spinnen, die allesamt eine Reihe von Fragen aufwerfen.
04:24
Paulina, weißt du noch, worauf wir uns beide ganz doll nach dem Festival, auf dem wir letztens waren, gefreut haben? Richtige Duschen auf jeden Fall und weniger staubige Umgebung. Ja, auch. Aber ja auch auf normales Essen. Und mit normalem Essen meinten wir ja das, was wir normalerweise essen und eben nicht das, was wir uns da an diesen vielen Fressständen reingezogen haben. Aka nur Schweinkram, wie meine Umsen.
04:53
Ja, dabei haben wir es ja jetzt nicht so schlecht gemacht, aber so gesund war das alles auch nicht. Also ich habe mich dann schon auch gefreut, wieder in so Routinen reinzukommen danach.
05:04
Ja, du hast dich explizit auf deinen Protein-Shake gefreut, hast du gesagt.
05:08
Ja, sonst wachsen die Muggies nicht, ne?
05:10
Genau, ich weiß ja, welcher Protein-Shake bei dir in der Schublade liegt, von Kuro. Aber da gibt es ja auch einiges anderes mit Protein, wenn man jetzt nicht so auf Shakes steht. Zum Beispiel die vegane Crunchy-Protein-Creme-Cashew-Himbeere, die man richtig schön in seinen Yoga spüren kann. Und was ich jetzt neu entdeckt habe, Protein-Bars in den Sorten Peanut-White-Chocolate und Peanut-Caramel-Style.
05:33
Ich bin sowieso ein großer Fan von den veganen Proteinpulvern, denn da habe ich vor Koro tatsächlich schon einige andere getrunken, die nach Erde und Gras geschmeckt haben. Das ist bei Koro nicht der Fall. Am liebsten mag ich da das vegane Schokoproteinpulver. Und für alle, die Koro noch nicht kennen, die Produkte sind allesamt qualitativ hochwertig, innovativ und vegetarisch. Und die Hälfte des Sortiments ist sogar vegan.
05:57
Und viele stammen ja auch direkt vom Hersteller. Und ein großer Teil ist in Bio-Qualität erhältlich und in Großverpackungen, mit denen man viel Verpackungsmüll spart.
06:05
Und wenn ihr Koro jetzt mal ausprobieren möchtet, dann könnt ihr mit dem Code Mordlust alles in Großbuchstaben und zusammengeschrieben 5% auf das gesamte Sortiment bei www.koro.com sparen.
06:16
Alle Infos findet ihr wie immer auch nochmal in unserer Folgenbeschreibung.
06:27
Etwa acht Jahre bevor die tote Frau in dem Müllraum des Apartmentkomplexes gefunden wird, betritt Phoebe Hansjörg eine McDonalds-Filiale. Damals im Jahr 2002 sind Fastfoodketten beliebte soziale Treffpunkte für Teenager mit extrem tiefsitzenden Hüfthosen und Vans.
06:44
Phoebe ist heute aber nicht hier, um sich mit Freundinnen zu treffen. Es ist der Beginn ihrer zweiten Schicht als Angestellte. Den Job hat ihr eine Freundin vermittelt und Phoebe kann das Geld gut gebrauchen. Die Drinks in den Clubs, in die sie sich mit gefälschten Ausweisen hineinschmuggeln, bekommen sie zwar meist geschenkt, aber Make-up, Klamotten oder ein Taxi nach Hause sprengen schnell das Taschengeldbudget.
07:06
Wenn Phoebe einen Raum betritt, drehen sich die Leute um, selbst wenn sie eine McDonalds-Uniform trägt. Die 16-Jährige hat dunkelblondes Haar, ist etwas über 1,60 Meter groß und ziemlich schlank. Auffällig sind aber vor allem ihre Gesichtszüge. Wenn Phoebe die dünnen Augenbrauen hochzieht und schämisch lächelt, bilden sich neben ihren Mundwinkeln tiefe Grübchen und ihre Augen werden ganz schmal.
07:29
Freundinnen aus der Schule beschreiben ihre Ausstrahlung als geradezu magnetisch. Auf Fotos sieht sie natürlich und fröhlich aus. Doch Phoebe sticht nicht nur wegen ihres Aussehens hervor. Sie ist abenteuerlustig, spontan und oft auch ziemlich kompromisslos. Wenn sie etwas machen will, dann macht sie es. Und wenn sie etwas nicht will, dann zwingt sie sich in den seltensten Fällen dazu.
07:52
Was sich auch schon an ihrem zweiten Arbeitstag bei McDonald's bemerkbar macht. Der Job hängt ihr nämlich schon jetzt zum Hals raus. Die 16-Jährige ist ein Freigeist. Sie will malen, schreiben, klettern, tanzen, irgendwas tun, was sich nach Leben anfühlt, statt Burger zu wenden und Fettschichten von Oberflächen zu wischen.
08:10
Und so trifft Phoebe kurzerhand eine Entscheidung. Sie wird diesen Job sofort hinwerfen. Doch das ist einfacher gesagt als getan. Wer kündigt, muss seine Uniform direkt abgeben. Phoebe ist darin heute aber gekommen und hat keine Wechselklamotten dabei. Nach kurzer Überlegung geht Phoebe Richtung begehbarer Kühlschrank, öffnet die Tür und betritt den Raum. Nicht der perfekte Ort, um die Uniform ein für alle Mal abzulegen, aber manchmal muss man ja eben kreativ werden. Hastig steigt Phoebe aus der Hose und windet sich aus dem T-Shirt heraus.
08:42
Dann tritt sie nur in Unterwäsche aus dem Kühlraum, wird immer schneller und verlässt die Filiale schließlich im vollen Sprint durch eine Hintertür.
08:50
Die halbnackte Phoebe hört erst auf zu rennen, als sie zu Hause angekommen ist. Damit endet ihr Nebenerwerb im Fastfood-Bereich nach nicht einmal zwei Tagen. Phoebe ist nicht bereit, sich in irgendetwas einzufügen, das sich für sie nicht richtig anfühlt.
09:07
Dass Phoebes Art eher unkonventionell ist, zeigt sich nicht erst mit 16. Schon als Kind hat sie eine wilde Ader. Ihre Mutter Natalie nennt sie liebevoll Tiger Cup, also Tigerjunges, weil Phoebe im chinesischen Jahr des Tigers geboren ist. Sie wächst mit zwei jüngeren Brüdern in Richmond auf. Ihr Vater Len ist Psychiater, ihre Mutter Natalie kümmert sich um den Haushalt und die drei Kinder. Phoebe liebt es zu klettern, zum Beispiel auf das Dach des Elternhauses, um dort den Himmel zu betrachten. Während sie die Weite liebt, machen enge Räume sie nervös.
09:38
Die Vorstellung, eingesperrt zu sein, ist für sie ein Albtraum. Sie fährt viel Fahrrad, interessiert sich für Kampfsport und ist körperlich fit. Menschen, die ihr nahestehen, beschreiben sie als liebevoll und charismatisch. Doch in Phoebe selbst gibt es seit ihrer Pubertät auch viel Dunkelheit. Mit 14 zieht sie sich immer häufiger in ihr Zimmer zurück, zeichnet stundenlang und verpackt ihre Gefühle in Gedichte.
10:02
Und während sie ohnehin mitten in einer Zeit steckt, in der sich vieles verändert, gerät auch ihre Familie ins Wanken. Ihre Eltern verkünden, dass sie sich trennen werden. Die beschauliche Kindheit zwischen Fahrradtouren und dem Hausdach, von dem aus der Himmel gar nicht mehr so weit entfernt scheint, ist damit vorbei. Phoebe und ihre Brüder leben von da an bei ihrer Mutter Natalie. Phoebe hat starke Probleme mit dieser neuen Realität. Ihre Stimmung schwankt zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt.
10:30
Mit 15 läuft sie sogar von zu Hause weg. Acht Wochen lebt sie in einem besetzten Haus im Norden Melbournes. Zusammen mit einem ehemaligen Inhaftierten, dessen Partnerin und ihrem Baby. Erst nach zwei Monaten kehrt sie nach Hause zurück, wo sich ihre Familie mit der Tatsache auseinandersetzen muss, dass Phoebe Probleme hat, denen man allein nicht begegnen kann.
10:52
Mit etwa 16 beginnt sie Antidepressiva zu nehmen. Ihre Eltern sehen das kritisch, auch weil Phoebe die Medikamente immer wieder eigenständig absetzt und dann erneut mit der Einnahme beginnt. Ihr Vater Len ist selbst Psychiater und weiß, dass genau das problematisch sein kann. Denn Antidepressiva sollten in der Regel nicht plötzlich eigenständig abgesetzt werden, sondern das sollte unter ärztlicher Begleitung langsam ausgeschlichen werden, weil diese Absatzsymptome, also Schlafprobleme, Ängste, Reizbarkeit und eben auch Stimmungsschwankungen auftreten können, was bei Menschen mit mentalen Problemen ja sowieso risikobehaftet ist.
11:26
Und noch dazu kommt, dass Phoebe schon als Teenager Alkohol trinkt und zwar viel Alkohol.
11:34
Und das ist in vielerlei Hinsicht bedenklich und wird später auch nochmal wichtig in der Geschichte. Liegt daran, dass Antidepressiva problematische Wechselwirkungen in Verbindung mit Alkohol auslösen können. Und gerade Menschen mit Depressionen haben ein erhöhtes Risiko für eine Alkoholabhängigkeit oder bedenklichen Alkoholkonsum, hat uns Ulrich Heger erklärt. Er ist Psychiater und Vorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention.
11:58
Bei Depressionen ist es so, dass das eine Erkrankung ist, die mit einem ganz großen Leidensdruck einhergeht. Und da kommt es durchaus vor, dass Menschen einfach sich irgendwie mit Alkohol sozusagen wegschießen wollen. Die wollen aus diesem Zustand irgendwie raus und greifen dann zum Alkohol, um sich zu betäuben sozusagen.
12:21
Kurzfristig kann Alkohol also tatsächlich beruhigend wirken und unangenehme Gefühle dämpfen. Das Problem ist nur, dass dieser Effekt nicht anhält. Und wer zum Beispiel so ein Aura-Ring hat oder so ein Hoop-Armband oder Freunde, die das haben, kann ja mal schauen, wie gut der Schlaf ist, nachdem man so einen netten, in Anführungszeichen, alkoholreichen Abend hatte. Ich habe es ein paar Mal bei Freundinnen gesehen und die Regeneration ist halt wirklich oft viel schlechter. Und ich habe schon auch oft Downer gehabt von Alkohol, auch schlimme Downer, und habe das aber nie so wirklich damit in Verbindung gebracht.
12:53
Seitdem ich das gesehen habe, trinke ich aber tatsächlich viel, viel weniger. Das Problem, gerade bei Menschen, die mental nicht gut aufgestellt sind, ist, dass daraus schnell ein Kreislauf entstehen kann. Denn wenn man Depressionen hat und regelmäßig viel trinkt, dann kann sich das auch noch gegenseitig verstärken, sagt Hegerl.
13:09
Dafür muss man danach wieder bezahlen, weil halt der Körper danach sozusagen ins Gegenteil sich eher bewegt und man dann noch ängstlicher ist, als man das vorher gewesen ist, weil einem die Berührungsmittel oder der Alkohol fehlen.
13:22
Bei regelmäßig hohem Konsum passt sich das Gehirn dann an diese dauernde Dämpfung durch den Alkohol an und versucht sie auszugleichen, lässt die Wirkung des Alkohols aber nach. Und das Gehirn arbeitet aber ja noch immer gegen an. Dann können Unruhe, Ängste, schlechter Schlaf oder Stimmungstiefs folgen. Heißt also, nicht nur eine Depression kann problematischen Alkoholkonsum begünstigen, sondern Alkohol kann umgekehrt auch die Psyche belasten.
13:48
Und bei Phoebe ist jetzt das Problem, bei ihr bleibt es nicht bei Alkohol. Im Laufe der Jahre konsumiert sie unterschiedliche Drogen wie Kokain, was eben auch nach dem Hoch ein ziemliches Tief nach sich ziehen kann, aber auch LSD. Etwas, was sie mit ihrer Großmutter Jeannette offen besprechen kann, denn die hat damit in der Vergangenheit auch Erfahrungen gemacht. Und gerade deshalb waren sie ihre Enkelin, denn sie glaubt, dass sowohl sie als auch Phoebe für psychedelische Substanzen zu sensibel sind. Und auch eine von Phoebes Freundinnen hat die Beobachtung gemacht, dass Drogen die wechselhafte Art von Phoebe auch noch verstärken.
14:23
Und dennoch konsumiert Phoebe über Jahre immer wieder und teilweise exzessiv.
14:29
Wenn sie mit ihren Freundinnen in Clubs geht, verschwindet sie manchmal und kommt danach mit einer ganzen Handvoll Drogen zurück, die sie von deutlich älteren Männern bekommt. Und ausgerechnet diese älteren Männer werden neben all der Unbeständigkeit zu einer konstanten Amphibis Leben, möglicherweise auch, weil sie ihr eine Stabilität suggerieren, die ihr bei sich selbst oft fehlt.
14:50
Mit 16 nimmt das allerdings zum ersten Mal eine problematische Dimension an. Also etwa zu der Zeit, in der sie auch bei McDonald's ihren Job in Unterwäsche hinschmeißt, verliebt sie sich in einen 30-jährigen Lehrer ihrer Schule. Und der erwidert ihre Gefühle auch noch. Die beiden beginnen eine Beziehung, die wegen des Machtgefälles nicht nur höchst problematisch, sondern im australischen Bundesstaat Victoria auch verboten ist. 16-Jährige dürfen da zwar mit Erwachsenen verkehren, allerdings nicht, wenn zwischen ihnen ein Autoritäts- oder Vertrauensverhältnis besteht, was hier ja der Fall ist.
15:22
Phoebes Familie interveniert trotzdem nicht. Ihre Mutter erklärt das später auch damit, dass Beziehungen zu älteren Männern irgendwie in der Familie legen. Sie selbst hatte in Phoebes Alter eine Beziehung mit einem Lehrer und Phoebes Vater ist auch 14 Jahre älter als sie.
15:38
Und auch Phoebes Großmutter Jeanette hatte ein Faible für ältere Männer. Mutter Natalie glaubt außerdem, dass ihrer Tochter die Anerkennung von Autoritätspersonen wichtig ist. So problematisch die Beziehung ist, scheint sie Phoebe aber damals tatsächlich gut zu tun. Zwischen den beiden entwickelt sich neben der körperlichen Anziehung eine starke geistige Verbindung, die ihr offenbar Halt gibt. Ihre Mutter erlaubt ihr sogar, dass ihr Freund vorübergehend bei der Familie einzieht. Wenn diese Beziehung Phoebe davon abhält, wieder mit Alkohol und anderen Substanzen in besetzten Häusern abzurutschen, dann ist das für ihre Familie die bessere Option.
16:13
Nach den turbulenten Jahren zuvor kehrt damit zumindest in einem Teil ihres Lebens etwas Ruhe ein, bis die beiden sich nach einigen Jahren wieder trennen.
16:22
Auch nach der Beziehung bleibt Phoebe ihrem Muster treu. Ihre nächste Beziehung führt sie wieder mit einem deutlich älteren Mann. Diesmal ist es ein Musiker und Schauspieler. In dieser Zeit schreibt Phoebe etliche Gedichte über Beziehungen, denn mit Liebe identifiziert sie sich offenbar stark.
16:38
Wenn Phoebe sich auf jemanden einlässt, dann lebt sie die Verbindungen intensiv. Ihre Familie findet sogar, dass ihre Verliebtheit teilweise ihr Urteilsvermögen trübt. Sie scheint eine große Sehnsucht nach etwas zu haben, das sie in Männern zu finden glaubt. Gleichzeitig, so schreibt Phoebe es in einem ihrer Texte, beginnt sie zu merken, was sie für eine Wirkung auf Männer hat und dass die Aufmerksamkeit, die sie von ihnen bekommt, ihr auch Macht verleiht.
17:02
Das und ihre Vorliebe für ältere Partner sorgen immer wieder für eine explosive Mischung. Mutter Natalie vermutet, dass sich Phoebes Männer immer wieder fragen, wie lang die Beziehung zu ihrer jungen und begehrenswerten Tochter wohl anhalten wird. Und dass diese Dynamik dazu führt, dass es immer wieder zu Eifersucht und Konflikten kommt. Und so werden ausgerechnet ihre Beziehungen, in denen Phoebe offenbar viel Halt und Bestätigung sucht, in den kommenden Jahren selbst immer wieder zu einem instabilen Faktor an ihrem Leben.
17:32
Als Phoebe sich im Juli 2009 auf den Weg zu ihrem Job macht, bei dem sie in einem Salon am Empfang steht, hat die mittlerweile 23-Jährige noch keine Ahnung, dass dieser Tag ihr Leben komplett verändern wird. Der Laden ist eine Art von Friseur, bei dem Normalverdienende sich dreimal überlegen, ob sie sich eine zusätzliche Pflegekur bei der Haarwäsche wirklich leisten wollen. Phoebe arbeitet hier neben ihrem Studium der kreativen Künste, in dem sie ihre künstlerische Seite voll ausleben kann.
18:00
In den letzten Jahren ist aus dem charismatischen Mädchen mit den dunkelblonden Haaren eine junge Frau geworden, die aussieht wie eine dieser Schauspielerinnen aus den 90er Jahren. Große Augen, dünne Augenbrauen, fransige Frisur und ein schelmisches Lächeln um die Mundwinkel. Aber Phoebe hat sich nicht nur äußerlich verändert. Sie hat auch aktiv daran gearbeitet, dass es ihr besser geht. Sie geht zur Therapie, gibt sich große Mühe, ihren Alkoholkonsum einzuschränken. Und es wirkt ein bisschen, als hätte sie für sich einen Lebensentwurf gefunden, mit dem sie sich wohlfühlt.
18:30
Als sich an diesem Tag die Tür des Salons öffnet, tritt ein Mann hindurch. Er sieht gepflegt aus, hat dunkle Haare, erste Geheimratsecken und ein breites Lächeln. Aber eigentlich ist er so gar nicht Phoebes Typ. Er wirkt selbstbewusst und erfolgreich. Phoebe fühlt sich mit ihrer wilden, kreativen Art sonst eher zu Künstlertypen hingezogen. Der Mann im Salon sieht dagegen aus, wie jemand für den Kunst eher Geldanlage als ein Ventil für inneren Ausdruck ist.
18:59
Trotzdem ist da sofort eine Art magische Anziehung. Als er auf Phoebe zukommt und sich für einen Termin anmeldet, strahlt sie ihn an. Für beide scheint von Beginn klar, dass da etwas zwischen ihnen ist. Anthony Hempel heißt der Mann, der vor ihr steht, genannt Ant. Er ist 42 Jahre alt, also fast 20 Jahre älter als Phoebe, erfolgreicher Eventunternehmer und kommt aus einer ziemlich einflussreichen Juristenfamilie.
19:23
Sein Vater ist ein bekannter Richter, seine Stiefmutter ist ebenfalls Richterin. Anthony selbst ist auf einem exklusiven College zur Schule gegangen und bewegt sich schon lange in den gehobenen Kreisen Melbournes. Sein berufliches Umfeld besteht aus großen Namen. Menschen, die man sonst eher aus dem Fernsehen kennt. Kylie Minogue, Prince, Michael Jackson, Nicole Kidman, Bill Clinton und Paris Hilton. In Melbourne kennt Anthony die Menschen, die wichtig sind oder zumindest dafür gehalten werden. Ant bewegt sich mühelos in einer Welt, die aus Premieren, Champagner und Canapés besteht.
19:58
Für Phoebe scheint klar, dass Ant der Mann ihres Lebens ist. Und wie es für sie typisch ist, macht sie sofort Nägel mit Köpfen.
20:06
Im Oktober 2009, gerade einmal drei Monate nach ihrem ersten Treffen, zieht sie mit ihrem Hund Joschi bei Ant ein. Er besitzt ein Apartment im 12. Stock des Balencia-Hochhauses, einem luxuriösen Wohnkomplex mit Concierge und Blick über den Albert Park Lake bis zur Bucht von Melbourne. Antonys Wohnung ist großzügig und modern eingerichtet, mit viel Glas und Marmor. »Alles wirkt fast steril.« Freundinnen und Familie fällt auf, dass sich Phoebes Welt zunehmend um ihren Partner dreht.
20:57
Jahrelange Bekannte hören monatelang nichts von ihr und auch ihre Familie sieht sie seltener. Wenn Phoebe auftaucht, wirkt sie jetzt verändert. Ihre dunkelblonden Haare sind dunkel gefärbt und deutlich kürzer. Statt Jeans und T-Shirt trägt sie immer häufiger Designerkleidung, die sie sich von Annes Schwester leiht.
21:15
Nach wenigen Monaten Beziehung wirkt es, als hätte sich das Leben der Kunststudentin in eine Umstyling-Show verwandelt, an deren Ende alles, was ihre Persönlichkeit und Einzigartigkeit nach außen getragen hat, nicht mehr sichtbar ist. Als ihre geliebte Großmutter Jeannette zu Besuch kommt, spürt sie eine Anspannung in ihrer Enkeltochter, die sie so nicht kennt. Kaum ist eine Kaffeetasse ausgetrunken, springt Phoebe schon auf, um sie wegzuräumen. Auf Jeannette wirkt es, als müsste jedes Objekt in der makellosen Wohnung seinen festen Platz haben. Manchmal verlässt Phoebe ihren Arbeitsplatz sogar etwas früher, um noch aufräumen zu können, bevor Anne von seiner Firma nach Hause kommt.
21:52
Die Dynamik der Beziehung wird deutlich. Anne ist fast 20 Jahre älter, finanziell unabhängig und in seiner Welt enorm erfolgreich. Phoebe dagegen ist gerade erst dabei herauszufinden, wie ihr eigenes Erwachsenenleben aussehen soll.
22:07
Sie lebt in seiner Welt, nicht umgekehrt. Selbst das iPhone, das Phoebe inzwischen neben ihrem alten Nokia benutzt, gehört eigentlich ihm. Heißt nicht, dass Anne dieses Gefälle bewusst ausnutzt, aber es führt dazu, dass es vor allem Phoebe ist, die sich verändert und anpasst. Diejenige, die es nicht mal ertragen konnte, zwei Tage in einer McDonalds-Filiale zu arbeiten, weil es ihr nicht genug Spaß bereitet hat, um in Anne's bereits bestehenden Leben ihren Platz zu finden.
22:34
Und das wird auf Dauer immer mehr zum Problem. Zum einen, weil Ant ganz andere Vorstellungen davon hat, wie die gemeinsame Zukunft aussehen soll. Ant wünscht sich bald Kinder. Phoebe scheint dafür zumindest jetzt noch nicht bereit. Zum anderen ist es der Lifestyle, bei dem immer deutlicher wird, wie unterschiedlich die beiden eigentlich sind. Ant bewegt sich am liebsten auf glamourösen Partys mit Champagnerglas in der Hand und seiner zurechtgemachten, deutlich jüngeren Freundin im Arm. Sie ist lieber mit ihrem Hund Yoshi in der Natur unterwegs oder powert sich im Gym aus.
23:04
Immer öfter kommt es deswegen auch zu Streitigkeiten. Ihrer Therapeutin erzählt Phoebe in der Zeit davon, sich kontrolliert und abgewertet zu fühlen. Sie hat das Gefühl, die Rolle, die Ant ihr zugewiesen hat, nicht richtig ausfüllen zu können. Besonders auf den Partys, auf denen sich Phoebe inmitten von Ants Umfeld oft nicht wohl fühlt.
23:22
Der Alkohol hilft ihr dann dabei, diese Unsicherheit zu überspielen und sich leichter in eine Umgebung einzufügen, die eigentlich nicht ihre ist. Sie trinkt nicht täglich, manchmal sogar über Wochen hinweg nicht, aber immer wieder hat sie diese Momente, in denen sie abstürzt. Zwei Gläser Wein reichen und Phoebe hat Probleme, sich auf den Beinen zu halten. Mitunter kommt dann auch Kokain dazu. Außerdem nimmt sie verschreibungspflichtige Schlafmittel mit dem Wirkstoff Zolpidem.
23:49
Besorgt beobachtet ihre Familie, wie sich Phoebes psychische Situation im Laufe der mittlerweile über einjährigen Beziehung immer mehr zu verschlimmern scheint. Hatten Phoebes Eltern Anne anfangs noch für einen vielleicht nicht ganz passenden, aber zuvorkommenden Partner gehalten, geraten sie nun immer mehr in Sorge über die Beziehung. Für sie fühlt es sich an, als würde sich Phoebe in einen unsicheren, emotional noch instabileren Schatten ihrer selbst verwandeln. Und dann erreicht diese Sorge an einem Tag Anfang Dezember 2010 ihren dramatischen Höhepunkt.
24:22
Phoebes Vater Len ist an diesem Tag schon die ganze Zeit unruhig. Eigentlich ist er mit seiner Tochter und Anne zum Abendessen verabredet. Phoebe hatte vorgeschlagen, Lens Geburtstag nachzufeiern und dafür das Golden Triangle ausgesucht. Ein thailändisches Restaurant, das Phoebe besonders liebt.
24:38
Sie wollte ihm noch Bescheid sagen, wann genau sich die drei am Restaurant treffen sollen. Doch es kommt einfach kein Anruf. Und das nach dieser wirren Nachricht vom Vortag. Phoebe hatte an ihn und andere Familienmitglieder, darunter auch Mutter Natalie und Oma Jeanette, eine SMS geschickt, deren Inhalt er sich nicht erklären kann. Ich übersetze mal sinngemäß auf Deutsch. Also sie schreibt, hi Familie, ich liege im Bett und bin gerade dabei einzuschlafen. Und wenn ich aufwache, werde ich mich in den unglaublichsten Menschen verwandeln, den ihr jemals gesehen habt.
25:09
Nicht. Ich werde ins Krankenhaus gehen, da ist es sicherer. Und ich habe gehört, dass Tomatensuppe auf dem Menü für heute Abend steht. Köstlich, nahrhaft. Ich liebe euch alle sehr, aber nicht genug, um euch jeweils eine eigene Nachricht zu schicken. Tut mir leid, aber Zeit ist Schlaf und ich muss jetzt los. Vergnügt, vergnügt, vergnügt, Leben ist nur ein Traum. Kuss. Phoebes Familie hatte daraufhin panisch versucht, mit ihr zu sprechen, hatte aber nur Ant erreicht. Der sagte daraufhin, dass alles in Ordnung sei.
25:40
Phoebe sei letzte Nacht lange unterwegs gewesen und würde nun ihren Rausch ausschlafen.
25:45
Tagsüber hatte sich Phoebes Vater Len mit der Arbeit in seiner psychiatrischen Praxis ablenken können. Doch als er nun gegen 18.50 Uhr das Gebäude verlässt und auf dem Mitarbeitendenparkplatz in sein Auto steigt, will er nicht länger darauf warten, dass seine Tochter sich endlich meldet. Len nimmt sein Handy und wählt Phoebes Nummer. Doch er erreicht sie nicht, nur Phoebes Freund Ant. Phoebe sei nicht da, sagt er. Ihre Handtasche und ihre Schlüssel legen allerdings noch in der Wohnung, weshalb sie eigentlich nicht weit weg sein könne.
26:14
Len wird zunehmend unruhig. Das passt für ihn alles gar nicht zusammen. Len schlägt Ant deshalb vor, Phoebe bei der Polizei als vermisst zu melden, doch Ant hält das für unnötig.
26:24
Die Polizei würde ohnehin erst reagieren, wenn sie 48 Stunden verschwunden sei und bis dahin würde Phoebe schon wieder auftauchen. Also telefoniert Len andere Familienmitglieder ab. Aber niemand hat von Phoebe gehört. Niemand weiß, wo sie ist. Also überlegt Len erstmal nach Hause zu fahren, um sich für das geplante Abendessen umzuziehen. Und kurz nach 20 Uhr klingelt dann sein Telefon. Es ist nicht Phoebe, die sich endlich bei ihm meldet. Es ist wieder Anthony. Phoebe sei gefunden worden, sagt er. Sie sei tot.
26:55
Mehr braucht es nicht. Innerhalb weniger Sekunden verwandelt sich die Sorge, die Len seit Stunden begleitet, in furchtbare Gewissheit darüber, dass er seine geliebte Tochter, mit der er eigentlich gerade in ihrem Lieblingsrestaurant sitzen und seinen Geburtstag nachfeiern sollte, nie wiedersehen wird.
27:11
Noch weiß Len nicht, dass der Tod seiner Tochter für ihn zum Beginn einer jahrelangen Suche nach Antworten wird. Antworten darauf, was in den Minuten vor Phoebes Tod passiert ist und was der Mann, der ihm gerade die schlimmste Nachricht seines Lebens übermittelt hat, damit zu tun haben könnte.
27:33
Paulina, wir beide posten ja generell nicht so viel auf Social Media, aber ich liebe das ja, Leuten zum Beispiel meine Urlaubsfotos und Videos zu zeigen.
27:41
Ja, du kreierst online auf jeden Fall ein sehr viel verschönteres Bild deines Lebens, was du sonst so hast. Ja.
27:48
Ja, online bin ich eigentlich nur im Urlaub. Wäre auch direkt deswegen so ein Disclaimer bei mir in der Insta-Bio, also Mind the Gap between Instagram and Reality, weil ich mir schon denke, das ist nicht nur allein mein Leben, das ist nur ein Teil meines Lebens. Aber naja, ich habe nämlich noch ganz viele andere Fotos und Videos, die sind aber nur auf meinem Handy und eigentlich habe ich alle davon in der Cloud.
28:09
Und letztens wollte ich mal jemandem dann ein Video zeigen, das eben es nicht auf Instagram geschafft hat. Und in dem Moment hat dann einfach nichts geladen. Und das war halt so richtig unangenehm, weil sonst stand man da einfach so ewig lang und es hat nur so ganz, ganz langsam geladen.
28:26
Ja, ich kenne das. Unangenehme Situation, die man zum Glück umgehen kann mit unserem heutigen Werbepartner Simon Mobile und dem Hot Deal Summer. Bei dem bekommt man nämlich gerade dauerhaft mehr Datenvolumen, zum Beispiel 70 Gigabyte ab nur 9,99 Euro im Monat. Und für gerade mal 2 Euro mehr gibt es sogar 100 Gigabyte, also ab nur 11,99 Euro monatlich auf simonmobile.de.
28:49
Das Ganze wie immer ja mit Top-D-Netz-Qualität inklusive 5G und All-Net-Flat. Außerdem bleibt man bei Simon Mobile wie immer flexibel, weil der Vertrag monatlich kündbar ist.
28:59
Und für NeukundInnen gibt es außerdem noch ein Extra. Wenn ihr jetzt auf simon.link slash mordlust oder in der App den Code mordlust5 eingebt, dann erhaltet ihr für zwölf Monate monatlich nochmal 5 GB geschenkt. Die Aktion ist gültig bis zum 30. September 2026.
29:17
Alle Infos findet ihr auf simon.link slash mordlust und wie immer nochmal in unserer Folgenbeschreibung.
29:31
Das Bild, das sich der Polizei an diesem Abend des 2. Dezember 2010 im Abstell- und Müllraum des Melbourneer Luxushochhauses bietet, ist verstörend. Nachdem die Concierge Betül kurz zuvor die Tür geöffnet und dort die Leiche der jungen Frau entdeckt hat, versuchen die Ermittlenden aus dem Chaos im Raum zu rekonstruieren, was hier passiert ist.
29:51
Noch immer liegt die junge Frau auf dem Boden. Neben ihr der umgekippte Müllcontainer, sein Inhalt über den Raum verteilt. Und überall Blut. Anhand der Blutspuren können die Ermittelnden nachvollziehen, dass die Frau trotz ihrer schweren Verletzungen noch gelebt haben muss.
30:07
Offenbar hatte sie versucht, sich vom Container aus Richtung Tür zu schleppen. Doch wie ist sie überhaupt hierher gekommen? Der Abfallraum ist kein Ort, an dem man sich normalerweise verirrt. Und dann folgt eine erschreckende Erkenntnis. Über dem Container endet der Müllschacht des Hochhauses. Sie muss durch den Schacht gefallen und im Abfallcontainer gelandet sein. Offenbar verblutete sie kurz darauf an der Fußverletzung, die sie sich durch die Müllpresse am Ende des Schachts zugezogen hatte.
30:37
Schuhe trägt die Tote namens Phoebe Hensjack nicht. An ihren Armen und Schultern sind mehrere Hämatome sichtbar, an ihrem Kopf finden sich Schürfwunden. Außerdem werden eine Fraktur des linken Oberschenkelknochens sowie des rechten Waden und Schienbeins und mehrere Prellungen im Gesäßbereich festgestellt. Ihre Jeans trägt sie bis unterhalb ihrer Knie. Noch ist vollkommen unklar, wieso die junge Frau hier unten liegt, doch der Weg, den ihr Körper genommen haben muss, führt die Ermittelnden nach oben.
31:06
Zwölf Stockwerke, also über 30 Meter über ihnen, befindet sich die Wohnung der jungen Frau und nicht weit davon entfernt, wie in jedem anderen Stockwerk des Hauses auch, eine Müllklappe, durch die man seinen Abfall entsorgen kann, der dann unten im Container im Erdgeschoss landet. So wie auch Phoebe.
31:23
Der Zugang zum Schacht im 12. Stock befindet sich ebenfalls in einem Müllraum. Auf dessen Betonboden finden sich mehrere Bluttropfen. Außerdem ist Blut am Türgriff des Müllraums. Die Spurensicherung versucht Fingerabdrücke von der Müllklappe zu nehmen, doch kann keine Verwertbaren sicherstellen. Nachdem sich die Ermittler nun in die Wohnung der Toten und ihres Partners begeben, ergibt sich ihnen auch dort ein merkwürdiges Bild. Auf dem Küchenboden liegt zerbrochenes Glas, auf der Küchenzeile stehen zwei Trinkgläser.
31:54
An mehreren Stellen findet sich Blut, unter anderem auf der Computertastatur und der Maus.
32:00
Im Wohnbereich liegt ein aufgerissenes Kissen. Was immer mit Phoebe geschehen ist, könnte also bereits in der Wohnung begonnen haben.
32:08
Gleichzeitig sieht es nicht danach aus, als habe sie vorgehabt, länger wegzubleiben. Ihr Glätteisen steckt noch in der Steckdose, Handtasche, Schlüssel und Portemonnaie befinden sich ebenfalls noch in der Wohnung. Im Flur entdeckt ein Ermittler außerdem große, verschmutzte Schuhabdrücke, die von Phoebes Wohnung wegführen. Aufgrund der Schrittlänge vermutet er, sie könnten von einer großen oder rennenden Person stammen.
32:30
Während die Ermittelnden die Spuren zusammensetzen, sprechen sie auch mit Phoebes Partner Anthony Hempel. Am Morgen habe er Phoebe noch schlafend zurückgelassen. Danach sei sein Arbeitsalltag normal weitergegangen. Er habe allein Mittagspause gemacht und am Nachmittag mehrere berufliche Termine wahrgenommen. Erst kurz nach 18 Uhr sei er zurück zum Luxusapartment gekehrt. Phoebe sei nicht da gewesen, ihre Sachen aber schon. Im Schlafzimmer hätten mehrere Kerzen gebrannt und auf dem Bett habe Anthony Fotos von ihm und Phoebe und Notizen gefunden, die auf ihn wie eine Art kleiner Schrein gewirkt hätten.
33:07
Auch das Glätteisen habe er so vorgefunden. Das Blut auf dem Computer habe auf ihn frisch gewirkt. Trotzdem habe er zunächst gewartet, eine Zigarette geraucht, ein Bier getrunken und telefoniert. Schließlich habe er beim Golden Triangle Essen bestellt, wo er eigentlich gemeinsam mit Phoebe und ihrem Vater Lenz Geburtstag nachfeiern sollte. Als der Lieferant um kurz nach 20 Uhr gekommen sei, habe er Anthony auf das große Polizeiaufgebot vor dem Gebäude aufmerksam gemacht. Erst danach sei Anthony nach unten gefahren.
33:37
Dort habe er erfahren, dass im Müllraum die Leiche einer Frau gefunden worden sei und den PolizistInnen erzählt, dass seine Freundin verschwunden sei.
33:45
Er habe gefragt, ob die Tote Phoebe sein könne. Die Ermittelnden erfahren von Anthony außerdem, dass Phoebe an Depressionen litt und dass sie Probleme mit Alkohol hatte. In den kommenden Tagen versuchen die Ermittelnden, Phoebes letzten Tag zu rekonstruieren.
34:00
Nach dem Feueralarm am Vormittag wird sie gegen 11.50 Uhr von einer Überwachungskamera aufgezeichnet, als sie zurück in Richtung ihrer Wohnung geht. Es ist die letzte Aufnahme, auf der Phoebe zweifelsfrei lebend zu sehen ist. Gegen Mittag werden auf ihrem iMac noch Dateien im Musikprogramm Garageband erstellt. Da streiten sich die Geister bei uns Podcasten, so wie das ausgesprochen wird.
34:23
Wann sie die Wohnung danach verlässt und in den Müllraum im 12. Stock gelangt, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Klar ist nur, dass Phoebe vor ihrem Tod Alkohol getrunken und Schlaftabletten mit Zolpidem eingenommen hatte. Ihre Blutkonzentration liegt bei 0,16 Prozent, also etwa 1,6 Promille.
34:42
Fünf Tage nach der grausamen Nachricht von Phoebes Tod bekommen Lan und Natalie schließlich eine erste Antwort auf die Frage, die seit jenem Abend über allem schwebt. Was ist mit ihrer Tochter passiert? Die Polizei will ihnen mitteilen, zu welchem Ergebnis sie gekommen ist.
34:59
Nachdem die Überwachungskamera Phoebe kurz vor Mittag das letzte Mal eingefangen habe, habe sie nach Ansicht der Polizei große Mengen Alkohol konsumiert und das Schlafmittel eingenommen.
35:09
In diesem Zustand sei ihr vermutlich ein Glas aus der Hand gefallen. Sie habe sich an den Scherben geschnitten und anschließend an den Computer gesetzt, was die dortigen Blutspuren erkläre.
35:19
Spätestens gegen 18 Uhr habe Phoebe die Wohnung verlassen. Genau könnte man das aber nicht sagen, weil sich ihr Todeszeitpunkt nicht mehr ermitteln ließ. Ihre Sachen habe sie in der Wohnung zurückgelassen. Die Polizei glaubt, dass Phoebe ein klares Ziel gehabt habe. Sie habe sich das Leben nehmen wollen. Barfuß sei sie zum Müllraum ihrer Etage gegangen und dort mit den Füßen voran aus eigenen Stücken durch die Luke in den Schacht geklettert.
35:43
Nach dem mehr als 30 Meter tiefen Sturz sei sie am unteren Ende des Müllschachts in die Müllpresse gelangt. Beim Sturz in den Container sei ihr rechter Fuß hineingeraten und fast vollständig abgetrennt worden. Sie habe es noch geschafft, sich aus dem Container bis zur Tür zu bewegen, wo sie schließlich verblutet sei. Die Spuren, die Depression und Phoebes problematischer Umgang mit Alkohol und anderen Substanzen ergeben für die Ermittlenden ein schlüssiges Bild. Phoebe habe sich das Leben genommen, ganz allein und ohne das Zutun einer weiteren Person.
36:14
Für die Polizei ist der Fall damit abgeschlossen.
36:18
Während Phoebes Tod damit für geklärt gilt, steht die Familie noch ganz am Anfang. Für Lynn, Natalie und die anderen geht es in diesen Tagen erst einmal darum, überhaupt zu begreifen, dass Phoebe nicht mehr wiederkommen wird und sich von ihr zu verabschieden. Es ist immer noch Dezember und Sommer in Australien, als sich Phoebes Familie und Freundinnen in Malekuta treffen. Phoebe hatte den kleinen Küstenort geliebt. Kein Wunder also, dass ihre Liebsten ausgerechnet hier zusammenkommen, um von ihr Abschied zu nehmen.
36:46
Es ist nicht die erste Feier, mit der Phoebe gedacht wird. Zuvor gab es bereits die offizielle Trauerfeier und danach die Einäscherung. Doch dieser Abschied ist persönlicher. Ihr Vater Len hat dafür ein kleines Wikingerboot gezimmert, gerade groß genug für Phoebes Asche, bunte Ringelblumen und mehrere Abschiedsbriefe ihrer Liebsten.
37:06
Menschen, die Phoebe durch ihr Leben begleitet haben, haben sich hingesetzt und ein letztes Mal ihre Gefühle für sie in Worte gefasst, weil auch Phoebe seit ihrer Kindheit Gedichte schrieb und ihre Gefühle so auf Papier festhielt. Phoebes Großmutter Jeanette möchte ihre Gedanken an diesem Tag an alle Anwesenden richten. Es ist schwierig, einen Ausdruck für etwas zu finden, das eigentlich unbegreiflich ist. Einer der Anwesenden zeichnet diesen Moment damals auf.
37:32
We are here because we all have one thing in common. We love you and have been loved by you. You are our Pheebs, Pheebsie, Tiger, Pixie. You were Xena, Warrior Princess. You were Phoenix.
37:59
Ja, also sie sagt sowas.
38:06
Wir sind hier, weil wir alle etwas gemeinsam haben. Wir lieben dich und wir wurden von dir geliebt. Du bist unsere Fieps, Fiepsi, Tiger, Pixie. Du warst Xena, die Kriegerprinzessin. Und du warst Phoenix. Heute gedenken wir dir mit der Beerdigung einer Kriegerin.
38:22
Nach der Rede schieben Phoebes Angehörige das Wikingerboot aufs Wasser und zünden es an. Die Flammen verschlingen die Asche, die Briefe, die Blumen und schließlich das ganze Schiff. Der Rauch steigt in den australischen Himmel, den Phoebe als Kind vom Dach ihres Elternhauses stundenlang beobachten konnte. Für die Familie ist es der perfekte Abschied für einen besonderen Menschen. Nur eine wichtige Person aus Phoebes Leben fehlt bei der Zeremonie. Anthony Hampel Die Beziehung zwischen Anthony und Phoebes engstem Kreis hatte schon in den Monaten vor ihrem Tod gelitten.
38:56
Für alle war offensichtlich, dass es zwischen den beiden immer wieder zu Konflikten kam. Jetzt, nach Phoebes Tod, gibt es keinen Zusammenschluss, keinen sich gegenseitig in seiner Trauer trösten. Stattdessen wird das Misstrauen von Phoebes Eltern gegenüber Anthony immer größer. Alles an seinem Verhalten nach Phoebes Tod wirkt auf sie irgendwie falsch. Anthony organisiert eine eigene Trauerfeier im Melbourne Yacht Club. Also genau die Art von Glamour-Veranstaltung, bei der sich Phoebe zu Lebzeiten wahrscheinlich wahnsinnig unwohl gefühlt hätte.
39:29
Auf der Trauerfeier werden Bilder vorgestellt. Sie alle zeigen Phoebe zusammen mit Anthony. Als hätte sie außerhalb dieser Beziehung nicht existiert. Phoebes Großmutter Jeanette ist die einzige aus Phoebes Familie, die der Einladung von Anthony nachkommt und entsetzt darüber, wie wahnsinnig unpersönlich sich der Abschied hier anfühlt. So gar nicht nach ihrer Enkeltochter. Eher wie eine teure Produktion für irgendeine TV-Show. Außerdem postet er noch am selben Tag, an dem die Polizei Phoebes Familie vermittelt, dass sie von einem Suizid ausgeht, auf Facebook, dass Phoebe sich umgebracht hat.
40:04
Er schreibt, Phoebe habe unter schweren Depressionen gelitten und sich das Leben genommen, ohne auch nur einmal Kurzrücksprache mit ihren Eltern zu halten.
40:13
Für Fibis Familie geht das zu diesem Zeitpunkt alles zu schnell. Vor allem die Suizidtheorie können Fibis Eltern trotz polizeilichen Erkenntnissen gar nicht so richtig greifen. Ulrich Heger von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe versteht aber, warum ein Suizid für die Polizei ein naheliegender Verdacht war und warum das für viele Leute aus Fibis Umfeld auch erstmal logisch erscheint.
40:35
Ja, das ist zunächst ein nicht sehr unwahrscheinlicher Erklärungsansatz, will ich mal sagen. Schwere Depression, auch noch mit Zucht, da besteht schon ein sehr, sehr hohes Suizidrisiko. Depression ist mit Abstand die wichtigste Ursache für die etwas mehr als 10.000 Suizide, die wir jedes Jahr in Deutschland haben.
40:56
Und trotzdem, nur weil Phoebe ein erhöhtes Suizidrisiko hatte, heißt es nicht, dass sie sich sicher auch suizidiert hat. Haben die Ermittler vielleicht nicht richtig hingesehen oder sich womöglich vorschnell durch Phoebes Hintergrundgeschichte, durch die Depression, die Drogen und ihren Alkoholproblemen beeinflussen lassen? Auch erfahrene Ermittler sind ja nicht frei vom sogenannten Confirmation Bias oder dem Bestätigungsfehler.
41:22
Haben wir erstmal eine Erklärung für etwas gefunden, neigen wir dazu, Informationen stärker wahrzunehmen oder entsprechend zu interpretieren, wenn sie zu dieser Erklärung passen. Informationen, die dagegen sprechen, können dadurch weniger Aufmerksamkeit bekommen.
41:38
Wie relevant das ausgerechnet bei der Untersuchung zwischen Suizid und Fremdverschulden sein kann, das zeigt ein Experiment aus den Niederlanden, das den Einfluss von Fortinformationen auf Wahrnehmung und Spurensicherung untersucht hat. 58 erfahrene Tatortermittelnde und 36 Forensikstudierende sollten einen inszenierten Tatort untersuchen.
42:01
Diese Szene war bewusst mehrdeutig gestaltet, tatsächlich sollte sie aber einen Mord darstellen, der wie ein Suizid inszeniert worden war. Bevor die Teilnehmenden den Tatort untersuchten, bekamen sie unterschiedliche Informationen. Also einer Gruppe wurde gesagt, dass wegen einer bekannten Depression des Opfers von einem möglichen Suizid ausgegangen werde. Eine andere Gruppe bekam den Hinweis auf einen möglichen Mord wegen früherer häuslicher Gewalt. Und eine dritte Gruppe erhielt keine Informationen darüber, welche Todesart vermutet wurde. Und diese Vorinformation machte tatsächlich einen Unterschied.
42:34
Die Gruppe mit der Mordhypothese sicherte im Durchschnitt die meisten Spuren, die Gruppe mit der Suizidhypothese die wenigsten. Im Schnitt waren es rund 18 bei der Mordhypothesengruppe gegenüber rund 14 bei der Suizidhypothesengruppe. Der Kontext hatte also messbaren Einfluss darauf, wie der Tatort untersucht wurde.
42:56
Ob das jetzt bei Phoebes Fall eine Rolle gespielt hat, das weiß ihre Familie zu diesem Zeitpunkt nicht. Aber ihre Zweifel an der Suizidtheorie, die wachsen. Ja, Phoebe hatte psychische Probleme und machte kurz vor ihrem Tod allem Anschein nach eine besonders schwere Zeit durch. Aber einige Punkte wollen für ihre Angehörigen einfach nicht zusammenpassen.
43:16
Da ist zum einen das Timing. Einen Tag nach ihrem Tod, am 3. Dezember, sollte Phoebes jüngster Bruder seinen 18. Geburtstag feiern. Eine große Party war geplant, auf die sich auch Phoebe sehr gefreut hatte. Dass sie sich ausgerechnet einen Tag vorher das Leben genommen haben soll, passt für ihre Familie nicht zu der Phoebe, die sie kannte. Dazu kommt ihre ausgeprägte Angst vor engen Räumen. Dass Phoebe freiwillig in einen Müllschacht geklettert sein soll, können ihre Angehörigen kaum glauben. Das wäre Phoebes absoluter Albtraum gewesen.
43:49
Selbst wenn sie an diesem Tag hätte sterben wollen, sind sie überzeugt, dass sie einen anderen Weg gewählt hätte und beispielsweise aus dem Fenster gesprungen wäre. Auch Spuren an Phoebes Körper geben Rätsel auf. Als ihre Mutter Natalie den Obduktionsbericht anfordert, erfährt sie von blauen Flecken an Phoebes Armen, die auf die Familie wirken, als könnte sie jemand gewaltsam festgehalten haben.
44:10
Gleichzeitig weist Phoebe trotz des Sturzes aus mehr als 30 Metern vergleichsweise wenige schwere innere Verletzungen auf. Mysteriös ist auch der Zustand von Phoebes Kleidung. Als sie gefunden wird, hängt ihre Hose unter den Knien, gehalten von einem Gürtel, der nur im ersten Loch geschlossen ist. Hatte möglicherweise jemand den Gürtel geöffnet und die Hose bewusst heruntergezogen, um Phoebes Beine zu fixieren? Also wenn eine Hose jetzt über die Knie rutscht, dann lassen sich die Beine ja auch nicht so breit auseinanderstellen, was ja eventuell sinnvoll wäre, wenn jemand durch eine enge Öffnung in einen Schacht buxiert werden muss.
44:45
Vor allem aber setzt die Suizidtheorie der Polizei voraus, dass Phoebe dazu in der Lage war, alkoholisiert unter Einwirkung von Schlafmitteln und ohne jede Hilfe durch eine extrem schmale Klappe in einen Müllschacht zu klettern.
44:58
Und genau dieser zentrale Punkt ist es, der Phoebes Großvater einfach keine Ruhe lässt.
45:03
Phoebes Großvater war sein Leben lang Kriminalpolizist. Und auch wenn er bereits seit Jahren im Ruhestand ist, weiß er noch genau, wie Ermittlungen ablaufen sollten. Und er ist überzeugt, dass die Polizei zumindest hätte testen müssen, ob Phoebe überhaupt körperlich dazu in der Lage gewesen wäre, selbst in den Schacht zu klettern. Gerade mit einem hohen Blutalkoholwert und unter Einfluss von Schlafmitteln. Also beschließt Phoebes Großvater, es selbst zu überprüfen.
45:29
Er kontaktiert den Hersteller des Müllsystems in Balencia und lässt sich eine exakte Nachbildung des oberen Teils des Schachts anfertigen, inklusive der Klappe, durch die Phoebe nach der Suizidtheorie der Polizei geklettert sein soll. So, und das Ganze sieht so aus. Diese Öffnung zum Müllschacht, die befindet sich erhöht in der Wand. Und der eigentliche Schacht, der verschwindet hinter der Wand. Und der ist nur etwa einen halben Meter breit und damit sehr eng. Aber um überhaupt erstmal hinein zu gelangen in den Schacht, müsste man zunächst durch eine noch kleinere Öffnung.
46:02
Bei geöffneter Klappe ist die nur 40 Zentimeter breit. Also ungefähr so breit wie ein größerer Laptop. Ich sitze gerade vor so einem und muss schon sagen, wenn ich jetzt meine Hüfte angucke, wird eng. Da passen jetzt auch nicht diese riesigen Müllbeutel rein, also eher so kleinere Hausmüllbeutel.
46:18
Und dazu kommt dann auch noch der Mechanismus der Klappe. Die Klappe an sich ist nämlich stark gefedert und so konstruiert, dass sie von selbst wieder zufällt. Also man zieht sie so zu sich hin auf, aber wenn man die loslassen würde, zieht die wieder zurück. Wenn man jetzt also versuchen möchte, den eigenen Körper durch diese Öffnung zu bekommen, dann muss man die Klappe irgendwie gleichzeitig offen halten, um sich überhaupt mal erstmal da rein zu manövrieren, ja.
46:39
Das Ding ist, rundherum um diese Klappe an der Wand gibt es keine Griffe, an denen man sich irgendwie hochziehen oder festhalten könnte. Denn die Klappe ist ja nicht unten im Boden, sondern etwa einen Meter über dem Boden. Wir posten euch die Tage auch auf Instagram dazu nochmal Bilder und ein Video. Das heißt, man muss da wirklich erstmal einen Riesenschritt nach oben machen. Phoebes Großvater bittet jetzt zwei Freundinnen von ihr, ihm bei seinem Experiment zu helfen. Beide sind ähnlich schlank und sportlich wie seine Enkelin. Wenn er herausfinden will, ob Phoebe ohne fremde Hilfe in den Müllschacht gelangen konnte, dann ist das seine beste Chance.
47:15
Am 16. Februar 2011, etwas über drei Monate nach Phoebes Tod, ist es dann soweit. Der Schacht ist nachgebaut und das Experiment kann beginnen. Die Frauen versuchen durch die Nachbildung der Müllschachtöffnung zu klettern, während Phoebes Großvater alles protokolliert und mitfilmt. Und schon der Einstieg ist, wie zu erwarten, schwierig.
47:34
In ihrer normalen geöffneten Position gibt die Klappe zunächst nur einen etwa 22 cm tiefen Spalt frei. Die Frauen halten sie mit einem Bein auf und ziehen sich mit den Armen an den Seiten der Klappe nach oben, bis sie auf der richtigen Höhe sind, um ihren Körper dann in die Öffnung zu bekommen. So, dabei ist jetzt aber das nächste Problem. Diese Klappe zieht man ja diese 20 cm tief auf. Wenn man sie aufzieht, dann versperrt ein Mechanismus dahinter den Zugang zum eigentlichen Schacht.
48:04
Das heißt, der Müll würde auch nicht gleich durchrutschen, sondern erst mal auf so einem Boden landen, der sich da auftut. Nach mehreren Versuchen schafft es schließlich nur eine von Phoebes Freundinnen, sich in die Schachtattrappe zu manövrieren. Das ist ein schmerzhafter Prozess und sie verkeilt sich dabei auch immer wieder und braucht Hilfe. Und während sie dann nach und nach in den Schacht rutscht, muss sie einen Arm dabei permanent hinter sich ausgestreckt halten. Das Ganze ist ein absoluter Balanceakt, der schon nüchtern kaum zu meistern ist.
48:34
Und Phoebes Großvater kennt seine Enkelin. Sie hatte schon nach zwei Gläsern Wein Probleme mit dem Laufen und begann zu schwanken. Sich in diesem Zustand durch diese schmale Öffnung zu winden, erscheint ihm kaum vorstellbar. Für Phoebes Familie verändert dieser Versuch etwas. Zweifel an der Suizidtheorie hatten sie schon vorher. Doch das Experiment bestärkt sie nochmal da drin. Und damit beginnen sie auch, die letzten Tage mit Phoebe noch einmal anders zu betrachten. Einige Momente, die damals einfach nur merkwürdig gewirkt haben, lassen sie jetzt nicht mehr los.
49:08
Phoebe und Anthony hatten zu diesem Zeitpunkt immer wieder heftige Konflikte. Allein in den Wochen vor ihrem Tod hat Phoebe ihn mehrfach verlassen und ist dann wieder zurückgekehrt.
49:17
Besonders ein Gespräch war ihrer Mutter Natalie im Gedächtnis geblieben. Vier Tage vor Phoebes Tod hatten die beiden über Skype telefoniert. Natalie war beruflich außerhalb von Melbourne unterwegs und hatte wissen wollen, ob mit ihrer Tochter alles okay ist. Als sie Phoebe auf dem Computerbildschirm sah, hatte sie auf Natalie fast geisterhaft gewirkt. Phoebe war in der gemeinsamen Wohnung und es war kein Licht an. »Alles okay?«, hatte Natalie gefragt. »Habt ihr euch wieder vertragen?« Doch statt ihrer Mutter zu antworten, hob Phoebe wortlos einen Finger und führte ihn an die Lippen.
49:48
Fast als habe sie sagen wollen, »Sei leise, wir können nicht offen reden.« Danach sagte Phoebe in einer normalen Lautstärke, »Ant und ich haben gerade nebenan einen Film geschaut.« Ihre Mutter Natalie ist sich sicher, dass Phoebe ihr eigentlich etwas ganz anderes sagen wollte und es nur aus Angst vor Anthony nicht tat. Auch die folgenden Tage verliefen merkwürdig. Am 30. November hatte Phoebe alkoholisiert ihre Psychologin Joanna Young angerufen und ihr gesagt, dass sie sich in ihrer Beziehung nicht mehr sicher fühle. Young hatte ihren Zustand so ernst genommen, dass sie ihr geraten hatte, sich an ein Krankenhaus oder einen Hilfsdienst zu wenden.
50:24
Wenige Stunden später hatte Phoebe dagegen wieder ganz anders gewirkt. Ihrer Großmutter Jeanette hatte sie geschrieben, dass es ihr gut gehe. Bei einem Treffen am Nachmittag hatte sie Witze gemacht und von ihren Plänen erzählt, sich in Indien gemeinnützig engagieren zu wollen. Gleichzeitig stand für Phoebe und Anthony eine gemeinsame Reise bevor. Die beiden wollten nach Paris fliegen. Noch am Abend vor Phoebes Tod soll Anthony Phoebe die Flugtickets gezeigt haben, offenbar, damit sie sich darauf freuen konnte. Für die Reise hatte Anthony sich außerdem Schlaftabletten verschreiben lassen, damit er während des Fluges schlafen konnte.
50:59
Es sind jene Schlaftabletten, die auch Phoebe vor ihrem Tod eingenommen hatte. Für Phoebes Familie kommen damit immer mehr Dinge zusammen, die sie an der Erklärung der Polizei zweifeln lassen. Und vor allem eine Frage bleibt weiterhin offen. Wenn Phoebe nicht selbst in den Schacht geklettert ist, wie ist sie dann dort hineingekommen?
51:19
Auch das versucht Phoebes Großvater mit seinem Nachbau herauszufinden. Diesmal versucht eine von Phoebes Freundinnen nicht selbst in den Schacht zu klettern. Stattdessen verhält sie sich, als wäre sie bewusstlos und lässt ihren Körper vollkommen schlaff. Ein kräftiger Mann trägt sie über der Schulter zur Öffnung und versucht sie mit den Füßen zuerst hinein zu befördern. Und diesmal gelingt es vergleichsweise problemlos, dass die Freundin durch die Klappe in den Schacht fällt. Für Phoebes Familie zeigt der Versuch zumindest eine weitere Möglichkeit. Phoebe hätte von einer anderen Person in den Schacht befördert werden können.
51:54
Mittlerweile befinden wir uns im Jahr 2012, fast zwei Jahre nach Phoebes Tod. Öffentlich hatte der Fall bis dahin kaum Aufmerksamkeit bekommen. Die Ermittlungen waren schnell abgeschlossen worden und die Polizei war von einem Suizid ausgegangen. Doch Phoebes Familie gibt sich damit nicht zufrieden und wendet sich mit ihren offenen Fragen und Ungereimtheiten an die Medien.
52:14
Der australische Sender Channel 7 greift den Fall auf und präsentiert die Zweifel an der Suizidtheorie in der Sendung Sunday Night erstmals einem großen Publikum.
52:23
Der öffentliche Druck wächst und schließlich soll Phoebes Tod neu und unabhängig untersucht werden. In Victoria landet der Fall, anders als in Deutschland, nicht bei der Staatsanwaltschaft, sondern bei einem sogenannten Coroner. Seine Aufgabe ist es, Ursache und Umstände eines Todes zu untersuchen. Und erst wenn sich dann dabei Hinweise auf eine mögliche Straftat ergeben, können die Strafverfolgungsbehörden tätig werden.
52:47
Was genau ein Coroner ist und wie sich seine Arbeit von dem unterscheidet, was wir in Deutschland kennen, erklärt uns Dr. Gerhard Jansen, der seit über 20 Jahren als Strafverteidiger in Australien tätig ist.
52:57
Der ist ein Judicial Officer mit einer unabhängigen Behörde. So etwas wie im italienischen Richt der Untersuchungsrichter. Das ist, glaube ich, ganz spannend zu sehen, dass Fälle, wo es um Auffälligkeiten geht, um unnatürlichen Tod, über Gewalttod, dass das eben getrennt wird im australischen Recht. Das muss einer feststellen. Einer, der kein Interesse daran hat, ob verurteilt wird oder nicht verurteilt wird. Der nicht beeinflusst wird von der Frage, was hat der Staatsanwalt hier gerade vor, wie schnell muss es gehen, sondern...
53:29
der sich völlig unabhängig von Verurteilungs- oder Nichtverurteilungswillen mit so Fragen beschäftigt.
53:37
Wenn ein Coroner einen solchen Todesfall genauer untersucht, kann es zu einem sogenannten Inquest kommen. Dabei geht es nicht darum, Verdächtige zu finden oder jemanden anzuklagen, sondern vor allem zwei Fragen zu beantworten. Woran ist der Mensch gestorben und wie ist es dazu gekommen? Bei Phoebe ist ja die erste Frage klar, sie ist verblutet. Offen ist aber, wie sie überhaupt in diesen Müllschacht gelangte. Und um das zu klären, kann ein Coroner dann ZeugInnen befragen, Beweise untersuchen und Sachverständige hinzuziehen. Er kann sich zudem von WissenschaftlerInnen beraten lassen, Tatorte besuchen oder einen Rechtsbeistand befragen.
54:12
Am Ende eines solchen Inquests erstellt der Coroner einen Report, in dem er dann seine Feststellung festhält. Und ganz wichtig, das ist kein Urteil für oder gegen eine bestimmte Person. Aber wenn sich Hinweise ergeben auf eine Straftat, dann können diese an die Staatsanwaltschaft weitergegeben werden. Rechtsexperte Dr. Gerhard Jansen erklärt, wie das bei einem fremdverschuldeten Tod aussehen kann.
54:33
In seinem Report sagt er dann ja zum Beispiel, ich stelle fest, es liegt eine Straftat vor und ich gehe davon aus, dass es ein Verbrechen ist. Und dann gibt er einen Rat als Report an den Staatsanwalt. Und der Staatsanwalt ist völlig unabhängig davon, trotzdem in der Lage, das Verfahren zum Beispiel nicht zu eröffnen, weil er Umstände feststellt, die für Notwehr sprechen.
55:00
Obwohl es sich bei einem Inquest nicht um einen Gerichtsprozess handelt, will sich Phoebes Familie dabei anwaltlich vertreten lassen. Doch jemanden zu finden, der diese Aufgabe übernimmt, erweist sich als erstaunlich schwierig. Immer wieder bekommen sie zu hören, es gäbe einen Interessenkonflikt.
55:17
Antonies Familie ist in der Justiz von Victoria bestens vernetzt. Sein Vater war dort Richter am Supreme Court, seine Stiefmutter ist ebenfalls Richterin. Und mittlerweile haben sich die Fronten zwischen Phoebes Familie und Anthony komplett verhärtet. Er hält weiterhin an der Theorie fest, dass Phoebe Suizid begangen hat und versucht sogar anwaltlich, den Inquest zu verhindern. Sein Antrag wird allerdings abgewiesen. Schließlich schafft es Phoebes Familie doch. Sie findet jemanden, der bereit ist, sie zu vertreten und keine freundschaftliche Verbindung zu oder Angst vor den Hempels hat.
55:54
Am 5. August 2013, mehr als zweieinhalb Jahre nach Phoebes Tod, beginnt endlich der öffentliche Inquest unter der Leitung von Coroner Peter White. In den kommenden Wochen werden Menschen befragt, die Phoebe kannten, an den ursprünglichen Ermittlungen beteiligt waren oder mit ihrem Fachwissen helfen sollen und Beweismittel eingebracht.
56:13
Dabei zeigt sich schnell, nicht nur Phoebes Tod wirft Fragen auf, sondern auch die Arbeit der Polizei. Besonders schwer wiegt der Umgang mit den Überwachungskameras des Balencia. Obwohl der Gebäudemanager noch am Abend von Phoebes Tod darauf hingewiesen hatte, dass die Aufnahmen automatisch überspielt würden, wurde die Festplatte nicht sichergestellt. Als die Daten später ausgewertet wurden, war ein großer Teil bereits verloren. Auch an der Müllschachtklappe waren keine verwertbaren Fingerabdrücke gefunden worden. Und das ist sehr auffällig, weil das Experiment von Phoebes Großvater gezeigt hatte, dass diese Testpersonen die ganze Klappe und auch die Wand angefasst haben, als sie versucht haben, hineinzuklettern.
56:53
Und trotzdem waren keine Abdrücke von Phoebe darauf.
56:57
Selbst eine der grundlegendsten Fragen lässt sich beim Inquest nicht mehr beantworten. Wann genau ist Phoebe gestorben? Gegen Mittag wurde sie noch lebend von einer der Überwachungskameras aufgezeichnet, deren Material später nicht gelöscht worden war. Gefunden im Müllraum wurde sie um kurz nach 19 Uhr.
57:15
Ein Pathologe hätte dieses Zeitfenster am Fundort mithilfe ihrer Körpertemperatur möglicherweise eingrenzen können. Doch ein solcher wurde nicht gerufen und auch die Rettungskräfte durften Phoebe nicht körperlich untersuchen, weil die Polizei den Fundort als möglichen Tatort schützen wollte. Später ließ sich der Todeszeitpunkt dann nicht mehr genauer bestimmen.
57:34
Ausgerechnet Phoebes Wohnung wurde dagegen nicht wie ein möglicher Tatort behandelt. Die großen schmutzigen Schuhabdrücke im Flur wurden weder fotografiert noch vermessen. Nicht alle Blutspuren in der Wohnung und rund um den Müllschacht wurden untersucht und auch die beiden Trinkgläser aus der Küche nicht auf Fingerabdrücke getestet. Wem die Schuhabdrücke gehörten, wer aus den Gläsern getrunken hatte und ob die Blutspuren auf eine weitere Person hätten hinweisen können, ließ sich später nicht mehr klären. Anthony und andere Personen durften die Wohnung auch relativ schnell, nachdem sich die Polizei vor Ort ein Bild gemacht hatte, wieder betreten.
58:09
Selbst der iMac mit dem Blut auf der Tastatur wurde in dieser Nacht nicht sichergestellt. Erst etwa vier Monate später nahm die Polizei ihn an sich. Eine umfassende technische Untersuchung erfolgte noch deutlich später bei der Untersuchung des Coroners.
58:23
Und auch der kleine Schrein, den Anthony nach seiner Rückkehr auf dem Bett gesehen haben wollte, taucht in der Dokumentation der Spurensicherung nicht auf. Außerdem bleiben auch bei ihrem iPhone Fragen offen. Bei einer Befragung fast ein Jahr nach Phoebes Tod gab Anthony zunächst an, das Telefon bereits am Mittwoch vor der Arbeit zur Reparatur gebracht zu haben, dem Tag bevor Phoebe starb.
58:46
An diesem Vormittag war von dem Gerät allerdings nachweislich noch Phoebes Nachricht an ihre Familie verschickt worden. Also diese recht verwirrte mit der Tomatensuppe im Krankenhaus. Noch im selben Gespräch korrigierte Anthony sich danach. Wahrscheinlich habe er das iPhone erst am Donnerstag Phoebes Todestag abgegeben. Wann das tatsächlich geschah, blieb aber offen. Der Besitzer des Reparaturladens konnte sich nicht erinnern und hatte keine Aufzeichnungen zu dem Telefon.
59:13
Hinzu kommt, dass die damalige Polizeisoftware Phoebes SIM-Karte nicht vollständig auslesen konnte. Trotzdem wurden Gerät und Karte wenige Tage nach Phoebes Tod an Anthony zurückgegeben. Als es dann beim Inquest nochmal mit besseren technischen Möglichkeiten versucht werden soll, ist die SIM-Karte plötzlich verschwunden. Anthony gibt an, nicht zu wissen, wo sie ist. Und Phoebes zweites Telefon, ein älteres Nokia, wurde nie gefunden.
59:38
Und noch etwas wird deutlich. Wie früh sich die Polizei bereits auf eine Erklärung für Phoebes Tod festgelegt hatte. Schon am Abend ihres Todes hatte einer der Ermittlerinnen gegenüber Concierge Betül von einem Suizid gesprochen. Zu diesem Zeitpunkt lagen weder die toxikologischen Ergebnisse vor, noch waren die Spuren aus Phoebes Wohnung ausgewertet. Rückblickend räumen selbst leitende Ermittler ein, dass einige Spuren besser hätten gesichert und untersucht werden sollen.
60:06
Fast drei Jahre später lässt sich vieles davon nicht mehr nachholen. Verlorene Kameraaufnahmen kommen nicht zurück, ein verschwundenes Handy lässt sich nicht nachträglich untersuchen und ein nicht dokumentierter Todeszeitpunkt bleibt eine Lücke in der Aufarbeitung. Der Inquest soll eigentlich klären, was mit Phoebe passiert ist, muss die Frage aber auf Grundlage von Beweisen beantworten, die unmittelbar nach ihrem Tod teilweise gar nicht erst gesichert wurden.
60:31
Umso wichtiger werden die Informationen, die sich auch Jahre später noch überprüfen lassen. Weil trotzdem die zentrale Annahme der Polizei, dass Phoebe sich das Leben genommen hat, untersucht werden soll, wird noch einmal ausführlich untersucht, wie es der 24-Jährigen in den Wochen und Tagen vor ihrem Tod tatsächlich ging. Auch ihre Psychologin Joanna Young hatte sich kurz vor ihrem Tod große Sorgen um sie gemacht. Young berichtet, dass sie bei Phoebe schwere depressive Episoden und eine generalisierte Angststörung diagnostiziert habe. Zudem habe es Hinweise auf eine Borderline-Persönlichkeitsstörung gegeben.
61:03
Das könnte auch so ein bisschen die Dynamiken ihrer Beziehung erklären, dieses intensive Erleben. Bei der Untersuchung berichten FreundInnen außerdem, dass Phoebe immer wieder über Selbsthass und teilweise auch darüber gesprochen habe, nicht mehr leben zu wollen.
61:17
Gleichzeitig beschreiben Angehörige und Freundinnen eine Phoebe, die Zukunftspläne machte und sich noch unmittelbar vor ihrem Tod auf den 18. Geburtstag ihres Bruders freute. Auch beim Inquest ergibt sich also kein eindeutiges Bild von Phoebes psychischem Zustand. Und auch die übrigen Erkenntnisse der Untersuchung liefern keine eindeutige Antwort darauf, wie Phoebe in den Müllschacht gelangt ist.
61:39
Die juristische Beraterin des Coroners kommt deshalb zu dem Schluss, dass sich der Todeshergang nicht mit ausreichender Sicherheit feststellen lasse. Sie empfiehlt Peter White, ihn offen zu lassen. Doch White entscheidet sich dagegen. Denn vielleicht wollte Phoebe weder sterben, noch hatte eine andere Person etwas mit ihrem Tod zu tun. Vielleicht war es ganz anders.
62:02
Bis der Coroner seinen Befund vorlegt, vergehen 16 Monate. Phoebes Mutter Natalie hält die Erinnerungen an ihre Tochter in dieser Zeit über eine eigens eingerichtete Webseite wach. Dort schreibt sie immer wieder darüber, wie sehr sie darauf hofft, dass der Coroner zu einer anderen Einschätzung kommt als die Polizei. Phoebe wird am Ende keine Theorie zurückbringen, doch eine andere Einschätzung könnte zumindest dazu führen, dass die Umstände ihres Todes nochmal neu betrachtet werden und die Familie endlich Antworten bekommt.
62:30
Am 10. Dezember 2014, mehr als vier Jahre nach ihrem Tod, ist es schließlich soweit. Coroner Peter White veröffentlicht seinen Befund. Und tatsächlich kommt er zu einem anderen Ergebnis als die Polizei. Seiner Einschätzung nach liefen Phoebes letzte Stunden ungefähr so ab. Nachdem Phoebe nach dem fehlerhaften Feueralarm zurück in ihre Wohnung gekehrt ist, soll sie am Computer gearbeitet haben. Das würde die Auswertung des IMAX belegen, weil sie ja gegen 12 Uhr noch das Musikprogramm GarageBand geöffnet hatte.
63:01
Danach soll Phoebe den Nachmittag damit verbracht haben, größere Mengen Alkohol zu sich zu nehmen, Kerzen anzuzünden und Musik zu hören. Außerdem nimmt sie Anthony Schlaftabletten ein. Durch die Wechselwirkung von Schlafmittel und Alkohol soll Phoebe in einen verwirrten Zustand gekommen sein. Nach dieser Theorie ist sie nicht mehr ganz Herr in ihrer Sinne, lässt ein Glas fallen und schneidet sich an den Scherben. Als Phoebe schließlich beschließt, das kaputte Glas samt Mülltüte wegzubringen, befindet sie sich laut Coroner in einem nahezu schlafwandlerischen Zustand.
63:32
Das soll auch erklären, warum sie barfuß aus der Wohnung geht und sowohl ihre Tasche und ihren Schlüssel als auch ihren Hund und die brennenden Kerzen zurücklässt. Wie ferngesteuert soll sich Phoebe dann zum Müllschacht begeben haben? Dass sie es trotz ihres Zustands geschafft hat, in die enge Öffnung zu klettern, erklärt White auch mit Phoebes sportlicher Vergangenheit und ihrer Vorliebe fürs Klettern. In einem Zustand kompletter Verwirrung stieg sie demnach angeblich durch die Klappe in den Schacht. Doch Phoebe soll die zwölf Stockwerke nicht einfach hinabgestürzt sein.
64:03
Weil ihr Körper nicht die schweren inneren Verletzungen aufweist, die White bei einem ungebremsten Fall erwarten würde, geht er davon aus, dass sie ihren Körper gegen die Wände des engen Schachts gepresst hat und so ihren Fall abbremste.
64:15
Das ist der zweite Tod von Phoebe Hanstruck. Nach der Theorie des Coroners war es kein Suizid, sondern ein tragischer Unfall, ausgelöst durch die Kombination aus Alkohol und dem Schlafmittel. Fremdverschulden schließt Peter White ausdrücklich aus. Im Laufe des Inquest wurde öffentlich darüber gesprochen, ob Anthony etwas mit Phoebes Tod zu tun gehabt haben könnte. Anthony wies jede Beteiligung zurück und bat den Coroner ausdrücklich, um die Feststellung, dass eine Beteiligung seiner Person auszuschließen ist.
64:46
Phoebes Großvater legte dem Coroner mehrere Gründe vor, warum die Beweislage seiner Meinung nach nicht ausreichte, um Anthony so eindeutig auszuschließen. Doch offenbar überzeugte das den Coroner nicht. Für Phoebes Familie passt die Erzählung eines Unfalls nicht in das Bild, das sie von ihrer Tochter hatten.
65:05
Sie empfinden diese Feststellung auch nicht als eine Erleichterung. Auch in dieser Version ihres Todes liegt die Ursache am Ende wieder bei Phoebe selbst. Aus der suizidalen Phoebe der ersten Theorie wird nun eine berauschte und verwirrte junge Frau, deren eigenes Verhalten eine Kette in Gang gesetzt habe, die mit ihrem Tod endete.
65:24
Und auch diese Version beantwortet viele Fragen nicht. White geht davon aus, dass Phoebe Müll wegbringen wollte. Doch im Müllraum wurden weder Säcke gefunden, die laut der Reinigungshilfe in Phoebes und Anthonys Wohnungen verwendet wurden, noch Glassplitter, die zu dem zerbrochenen Glas gepasst hätten, was sie angeblich wegbringen wollte. Phoebes Großmutter Jeanette sagt nach der Veröffentlichung gegenüber PressevertreterInnen, Ich bin nicht überrascht. Das ist alles, was ich zu diesem Zeitpunkt sagen kann. Ich fühle mich gerade etwas taub.
65:53
Für Phoebes Familie ergeben die beiden bisher in den Raum gestellten Theorien keinen Sinn. Aber wenn es weder ein Suizid noch ein Unfall war, dann drängt sich zwangsläufig die Frage auf, ob doch jemand anderes an ihrem Tod beteiligt gewesen sein könnte. Die Entscheidung des Coroners auszuschließen, dass eine andere Person was mit Phoebes Tod zu tun hatte, entlastet ausdrücklich auch Anthony. Und das, obwohl die eigene juristische Assistenz des Coroners davon ja abgeraten hatte.
66:22
Einige von Antonys Aussagen seien nämlich unbefriedigend gewesen und teilweise hatte er seine Erinnerungen erst verändert, nachdem man ihn auf Widersprüche hingewiesen hatte. Wie den Fakt, dass er Phoebes iPhone nicht schon am Mittwoch zur Reparatur gebracht haben konnte. Außerdem findet die Familie, dass der Corona anderen wichtigen Sachen nicht genug Bedeutung zugemessen hat. Wie dem zerrissenen Kissen, von dem Anthony behauptete, der Hund habe es kaputt gemacht, oder den vielen Gläsern, die Phoebe doch normalerweise weggeräumt hätte, damit es ordentlich in der Wohnung ist. Ihre Psychologin hatte erzählt, dass Phoebe zunehmend das Gefühl hatte, es Anthony nicht recht machen zu können.
66:56
Er habe sie herabgesetzt, sie sich dumm fühlen lassen und habe teilweise aggressiv reagiert, wenn sie sich gegen ihn behauptete. Auch ihr Alkoholkonsum sei immer wieder zum Konflikt geworden. Und dann gab es ja noch das Skype-Gespräch, bei dem Phoebe warnend den Finger auf ihre Lippen legte.
67:12
Und es gibt noch etwas, das die Familie bedeutsam findet. Phoebe war etwa ein Jahr vor ihrem Tod offenbar wieder in einen Lehrer vernaht, diesmal an ihrer Kunstschule. Natalie und Janett beschreiben es später sogar als regelrechte Obsession. Phoebe hatte ihm E-Mails geschrieben und eine Affäre vorgeschlagen. Soweit bekannt ist, kam es dazu nicht. Aber der Mann warf ihr später Stalking vor und Phoebe musste die Kunstschule daraufhin verlassen.
67:40
Und auch Antonys Verhalten nach Phoebes Tod erscheint der Familie im Nachhinein verdächtig. Eine langjährige Freundin berichtete beim Inquest, dass Anthony in ihrer Gegenwart teilweise ganz normal gewirkt habe und auf Facebook unterwegs gewesen sei. Aber sobald Mitglieder von Phoebes Familie in die Wohnung gekommen seien, habe er angefangen zu weinen und sich auf dem Sofa zusammengerollt.
68:01
Auf sie habe dieser Wechsel inszeniert gewirkt, als könne er seine Emotionen ein- und ausschalten. Die Aussagen von Antonys KollegInnen dazu, wann er am Tag von Phoebes Tod das Büro verließ und für wie lange, waren außerdem nicht ganz eindeutig. Sein Büro lag außerdem weniger als zehn Autominuten vom Balencia entfernt. Theoretisch hätte er also zwischendurch zur gemeinsamen Wohnung fahren können.
68:24
Antonies Sicherheitskarte verzeichnet tagsüber allerdings keinen Zutritt zum Gebäude. Ob er trotzdem da gewesen sein könnte, lässt sich im Nachhinein kaum überprüfen, denn die Überwachungsaufnahmen, die darüber möglicherweise Aufschluss gegeben hätten, wurden von der Polizei ja nicht rechtzeitig gesichert und größtenteils überschrieben. Und außerdem zeigte sich später, dass Personen in das Gebäude gelangen konnten, ohne in den elektronischen Zugangsprotokollen aufzutauchen.
68:49
Weil sich auch Phoebes Todeszeitpunkt nicht genauer bestimmen lässt, bleibt damit zumindest theoretisch ein Zeitfenster, in dem Anthony auf die noch lebende Phoebe hätte treffen können. Beweisen lässt sich das allerdings genauso wenig wie das Gegenteil. Nach der Entscheidung meldet sich nun auch Anthony zu Wort. In einem schriftlichen Statement erklärt er, es sei schon schwer genug gewesen, Phoebe zu verlieren. Noch schwerer seien jedoch die falschen und völlig ungerechtfertigten Anschuldigungen gewesen, mit denen er danach konfrontiert worden sei.
69:19
Mit dem Inquest und dem Befund des Coroners seien diese wilden Anschuldigungen nun beendet. Er hoffe, dass Phoebe jetzt endlich in Frieden ruhen könne.
69:29
Doch auch wenn nach dem Befund des Coroners die Sache endgültig abgeschlossen scheint, bleibt Anthony für Phoebes Familie die Person, auf die sich ihr Verdacht konzentriert. Und jahrelang gibt es nichts, das ihren Verdacht erhärtet, bis Phoebes Familie von etwas erfährt, das sie in der Annahme bestärkt, dass Anthony doch etwas mit dem Tod ihrer Tochter zu tun gehabt haben könnte.
69:51
Im Juni 2018 geht ein Todesfall durch die australischen Medien, bei dem Phoebes Familie hellhörig wird. Die 25-jährige Bailey Snyder wird von ihren Eltern bewusstlos auf dem Küchenboden ihres Hauses in Melbourne gefunden. Um ihren Hals liegt eine goldfarbene Kordel aus ihrem Schlafzimmer. Kurz darauf ist Bailey tot. Für die Polizei deutet zunächst alles auf einen Suizid hin. Doch Baileys Eltern zweifeln daran, denn in der Küche findet sich nichts, woran ihre Tochter die Kordel hätte befestigen können, um sich zu erhängen.
70:22
Es gibt keinen Abschiedsbrief und nach Angaben ihrer Familie auch in ihrem Tagebuch keinen Hinweis darauf, dass sie vorhatte, sich das Leben zu nehmen. Trotz der Zweifel ihrer Eltern wird Baileys Tod zunächst nicht als verdächtig eingestuft. Doch ihre Familie gibt sich damit nicht zufrieden und drängt auf weitere Untersuchungen. Schließlich beschäftigt sich auch hier ein Coroner mit den Umständen ihres Todes und diesmal geht die Prüfung noch einen Schritt weiter. Etwa eineinhalb Jahre nach Baileys Tod wird der Fall sogar an die Mordkommission übergeben. Die soll ausdrücklich prüfen, ob möglicherweise eine andere Person für ihren Tod verantwortlich war.
70:57
Die Untersuchungen ergeben dafür allerdings keine Hinweise. Im Haus fanden sich weder Einbruchsspuren noch Anzeichen für einen Kampf. Dafür hatte Bailey mit Angststörungen zu kämpfen, nahm ein Antidepressivum, das speziell dafür eingesetzt wird und hatte, als sie gefunden wurde, Rückstände von Alkohol und Kokain im Blut. Außerdem hatte sie unmittelbar vor ihrem Tod mit Beziehungsproblemen zu kämpfen.
71:21
Am Ende kommen die Behörden zu dem Schluss, dass Bailey unter diesem Einfluss impulsiv entschieden habe, sich das Leben zu nehmen. Ihr Tod wird als Suizid durch Kompressionen am Hals eingestuft. Ihr seht, es gibt hier bereits einige Parallelen zum Fall von Phoebe. Allerdings waren das noch nicht alle, denn der Mann, von dem Bailey sich kurz vor ihrem Tod getrennt hatte, war Anthony Hempel.
71:45
Für Phoebes Familie ist diese Verbindung erschütternd. Dass ausgerechnet eine weitere junge Frau, die mit Anthony liiert war, unter ungewöhnlichen Umständen gestorben ist und auch deren Familie an einem Suizid zweifelt, ist für sie kaum zu ertragen. Seit Jahren lässt sie eine Frage nicht los. Ist wirklich auszuschließen, dass Phoebe Anthony endgültig verlassen wollte, er in Wut ausbrach und seine bewusstlose Freundin schließlich im Müllschacht um die Ecke von seiner Luxuswohnung entsorgte?« Das wäre nach dem angeblichen Suizid und dem mutmaßlichen Unfall der dritte Tod von Phoebe Hens-Juck.
72:20
Die dritte Theorie zu einem Abend, der seit über einem Jahrzehnt die Öffentlichkeit beschäftigt. Für Phoebes Familie ist klar, dass Version 3 dieses Abends im Dezember 2010 so ausgesehen haben muss.
72:33
An diesem 2. Dezember beschließt Phoebe möglicherweise, dass es endgültig reicht. Sie will die Beziehung beenden und zwar noch bevor die beiden zu der geplanten Reise nach Paris aufbrechen. Phoebe hat damals nämlich den Verdacht, dass Anthony ihr dort einen Antrag machen will und macht sich Gedanken darüber, wie er auf eine Ablehnung reagieren könnte. Phoebe nimmt Schlafmittel ein und trinkt Alkohol.
72:53
Nach der Rekonstruktion ihrer Familie, die nicht bewiesen ist, kommt Anthony an dem Tag zurück in die Wohnung und trifft dort auf Phoebe. Vielleicht sagt sie ihm da schon, dass sie ihn verlassen will. Vielleicht geht es aber auch darum, dass sie alkoholisiert ist. In jedem Fall kommt es nach dieser Theorie zu einem Streit. Anthony packt Phoebe so fest, dass die blauen Flecken entstehen, die später bei der Obduktion dokumentiert werden. Phoebe wehrt sich, ein Glas zerbricht und das Kissen im Wohnzimmer wird zerrissen.
73:21
Irgendwann bekommt Phoebe einen Schlag gegen den Nacken und verliert das Bewusstsein. Anthony hält sie möglicherweise für tot und beschließt, ihren Körper im Müllschacht verschwinden zu lassen. Er zieht ihre Hose etwas herunter, damit ihre Beine enger zusammenliegen und sich nicht so leicht verkeilen, wenn er sie durch die Klappe schieben will. Nachdem er sie dort entsorgt hat, beseitigt er mögliche Fingerabdrücke und kehrt in die Wohnung zurück, wo er sich später Essen bestellt.
73:43
Irgendwann kommt sie wieder zu sich, im Dunkeln, schwer verletzt und klettert aus dem Müllcontainer, verblutet dann aber wegen ihrer schweren Verletzung am Fuß von der Müllpresse. Auch diese Theorie lässt Fragen offen. Denn wenn Phoebe bewusstlos in den Schacht geschoben wurde, wie konnte sie den Sturz aus dem 12. Stock ohne schwere innere Verletzungen überleben?
74:05
Der Corona ging ja davon aus, dass sie ihren Fall an den Wänden abbremste. Doch das Experiment von Phoebes Großvater zeigte, dass die Testperson nur mit dem Arm über dem Kopf in den Schacht gelangte. Wie Phoebe sich aus dieser Position abgebremst haben soll, bleibt offen.
74:21
Die Vorstellung, dass Phoebe sich nicht selbst das Leben genommen hat oder dass es eben keine unglückliche Verkettung von Ereignissen war, die zu einem Unfalltod führte, würde aus er ein Opfer einer Gewalttat machen. Jemanden, der nicht selbst Schuld an seinem Tod tragen würde.
74:37
Es gibt also drei Theorien dazu, wie Phoebe Hanstruck gestorben ist. Drei mögliche Tode, die an diesem schwülen Dezemberabend in Melbourne passiert sein könnten. Welches Szenario wahr ist, wissen wir noch immer nicht. Für einen Suizid gibt es Anhaltspunkte, die Unfalltheorie des Coroners lässt Fragen offen und für eine Beteiligung einer anderen Person fehlen bis heute die Beweise.
74:59
Auch die schweren Fehler der ursprünglichen Ermittlungen machen es inzwischen schwierig, einige dieser Fragen überhaupt noch zu beantworten.
75:07
Trotzdem beschäftigt Phoebes Tod die Öffentlichkeit bis heute. 2021 greift auch die australische Sendung 60 Minutes den Fall noch einmal auf und stellt gemeinsam mit Phoebes Großvater dessen Experiment am Müllschacht nach.
75:20
Rechtlich wäre eine erneute Untersuchung grundsätzlich möglich, wenn neue Beweise, ZeugInnen oder andere relevante Informationen auftauchen. Und genau darauf hofft Phoebes Mutter Natalie bis heute, sagt sie in einem Interview.
75:33
I think this whole fight has always been to have justice for Phoebe and the truth. Those things were very important to her.
75:43
She was a fighter and I'm a fighter.
75:47
Für sie sei es in dem Kampf immer um Gerechtigkeit für Phoebe und um die Wahrheit gegangen. Beides sei auch ihrer Tochter sehr wichtig gewesen. Phoebe sei eine Kämpferin gewesen und sie selbst sei es auch. Mehr als zehn Jahre nach Phoebes Tod ist dieser Kampf noch immer nicht vorbei. Natalie ist inzwischen aus Melbourne weggezogen und lebt in Mallacuta, also jenem Küstenort, an dem sich die Familie damals von Phoebe verabschiedet hatte.
76:13
Dort hatten sie Phoebe als die Kriegerprinzessin gehen lassen, als die, die sie in Erinnerung behalten wollten. Eine junge Frau, die nur 24 Jahre alt wurde und deren Familie bis heute darauf wartet, endlich zu erfahren, was in ihren letzten Stunden wirklich passiert ist.
76:28
Ja, also dieser Fall, der erzählt so viele Geschichten und hat so viele lose Enden irgendwie, dass er natürlich auch wahnsinnig unbefriedigend ist. Was mich wirklich schwer beschäftigt hat, ist Phoebes Vergangenheit, schon eh mit Männern, dass sie offenbar jemand war, der Beziehungen sehr intensiv gelebt hat, was ich total nachvollziehen kann und sich aber vielleicht auch durch ihre mentalen Probleme beschäftigt. Ja.
77:17
Wie gesagt, davon ist ja nichts bewiesen. Es ist eine Theorie, die die Familie schon sehr lange Zeit vertritt. Es kann auch sein, dass Phoebe sich wirklich etwas hat antun wollen. Wir erinnern uns an diese ganzen Situationen vorher, auch an diese wirklich weirde SMS, die sie noch vorher geschickt hat. Also auch die hört sich für mich ja sehr danach an, dass sie da schon unter irgendeinem Einfluss gestanden hat, seien es Substanzen oder Alkohol.
77:44
So richtig weiß man ja nicht, was es mit dieser SMS auf sich hatte, aber es ist natürlich schon so, dass sie einen langen Kampf schon hinter sich hatte und manche Menschen verlieren diesen Kampf ja auch. An der Stelle nochmal ein Hinweis, wir haben euch Hilfsangebote in der Folgenbeschreibung zusammengepackt, wenn ihr mit Depressionen Probleme habt oder nahestehende Personen, die ihr kennt, damit Probleme haben.
78:03
Was mich sehr, sehr bewegt an dem Fall, ist diese Familie, die ja aus verschiedenen Mitgliedern besteht, die alle irgendwas Tolles für Phoebe gemacht haben oder die ihr irgendwie Halt gegeben haben. Also vor allem die Großeltern, die Mutter Jeanette, mit der sie immer über ihre Probleme mit Substanzen reden konnte, die da auch Erfahrung hatte und ein offenes Ohr hatte. Aber natürlich auch ihr Großvater, dem diese Suizidtheorie alleine auch schon wegen seines Berufs natürlich keine Ruhe lässt. Und der dann diese Konstruktion nachbaut. Ich finde das wirklich ganz, ganz berührend, dass da alle an einem Strang ziehen und versuchen, die Wahrheit ans Licht zu bringen.
78:38
Denn eine Sache muss man wirklich auch dazu sagen. Dass sie sich suizidiert haben könnte, ist ja eine Sache.
78:44
Aber auf diese Art und Weise, da muss man wirklich ein ganz, ganz großes Fragezeichen dran setzen. Ja, ich habe es ja schon erwähnt. Wir posten die Tage jetzt auch auf unserem Instagram-Kanal Mordluster Podcast Bildmaterial dazu. Als ich gesehen habe, wie sich diese Frau durch diesen engen Schacht quetschen muss, Wirklich, also diese Vorstellung alleine, dass du vielleicht unter Substanzen und nicht ganz klar, aber gerade dann diese Koordination leisten müsstest mit deinem Körper und dann ja auch Gefahr laufen würdest, dass dich jemand in so einem Moment dann ja auch noch entdeckt im Müllraum, wo ja auch andere Leute regelmäßig ein- und ausgehen.
79:26
Also ich habe wirklich das Gefühl, dass die wenigsten Menschen sich in so einen engen Schacht, bei dem man ja auch nicht weiß, was da drin mit einem passiert und wo man dann landet, stürzen würden. Und wegen diesen Nachstellungen, die beispielsweise Phoebes Großvater gemacht hat, aber die danach auch nochmal für 60 Minutes Australia nachgestellt wurden, Kann ich von einem Unfall wirklich auch nicht so richtig ausgehen? Also in der Theorie hört sich das alles so, ah ja, hätte gewesen sein können, da kann ein Suizid im Raum stehen, ein Unfall hätte möglich sein können.
79:58
Aber wenn man sieht, was das für eine Millimeterarbeit gewesen sein muss, die dadurch diese Klappe des Schachts zu kriegen...
80:04
Also mir fehlt da tatsächlich die Vorstellungskraft. Und gleichzeitig muss ich natürlich sagen, dass Anthony nie etwas nachgewiesen wurde. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung. Ebenso im Fall von seiner zweiten Freundin, die sich angeblich suizidiert hat. Aber ich kann wirklich nur erahnen, wie dieses Gefühl davon uns und unserer Phoebe ist hier Unrecht widerfahren, an der Familie nagen muss. Denn mit diesen Erklärungen, mit der Suizidtheorie und der Unfalltheorie, da würde ich mich auch nicht zufrieden geben.
80:35
Ja, so viel zu diesem Fall. Nächste Woche bespreche ich zusammen mit Laura einen Fall. Da geht es um eine absurde Beobachtung, die eine Frau von ihrem Balkon ausgemacht hat. Und sie meint gesehen zu haben, wie ein betrunkener Mann von Menschen ins Auto begleitet wurde. Aber als dieser Mann wenig später vermisst gemeldet wird, stellt sich heraus, dass dahinter etwas ganz anderes steckt. Bis dahin.
81:00
Das war ein Podcast der Partner in Crime in Zusammenarbeit mit Studio Bummens. Hosts Paulina Graser und Laura Wohlers. Redaktionelle Leitung John Hanschin und wir. Redaktion Lisa Ludwig und wir. Schnitt Pauline Korb. Rechtliche Abnahme und Beratung Abel und Kollegen.
81:22
Werbung Der 7One Audio Podcast Tipp.
81:32
Hallo und herzlich willkommen bei Geschichten aus der Geschichte. Mein Name ist Richard. Und mein Name ist Daniel. Ja, und wir sind zwei Historiker, die sich hier Woche für Woche eine Geschichte aus der Geschichte erzählen.
81:45
Wir erzählen kleinere Geschichten, die meist nicht in den Geschichtsbüchern stehen.
81:49
Genau. Wir betten sie aber in einen Kontext ein und erklären dabei auch, wie die Welt, in der wir heute leben, zu der geworden ist, die sie ist.
81:59
Du, Richard, hast neulich zum Beispiel mal eine Geschichte erzählt von Inseln, die gar nicht existieren.
82:04
Korrekt. Oder du hast auch vor nicht allzu langer Zeit mal erklärt, wie das Wachsfigurenkabinett der Madame Tussauds entstand.
82:13
Und wir haben darüber gesprochen, wie es dazu kam, dass wir uns heute überall in Spiegeln betrachten können.
82:19
Genau so ist es. Jeden Mittwoch gibt es eine neue Folge. Und wer neu dabei ist und viel Zeit mitbringt, kann sich bereits durch 400 veröffentlichte Folgen graben.
82:30
Genau so ist es.
82:31
Geschichten aus der Geschichte findet man unter geschichte.fm und überall, wo es Podcasts gibt.
82:45
Werbung Ende.